1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Biogasanlage heizt Klassenzimmer und Halle

Biogasanlage heizt Klassenzimmer und Halle

In der Verbandsgemeinde (VG) Kell am See sind Nahwärmenetze auf dem Vormarsch. Grundschule und Mehrzweckhalle in Schillingen wurden kürzlich an eine 800 Meter lange Leitung angeschlossen, die von der Biogasanlage am Lindenhof ausgeht. Bereits seit etwa einem Jahr liefert die Biogasanlage des Ulmenhofs bei Mandern die Wärme für das Bilstein-Werk in Niederkell.

Schillingen. Wenn über den verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien gesprochen wird, dann steht auch in der Verbandsgemeinde (VG) Kell am See in erster Linie die Diskussion über die Windkraft und neue Standorte für Räder im Fokus. Eine andere Form der Strom- und Wärmegewinnung - nämlich die, die auf das Konto von Biogasanlagen geht - tritt dabei etwas in den Hintergrund.
Preis für zehn Jahre garantiert



Dabei hat sich gerade in diesem Bereich in der VG einiges getan. Seit kurzem wird ein großes, VG-eigenes Gebäude auf diesem Wege geheizt. Die Rede ist von der Grundschule in Schillingen mit ihrer Mehrzweckhalle. Die Wärme kommt vom Lindenhof, der etwas außerhalb von Schillingen liegt. Über eine 800 Meter lange Leitung wird das Schulgebäude versorgt. Diese Kosten hat der private Investor und Betreiber der Lindenhof-Biogasanlage, die Gesellschaft Marx und Wahlen, übernommen. "Die Verbandsgemeinde hat als Schulträger einen Wärmelieferungsvertrag mit der Betreibergesellschaft abgeschlossen. Dieser läuft über eine unbestimmte Zeit. Es wurde aber ein Abnahmepreis für die Wärme festgelegt, der für die Dauer von zehn Jahren garantiert ist", sagt Bürgermeister Werner Angsten (CDU) auf TV-Anfrage.
Was die VG selbst finanzieren musste, war die Modernisierung der Heizungsanlage. 9000 Euro habe diese Investition gekostet, so Angsten. Ein alter Öl-Heizkessel kann aber noch eingesetzt werden, um bei besonders hohem Wärmeverbrauch die Spitzenlast abzudecken.
30 000 Liter Öl pro Jahr sparen



Die neue Nahwärmeleitung wurde nach einem Probebetrieb vor einigen Tagen offiziell technisch abgenommen.
"Wir gehen davon aus, dass wir rund 30 000 Liter Heizöl pro Jahr einsparen können. Damit verbunden ist natürlich auch eine Verringerung des CO-Ausstoßes", sagt Angsten. Es seien für die VG keine weiteren Investitionen erforderlich. Die Schornsteinfegerkosten und die Wartungskosten entfielen, ebenso der jährliche Ankauf von Brennstoff. Die Betreiberfirma stelle den Vor-Ort-Service, so der Bürgermeister.
"Den Gedanken, Biogas als Nahwärme abzugeben, hatte ich schon länger. Die Entfernung vom Lindenhof zur Grundschule Schillingen hat sich dabei angeboten, die Energie sinnvoll zu platzieren", sagt Landwirt Jürgen Marx dem TV.
Es gibt zwar auch Überlegungen, die Nahwärmeleitung von der Schule aus weiter Richtung Schillinger Dorfmitte zu verlängern. Ob dieses Projekt umgesetzt wird, ist derzeit jedoch offen. In einer Machbarkeitsstudie hat die beauftragte Energieagentur Region Trier GmbH die Investitionskosten dafür auf rund 180 000 Euro geschätzt.
Der Schillinger Ortsbürgermeister Markus Franzen (CDU) ist der Meinung, "dass diese Investition im Notfall von der Gemeinde gestemmt werden könnte." Letzendlich liege die Entscheidung darüber aber beim Rat.
Partner für Ausbau fehlen noch



Wie berichtet fehlen die Partner, die einen reibungslosen Betrieb garantieren. Der Betreiber des ersten Bauabschnittes der Wärmeleitung zwischen Biogasanlage und Schule, Jürgen Marx, will sich nicht weiter engagieren. "Ortsansässige Firmen haben abgelehnt, RWE und die Stadtwerke Trier gar nicht erst auf unsere Anfrage geantwortet", hatte Ortsbürgermeister Franzen in einem Gespräch mit dem TV Ende Dezember bedauert.Extra

Die Schillinger Grundschule ist das erste große öffentliche Gebäude in der VG Kell, das von einer Biogasanlage versorgt wird. Seit Anfang 2011 gibt es aber bereits an anderer Stelle eine Nahwärmeleitung. Die Biogasanlage auf dem Ulmenhof bei Mandern (Landwirt Ralf Backes) liefert über eine Strecke von 700 Metern 90 Grad warmes Wasser zum Bilstein-Werk in Niederkell. Der größte Arbeitgeber im Hochwald, der zum ThyssenKrupp-Konzern gehört, nutzt dies für die Produktion seiner Stoßdämpfer. In der Vergangenheit spielte die VG Kell bei einem ihrer Gebäude eine Vorreiterrolle bei der Nutzung von regenerativen Energien. Bereits 2002 wurde an der regionalen Schule in Zerf (heute Realschule plus in Trägerschaft des Kreises) eine große Holzhackschnitzelanlage in Betrieb genommen, die seinerzeit rund 280 000 Euro kostete. hm/ax