Bewegte Bilder, die Mut machen

Wer sind die Menschen, die aus ihrer Heimat in den Hochwald geflüchtet sind? Und wer hilft ihnen dabei, sich hier zurechtzufinden? Diesen Fragen sind drei junge Männer aus Hermeskeil in einem Dokumentationsfilm nachgegangen, der nun erstmals öffentlich im Mehrgenerationenhaus vorgeführt wurde.

Hermeskeil. Eine oscarreife Leistung haben die drei jungen Männer da hingelegt. So sehen es die Veranstalter der Filmpremiere im Hermeskeiler Mehrgenerationenhaus (MGH). Gerade sind die letzten Bilder der Dokumentation "Ankommen! Angekommen?" über die Leinwand geflimmert. Der Film zeichnet Stationen nach, die ein Flüchtling ab dem Zeitpunkt seiner Zuweisung in die Verbandsgemeinde Hermeskeil durchläuft. Und er stellt Menschen vor, die ihre Mitbürger auf dem Weg der Integration begleiten."Ich finde den Film einfach genial", lobt MGH-Leiter Christoph Eiffler und drückt den drei Schöpfern goldene Miniaturausgaben des berühmten Filmpreises Oscar in die Hand. Dazu gibt es lang anhaltenden Applaus von etwa 50 Premieren-Gästen, darunter Vertreter von Politik, Kirche, Kitas und Schulen und viele ehrenamtliche Helfer. Auch zwei Flüchtlingsfamilien sind im Saal. Weil sie etwas zu spät kommen, zeigen ihnen die Filmemacher ihr Werk spontan noch einmal am Computer.Zwei Fragen als roter Faden

Felix Faber (18), Marvin Kubitza (19) und Johannes Clemens (20) beginnen mit einer Szene, die Muslime beim Gebet zeigt. Aus dem Off werden zwei Fragen gestellt, die sich wie ein roter Faden durch die 16 Minuten lange Dokumentation ziehen: "Wer sind die Menschen, die bei uns ankommen? Und wer hilft ihnen?" Erste Station ist das Büro von VG-Mitarbeiter Thomas Mertz, der für die Flüchtlinge nach Wohnungen sucht. Dann führt ein Bewohner das Drehteam durch Aufenthaltsräume der Reinsfelder Gemeinschaftsunterkunft. Die Tischtennisplatte, erzählt er, hat ein Bürger gespendet. Stellvertretend für die vielen ehrenamtlichen Helfer zeigt der Film Ursula Stimmler, die sich in Züsch um eine Familie kümmert. "Es geht vor allem um praktische Hilfe für den Alltag", erklärt sie, während sie mit dem Sohn Ali Waffeln backt. Weiter geht es zum Deutschkurs, ins Integrationscafé, ins Mehrgenerationenhaus. Orte, an denen die Flüchtlinge auch mit Einheimischen in Kontakt treten. Stadtbürgermeister Mathias Queck und VG-Chef Michael Hülpes loben die Hilfsbereitschaft der Hermeskeiler und bitten um weiteres Engagement. Anerkennung gibt es auch von Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Der bekannte Liedermacher Konstantin Wecker fordert die Zuschauer auf, ihre Ängste und Vorurteile abzulegen.Die Idee zum Film geht zurück auf eine Projektwoche mit Dechant Clemens Grünebach am Hermeskeiler Gymnasium. Zwei der drei Filmemacher waren im Frühjahr 2015 dabei und befassten sich dort intensiv mit Flüchtlingsarbeit: "Es wurde vieles angestoßen, was aber nicht in einer Woche umsetzbar war", sagt Felix Faber. Mit einem Dutzend Mitstreiter gründete er deshalb die Jugendgruppe Blast the Borders (Sprengt die Grenzen), die zum Beispiel Kleidersammlungen organisierte. Inzwischen ist die Gruppe Teil des MGH-Fördervereins, der nun unter ihrem Namen firmiert. "Ihr habt durch frischen Wind den alten Verein neu belebt", lobt MGH-Leiter Eiffler. Prominenteste Verstärkung dürfte Konstantin Wecker sein, der laut Faber neues Mitglied bei Blast the Borders ist. Unterstützt wurde der Dreh vom Runden Tisch Asyl. Dieser vernetzt mehr als 30 Partner aus der Flüchtlingsarbeit, die gemeinsam auch neue Angebote entwickeln (der TV berichtete am 2. Juli) . "Wir wollen nach draußen tragen, was hier passiert und warum man sich einbringen sollte", erklärt Faber die Motivation der Filmemacher. Gedreht wurde anderthalb Monate. Zwölf Stunden verbrachten die jungen Männer im Schneideraum des Bürgerrundfunks OK54 Trier, der die Technik zur Verfügung stellte. Finanziert wurde der Film laut Eiffler "komplett aus Landesmitteln".Die Mitglieder des Runden Tisches hoffen, dass die Dokumentation künftig in Kitas, Schulen, Vereinen und bei der Erwachsenenbildung eingesetzt wird. "Der Film kann viele Anreize bieten, um ins Gespräch zu kommen", findet Eiffler. Die DVD mit allen Interviews in voller Länge ist über das Mehrgenerationenhaus erhältlich. Für Arno Ranft, Leiter des Hermeskeiler Gymnasiums, "schließt sich damit ein Kreis". Er überlege bereits, wie man den Film seiner ehemaligen Schüler in den Unterricht einbinden könnte: "Man muss da sensibel herangehen, aber wir finden sicher Möglichkeiten." Meinung

Ein bemerkenswertes Projekt Wer sich über das Thema Flüchtlingsarbeit in der Verbandsgemeinde Hermeskeil informieren möchte, für den bietet die Dokumentation der drei jungen Filmemacher eine gute Orientierung. Viele wichtige Akteure und Ansprechpartner tauchen darin auf. Und auch die Betroffenen selbst kommen zu Wort. Natürlich kann ein Film von 16 Minuten inhaltlich nicht allzu sehr in die Tiefe gehen. Aber er setzt Impulse, die aufgegriffen werden können. Beispielweise die Idee, dass Hermeskeiler so etwas wie Patenschaften für Flüchtlingsfamilien übernehmen und ihnen im Alltag zur Seite stehen. Das Bemerkenswerteste an diesem Projekt ist allerdings, dass die Idee dafür in den Köpfen von Schülern gereift ist. Sie haben für die Umsetzung viel Zeit und Arbeit investiert. Aber was das Wichtigste ist: Diese jungen Menschen sind davon überzeugt, sich für die Integration von Geflüchteten engagieren zu wollen. Sie sehen dies als gesellschaftliche Aufgabe, zu der sie ihren Beitrag leisten wollen. Dabei können sie wichtige Multiplikatoren sein, die ihre vorurteilsfreie Haltung weitergeben - an Vereinskollegen, an Mitschüler, an Freunde und in der eigenen Familie. Für das Gelingen von Integration kann das enorm hilfreich und wichtig sein. c.weber@volksfreund.deExtra

Die Macher des Films (von links): Marvin Kubitza, Johannes Clemens und Felix Faber. Foto: (h_hochw )

Zahlen zu Flüchtlingen: In der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil leben aktuell 114 Menschen, die einen Antrag auf Asyl gestellt haben. Das teilt Thomas Mertz von der VG-Verwaltung mit. Die Asylbewerber sind folgenderrmaßen auf die Ortsgemeinden verteilt: 72 sind in der Stadt Hermeskeil untergebracht, 25 in Reinsfeld (davon 21 in Gemeinschaftsunterkünften), 13 in Züsch und vier in Neuhütten. Sie stammen überwiegend aus Afghanistan (22), Somalia (16), Syrien (15), Mazedonien (14) und Pakistan (12). Wie lange die Asylsuchenden bereits im Hochwald leben, ist laut Mertz ganz unterschiedlich. Die Zeitspanne reiche von Anfang 2014 bis September 2016. Wie viele Flüchtlinge (inklusive der bereits anerkannten) insgesamt in der Verbandsgemeinde leben, werde nicht separat erfasst. cweb