Biotop von Menschenhand

SCHWEICH/FÖHREN. Die Renaturierung des Föhrenbachs war erfolgreich: Wie geplant, haben inzwischen Flora und Fauna von dem Naturschutzgebiet "Ried am Föhrenbach" Besitz ergriffen.

Wie mit dem Lineal gezogen durchschnitt bis 2004 der künstlich begradigte Föhrenbach in einem tiefen, schmalen Bett die Felder zwischen Föhren und Schweich. Betonwehre regulierten die Fließgeschwindigkeit, verhinderten aber gleichzeitig die Wanderung der Wassertiere. Dieser künstlich geschaffene Zustand bereitete auch dem Menschen zunehmend Probleme: Besonders die Schweicher Anlieger litten nach starken Niederschlägen unter der Neigung des zu schnellen und eingeengten Gewässers, über seine Ufer zu treten.Zu 60 Prozent vom Land bezuschusst

Eine 1998 gegründete Arbeitsgruppe analysierte den Zustand des Baches. Daneben wurde in einer Diplomarbeit an der Fachhochschule Trier nach einer Verknüpfung von wasserwirtschaftlicher Bachsanierung und ökologischer Aufwertung der Umgebung gesucht. Nach der Planung durch den Pölicher Diplomgeografen Frank Hömme begannen im November 2004 die Arbeiten, die im Sommer 2005 abgeschlossen waren. Die Kosten von 169 000 Euro wurden zu 60 Prozent vom Land getragen. Den Rest teilten sich Stadt und Verbandsgemeinde Schweich. Inzwischen ist von dem Eingriff entlang des rund zwei Kilometer langen Baches zwischen Föhren, der Grundschule Föhren und Molitors Mühle bei Schweich fast nichts mehr zu sehen. Besonders das Schilfgras hat von dem rund 40 Hektar umfassenden Naturschutzgebiet Besitz ergriffen. Der Bach schlängelt sich in einem breiten, flachen Bett durch die Schilfauen. Sie wirken nun als natürlicher Rückhalteraum nach starken Niederschlägen und verhindern ein zu starkes Absinken des Bachpegels in Trockenperioden. Das wohl markanteste neue Bauwerk ist die 56 Meter lange und bis zu 15 Meter breite Fischtreppe hinter dem Leinenhof bei Schweich. Bezeichnenderweise ist diese natürlich gestaltete Anlage auf den ersten Blick nicht als Werk von Menschenhand zu erkennen. Nach Angaben von Planer Frank Hömme und Bauunternehmer Frank Gelderblom von der Firma Astakus befand sich an der Stelle dieses Natursteinbauwerks bis 2004 ein Betonwehr, das für Wassertiere ein unüberwindbares Hindernis darstellte. Heute können dort Forelle, Schmerle, Bachneunauge und Co. über 16 hintereinander liegende "Becken" rund drei Meter Höhenunterschied bachaufwärts überwinden. In voller Länge durchgängig

Die Höhendifferenz zwischen den einzelnen Becken beträgt rund 17 Zentimeter. Hinzu kommt ein 0,80 Meter tiefes Ruhebecken im mittleren Bereich. Dort können die Fische bei ihrem beschwerlichen Weg bachaufwärts neue Kraft schöpfen. Hömme: "Bei einer Begehung mit Vertretern der Oberen Fischereibehörde konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass der Bach nun für Wassertiere auf voller Länge durchgängig ist." Ein Untersuchung über die Entwicklung der Vogelwelt im Schilf stehe noch aus. Dazu müsse zunächst die neue Brutperiode abgewartet werden. "Der Weg durch das Naturschutzgebiet wird inzwischen von Einheimischen und Touristen intensiv genutzt und soll daher als Lehrpfad ausgestaltet werden," sagte Hömme. Bei diesem - zu 80 Prozent geförderten - Lehrpfad wird auf Schautafeln zwischen Schweich und Föhren über Umfang und Zweck der Renaturierung informieren. Ein entsprechender Beschluss des Verbandsgemeinderates Schweich liegt vor (der TV berichtete).