Biergartenbetreiber aus Schoden kämpft um Sitzplätze auf seiner Terrasse

Kostenpflichtiger Inhalt: 1600 Unterschriften gesammelt : Verbot nach 17 Jahren? - Biergartenbetreiber kämpft um Sitzplätze auf seiner Terrasse

1600 Unterschriften hat Wolfgang Cartus gesammelt, damit er in seinem Biergarten an der Saar in Schoden wieder die komplette Terrasse nutzen kann. Das durfte er 17 Jahre lang – bis auffiel, dass sein Konzessionsvertrag dies nicht erlaubt. Daran etwas zu ändern, verweigert die Gemeinde bislang.

An sonnigen Tagen ist die Terrasse des Fun-Beach-Biergartens an der Saar bei Schoden voll. Wolfgang Cartus macht sich dennoch Sorgen um seine Gaststätte, die Teil der sogenannten Multi-Kulti-Anlage der Gemeinde ist. Zu der Anlage gehören ein Minigolfplatz, ein Volleyballfeld, ein Bootssteg und ein Kanuverleih. Seit Anfang des Jahres darf Cartus nur noch die Hälfte der 20 Meter langen und drei Meter breiten Terrasse nutzen. Außerdem verlangt das Ordnungsamt, dass der Biergarten um 22 Uhr geräumt ist, und hat dies in diesem Jahr bereits mehrfach kontrolliert.

Die Vorgeschichte Das war die 17 Jahre davor anders. Cartus sagt: „Mein Schwiegervater hat anfangs den Biergarten geführt. Die Gemeinde hat ihn 2003 sogar unterstützt, als er die ganze Terrasse mit Kies aufgefüllt hat. Sie hat das Material bezahlt.“ Vorher sei nur die Hälfte der Terrasse mit Steinen bestückt gewesen. Auch die Öffnungszeiten seien in der Vergangenheit großzügiger ausgelegt worden. Da habe es um 22 Uhr die letzte Runde gegeben.

Dass das Ordnungsamt nun so strikt ist, führt Cartus auf die Beschwerden eines Nachbarn zurück. Durch dessen Nachhaken, sagt der Biergartenbetreiber, sei erst ans Licht gekommen, dass er tatsächlich laut Konzessionsvertrag nur die halbe Terrasse nutzen darf. „Das hat vorher niemanden interessiert“, sagt Cartus. Zu den Öffnungszeiten heißt es vonseiten der Verbandsgemeindeverwaltung Saarburg-Kell: „Die Betriebszeit ist auf 22 Uhr beschränkt.“ Das bedeute, dass die Gäste die gewerbliche Fläche um 22 Uhr zu verlassen hätten. Der Gastwirt zweifelt diese strikte Auslegung der Regelung an.

Einschränkung hat Folgen Dennoch hat Cartus sich laut eigener Aussage nach den Ermahnungen des Ordnungsamts an die Auflagen gehalten – mit den entsprechenden Folgen. Er hat nur noch etwa die Hälfte der ursprünglich 140 Plätze anbieten können. Cartus beklagt: „Ich habe 20 Prozent weniger Einnahmen, aber um das Geld geht es mir nicht in erster Linie. Ich will, dass die Gäste zufrieden sind.“ Viele Besucher seien aber nun nicht mehr zufrieden, weil Bänke und Stühle auf der verbleibenden Fläche zusammengepfercht werden müssten, obwohl nebenan die Fläche frei sei. Auch die strikten Schlusszeiten schmeckten den Besuchern nicht. Stammgast Erwin Mergen aus Wiltingen bedauert: „Gerade wenn es im Sommer so heiß ist, sitzt man abends auch gerne mal länger draußen. Nun soll man schon um 22 Uhr heimgehen.“

Wolfgang Cartus hat mehr als 1600 Unterschriften gesammelt, damit sein Biergarten sich wieder ausdehnen kann. Foto: TV/Marion Maier

Betreiber stellt Antrag Cartus und seine Frau leben von dem Saisongeschäft, das zwischen März und Mitte November läuft. Also hat der Gastwirt bereits im April bei der Gemeinde beantragt, die Konzession auf die gesamte Terrasse auszuweiten. Zudem hat er Unterschriften gesammelt – für die ursprüngliche Terrassengröße und ein Bleiberecht für die Gäste über 22 Uhr hinaus. Mehr als 1600 Unterschriften kamen zusammen.

Wegen offener Fragen hat der Gemeinderat das Thema zweimal vertagt. Ende Juni stimmte das Gremium in öffentlicher Sitzung gegen den Antrag – einstimmig. Damals wollte Cartus die Terrasse auch noch zur Saar hin erweitern, was rechtlich nicht möglich ist. Der Biergartenbetreiber stellte dann einen neuen Antrag ohne diese Erweiterung. Der Rat behandelte das Thema in der Septembersitzung – diesmal nicht-öffentlich. Es handele sich um eine private Grundstücksangelegenheit zwischen Pächter und Ortsgemeinde, begründet dies die Verbandsgemeindeverwaltung auf TV-Nachfrage. Doch das Ergebnis blieb das gleiche: Der Rat lehnte ab, die Konzession zu erweitern, wie ihm Ortsbürgermeister Rüdiger Hausen bislang nur mündlich mitgeteilt habe.

Ärger über die Ablehnung Es ist die Begründung, die Wolfgang Cartus auf die Palme bringt. Sie lautet wohl genauso wie beim ersten Antrag. Laut Sitzungsprotokoll hat der Rat Nein zu Cartus` Antrag gesagt, weil „Beschwerden der Anwohner zu Lärmbelästigung, Verkehrsaufkommen und Parksituation“ vorlägen. Auf Nachfrage erklärt Nathalie Hartl, Sprecherin der Verbandsgemeindeverwaltung, dass die Beschwerden von einer einzigen Familie stammten.

Cartus schiebt die Verantwortung für die genannten Probleme von sich. 80 bis 90 Prozent seiner Gäste kämen mit dem Rad oder zu Fuß, sagt er. Störenden Lärm verursachten sie zudem nicht, weil sie auf der von den Nachbarn abgewandten Seite des Gebäudes säßen. Der Biergartenbetreiber sieht viel mehr den Kanuverleih, der mittlerweile 50 Boote besitze, in der Verantwortung. Er empfange seine Gäste auf der den Nachbarn zugewandten Seite. Zudem kämen die Kanufahrer in der Regel mit dem Auto angefahren. Cartus untermauert seine These mit Bildern von den diesjährigen Ostertagen, an denen  durchgehend schönes Wetter war. An den Tagen, an denen nur der Biergarten offen gewesen sei, hätten trotz vieler Gäste nur wenige, maximal fünf Autos auf der Wiese gegenüber der Multi-Kulti-Anlage gestanden. Am Ostermontag, als der Kanuverleih ebenfalls geöffnet hatte, seien es bis zu 35 Wagen gewesen.

Ortschef sucht Lösung Ortsbürgermeister Hausen widerspricht der Argumentation des Biergartenbetreibers. Er sagt: „Wir haben uns die Anlage an verschiedenen Tagen zu verschiedenen Zeiten angeschaut. Auch wenn nur der Biergarten offen war, hat es durchaus bemerkbaren Fahrzeugverkehr gegeben.“ Wie viele Wagen er gezählt habe, will er nicht sagen. Doch seien es mehr als fünf gewesen. Hausen will allerdings niemandem Schuld zuweisen. Er sagt: „Wir wollen eine für alle verträgliche Lösung finden. Deshalb sind wir derzeit mit allen Beteiligten, also dem Biergartenbetreiber, dem Kanuverleih, den Nachbarn, dem Rat und der Verwaltung im Gespräch.“ An eine schnelle Lösung glaubt der Ortsbürgermeister nicht. Das Problem sei nicht vom Himmel gefallen und werde auch nicht im Handumdrehen zu lösen sein.

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