Diskussion um Schodens Multi-Kulti-Anlage: Biergarten ist illegal und muss schließen

Kostenpflichtiger Inhalt: Diskussion um Schodens Multi-Kulti-Anlage : Biergarten ist illegal und muss schließen

Schodens beliebtes Freiluftlokal an der Saar darf nach der Winterpause nicht mehr öffnen. Das Bedauern auf Facebook ist groß. Der Ortsgemeinderat könnte die Situation ändern.

Weinende Emojis begleiten die Facebook-Nachricht von Wolfgang Cartus, dem Betreiber des Schodener Biergartens an der Saar. Er schreibt am Sonntag: „Das war wohl der letzte schöne Sonnentag im Biergarten Multi-Kulti Fun-Beach überhaupt... Leider ist diese Zeit nun ein für allemal vorbei. Vom Bauamt der Kreisverwaltung ist uns gestern eine Wiedereröffnung, nach der Winterpause, im Frühjahr 2020 untersagt worden. Es ist zum Schreien.“

Die Kommentare 85 Menschen haben Cartus’ Post kommentiert. Die Reaktionen reichen von entsetzter Ungläubigkeit über Bedauern und Wut bis hin zu kämpferischen Aufrufen, dagegen anzugehen. So schreibt „Mim Mü“: „Unfassbar... Bald gibt es überhaupt nichts mehr.“ Markus Knippel meint: „Sehr bedauerlich, beste Wohlfühlatmosphäre und ein Hotspot der Region. Unverständlich, vor allem da damals um die 2000er mit EU-Mitteln das ganze Projekt so gestartet wurde.“ Petra Grothe postet: „Das ist nicht zu fassen und das tut mir sehr leid für die lieben Betreiber und für den besonderen Ort, wo man sich für ein paar Stunden wie im Urlaub gefühlt hat.“ Michael Schmitt regt sich auf: „Irrsinnsbürokratie! Das ist ja wohl die schönste Ecke zwischen Saarburg und Konz.“ Andrea Feilen denkt in Richtung Zukunft: „Ist nicht wahr, so eine schöne Ecke......vielleicht Unterschriften sammeln für den Erhalt des Biergartens.“ Auch Thomas Knechtel hat einen Vorschlag: „Das ist ja ne Frechheit, dann wird mal was Gutes gemacht, und es wird sinnlos beendet. Man sollte eine Petition dagegen starten.“ Volker Pink schlägt vor: „Eigentlich heißt es jetzt aufstehen und alle mit einer Stimme sprechen !!“

Die Fakten Seit 18 Jahren hat Wolfgang Cartus den Fun-Beach-Biergarten an der Saar in Schoden gepachtet. Seit 13 Jahren betreibt der 58-Jährige ihn mit seiner Frau. Doch nun kam heraus, dass das Freiluftlokal gar nicht genehmigt ist. Wie die Kreisverwaltung, die sich zunächst bedeckt hielt, auf TV-Anfrage bestätigt, fehlt die Baugenehmigung. Zugelassen ist lediglich ein Kiosk. Aufgedeckt hatte den Mangel Paul Henseler, Trierer Fachanwalt für Baurecht. Er hatte die Bauakte geprüft, weil eine Anwohnerin des Biergartens ihn beauftragt hatte, ihre Rechte durchzusetzen. Die Frau ärgert sich über Lärm und Verkehr, die ihrer Meinung nach von der Schodener Freizeitanlage herrühren. Zur so genannten Multi-Kulti-Anlage gehören neben dem Biergarten ein Minigolfplatz, ein Beachvolleyballfeld und eine Bootsanlegestelle. Zudem nutzt ein Kanuverleih einen Hallenteil. Martina Bosch, Pressesprecherin der Kreisverwaltung, teilt mit: „Nach der derzeitigen Baugenehmigung darf der Minigolfplatz nicht betrieben werden.“ Die Kanus könnten weiter vor Ort gelagert werden. Die gesamte Logistik für den Verleih dürfe allerdings nicht in der Anlage erfolgen. Die Verantwortliche des Kanuverleihs, dessen Geschäftsadresse sich im Ort befindet, möchte sich dazu nicht äußern.

Der Ausblick Für Wolfgang Cartus war die Nachricht, dass er seinen Biergarten nicht mehr öffnen darf, ein Schock. Der Fun-Beach ist sein Haupterwerb. Er sagt: „Ich will nun mit allen Mitteln für den Biergarten kämpfen!“ Auf der Suche nach Hilfe hat er sich kurzfristig auch an Jürgen Dixius, den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell, gewandt. Cartus lässt sich zudem rechtlich beraten. Das entscheidende Gremium in der Sache ist aber der Schodener Ortsgemeinderat. Er könnte versuchen, Biergarten und Minigolfplatz zu legalisieren, indem er den Bebauungsplan entsprechend ändert. Der derzeitige Plan definiert das Gelände mit der Multi-Kulti-Anlage als Fläche für den Gemeinbedarf. Kitas, Schulen, Kirchen, soziale und kulturelle Einrichtungen wären demnach zulässig, aber kein Biergarten. Für den Fall, dass der Bebauungsplan nun so geändert, dass ein Biergarten genehmigt werden könnte, würde die Öffentlichkeit an dem Verfahren beteiligt. Auch Nachbarn könnten sich zu Wort melden. Die Eingaben würden abgewogen. Rechtsanwalt Henseler nennt dies ein Verfahren zur Konfliktbearbeitung, die bislang gefehlt habe. Womöglich muss ein Lärmschutzgutachten erstellt werden. Dies könne auch dazu führen, dass ein Biergarten an dieser Stelle nicht zulässig sei, meint Henseler. Die Sache birgt also ein Risiko. Schodens Ortsbürgermeister Rüdiger Hausen will dem per Mehrheitswahl bestimmten Rat ohne Fraktionen die Möglichkeit geben, sich die Sache genau zu überlegen. Er teilt mit: „Um einen in allen Facetten durchdachten Beschluss zu fällen, wird dem Ortsgemeinderat in der kommenden Sitzung am 21. November zunächst die Sachlage dargelegt... Anschließend hat der Rat bis zur nächstfolgenden Sitzung Zeit, sich eine klare Meinung über das weitere Vorgehen zu bilden und schließlich einen fundierten Beschluss über das weitere Vorgehen zu fassen.“

Bürgermeister Jürgen Dixius versichert auf TV-Anfrage, dass die VG Schoden bei den anstehenden Planungen unterstützen würde – „sofern die Anlage fortbestehen soll“. Generell stellt er fest: „Die Multi-Kulti-Anlage in Schoden ist ein beliebtes Ausflugsziel. Mit der Minigolfanlage, dem Beachvolleyballfeld, dem Kanuverleih und dem Gastronomiebetrieb ist sie für die Freizeitgestaltung und für den Tourismus von großer Bedeutung.“

Wann der Schodener Rat nach November wieder zusammenkommt, steht laut Sitzungskalender der VG noch nicht fest. Cartus muss also warten. Doch das müsste er so oder so. Ihm wurde gesagt, dass eine Änderung des Bebauungsplans um die neun Monate dauert. 2020 will Cartus zumindest den Kiosk weiter betreiben. Das darf er laut Vertrag bis 2022. Doch sagt der Gastronom: „Wirtschaftlich ist das Mumpitz.“

Mehr von Volksfreund