1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Bilanz nach zwölf Monaten: Feuerwehrmuseum Hermeskeil zählt knapp 10 000 Besucher

Bilanz nach zwölf Monaten: Feuerwehrmuseum Hermeskeil zählt knapp 10 000 Besucher

Wegen der hohen Baukosten von 4,8 Millionen Euro hat das Rheinland-Pfälzische Feuerwehrerlebnismuseum in Hermeskeil im ersten Jahr nach der Eröffung mehrfach negative Schlagzeilen produziert. Doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Exakt 9 636 Menschen haben sich bisher die Ausstellung angeschaut - eine Zahl, die in etwa dem vorher formulierten Ziel entspricht. Und: Die meisten Besucher verlassen das Museum mit einem positiven Eindruck.

Nach jahrelanger Planung, vielen Diskussionen und einer 21-monatigen Bauzeit war es im April 2014 so weit: In Hermeskeil wurde das Rheinland-Pfälzische Feuerwehrerlebnismuseum eröffnet. Es handelt sich dabei um die landesweit bedeutendste Präsentation historischer und moderner Feuerwehrtechnik. In der multmedialen Ausstellung, die sich auf über 1000 Quadratmetern erstreckt und in die fünf Themenbereiche Feuer, Ereignisse, Tätigkeiten, Protagonisten und Werkzeuge gegliedert ist, sind die Besucher ausdrücklich zum Mitmachen und Ausprobieren aufgefordert.Besucher vom Konzept angetan


Ein Konzept, das gut ankommt, wie sich beim aktuellen TV-Termin vor Ort zeigt: "Dieses Museum ist faszinierend. Und alles ist so schön erklärt, mit Hörbeispielen und Filmen", sagt zum Beispiel Jessica Frey. Die 16-Jährige ist selbst Mitglied einer Jugendwehr im saarländischen Kirrberg und hat mit ihrem Vater Michael einen Rundgang durch das Haus gemacht.

Eine weitere Besucherin ist Christa Koch aus Hermeskeil. Sie ist nicht selbst als Brandschützerin aktiv, sagt aber: "Das ist hier so interessant, dass man die Zeit vergisst."

Bis heute sind 9636 Menschen ins Museum gekommen. Diese Zahl entspricht den vorher formulierten Erwartungen (10 000 Besucher), und "darüber freuen wir uns sehr", betont Christoph Unger. Er ist Vorsitzender des Fördervereins, der das Museum ehrenamtlich betreibt.

Doch es gibt einen großen Wermutstropfen: Das erste Jahr war überschattet von der Tatsache, dass im Herbst 2014 bekannt wurde, dass beim Bau des Museums weitere Mehrkosten von 450 000 Euro entstanden waren. Das Projekt, für das ein Neubau errichtet und direkt daneben das alte Heimatmuseum saniert wurde, hat somit insgesamt rund 4,8 Millionen Euro verschlungen. Für den Landesrechnungshof war das inzwischen Anlass für eine Sonderprüfung, deren Ergebnis aber noch aussteht (der TV berichtete mehrfach).

Angesprochen auf diese Entwicklung sagt Stadtbürgermeister Mathias Queck (CDU): "Wir müssen jetzt in die Zukunft schauen. Dieses Museum schafft wichtige Impulse für die ganze Stadt und die Region."

Gerüchte, die besagen, dass die Stadt das Museum abgeben will, seien eine reine Erfindung, so Queck. Allerdings hatte die SPD-Stadtratsfraktion in Zusammenhang mit dem geplanten Asylbewerberheim in der Ex-Kaserne den Vorschlag gemacht, dass das Land das Museum übernehmen sollte.

Queck findet es beeindruckend, wie viele junge Menschen das Museum erleben wollen. Sie machen mehr als die Hälfte der Besucher aus. Das Gästebuch, das von Gertrud Blasius geführt wird, quillt über vor Lob von kleinen, aber auch großen Besuchern.

Lob gibt es von Queck und dem für die städtischen Museen zuständigen Beigeordneten Willi Auler auch für die Arbeit des Fördervereins. Unger rechnet vor: "Rund 800 Stunden wurden von unseren Mitgliedern ehrenamtlich an der Kasse geleistet. Das allein ist schon bei 8,50 Euro Mindestlohn ein Wert von 6800 Euro."2500 Stunden für Führungen


Rund 2500 Stunden für Führungen von Besuchergruppen, Instandhaltung der Ausstellung, Restaurierung von Exponaten, Aufbau des Museumsshops, Pressearbeit und Werbung sowie Reinigung entsprächen mehr als 21 000 Euro.

Allein 7,4 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Museumsshop, wo Produkte der Marke "Feuerwear" angeboten werden. Das sind Taschen, Handyhüllen, Geldbörsen, die aus gebrauchten, aber immer noch sehr stabilen Feuerwehrschläuchen bestehen.

Welches Betriebsergebnis das Museum im ersten Jahr seines Bestehens eingefahren hat, kann laut Unger jedoch noch nicht abschließend gesagt werden. Denn dem Verein liegen noch nicht alle Abrechnungen für Strom, Gas und Wasser vor.Meinung

Nicht nur schlechtreden
Das finanzielle Fiasko beim Bau des Feuerwehrmuseums ist und bleibt eine schwere Hypothek, die noch jahrelang auf der Stadt Hermeskeil lasten wird. Daran ist aber nichts mehr zu rütteln. Es bringt also nicht viel, frühere Entscheidungen zu beklagen, die sich letztendlich als Fehler erwiesen haben. Weil das Feuerwehrmuseum nun mal da ist, hat es keinen Sinn, es permanent schlechtzureden und einzig und allein auf seine zu hohen Kosten zu reduzieren. Damit würde man im Übrigen auch dem Förderverein, der das Museum mit großem ehrenamtlichen Einsatz betreibt, das Leben unnötig schwermachen. In Zukunft muss das Augenmerk also darauf liegen, die Vorzüge des Museums deutlich herauszustellen und den Leuten klarzumachen, dass in Hermeskeil eine sehenswerte Ausstellung entstanden ist, deren Besuch sich lohnt. a.munsteiner@volksfreund.deExtra

Das rheinland-pfälzische Feuerwehrmuseum, Neuer Markt 2 (Navi Kunickerstraße eingeben), ist dienstags bis freitags von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene beträgt fünf Euro. Kinder von vier bis 14 Jahren zahlen vier Euro. Die Familienkarte kostet 15 Euro. Angemeldete Gruppen können auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten das Museum besuchen. Anmeldungen zu Führungen oder Kindergeburtstagen - ein Angebot, auf das der Förderverein besonders hinweist - werden unter Telefon 06503/9216742 oder per Mail unter anmeldung@feuerwehr-erlebnis-museum.de entgegengenommen. Umfangreich wird im Internet auf www.feuerwehr-erlebnis-museum.de informiert. Am 16. und 17. Mai nimmt das Museum an der landesweiten Museumsnacht teil. Geplant ist dann eine nächtliche Schatzsuche mit Taschenlampen. doth