Bittere Bilanz nach einem Jahr

KONZ. Die Nachricht von der (gewollten) Pleite der deutschen Handy-Sparte des koreanischen Elektronik-Riesen BenQ weckt bei vielen ehemaligen Mitarbeitern der zugrunde gegangenen TWD Kuag bittere Erinnerungen. Erst wurde ihr Unternehmen von einem Konkurrenten aufgekauft, dann – davon sind sie fest überzeugt – ausgebeutet und am Ende geschlossen.

Was vordergründig Parallelen aufzuweisen scheint, unterscheidet sich jedoch - zumindest im Ergebnis - grundlegend voneinander, wenn auch nicht für die Arbeitnehmer: Während der Riese BenQ am billigen Einkauf der Siemens-Handy-Sparte samt Patentrechten, einer angeblichen 350-Millionen-Euro-Zugabe und der jetzigen Insolvenz prächtig zu verdienen scheint, hat sich die "Mini-Heuschrecke" aus dem bayerischen Deggendorf an ihrer Beute Kuag schlichtweg "überfressen". Sie ging unter anderem wegen falscher Produktpolitik ebenso wie ihre nach Meinung zahlreicher Mitarbeiter ausgeplünderte Konzer Tochter TWD Kuag in die Insolvenz. Qualität war von hohem Standard

Zwischen Bergen von Erdaushub verrotten nun auf dem ehemaligen Kuag-Parkplatz unter freiem Himmel sechs große Maschinen, um die vor etwas mehr als Jahresfrist eine zähe Auseinandersetzung ausgefochten wurde: Auf ihnen waren bis zum endgültigen Untergang der TWD Kuag Konz hochwertige Spezialgarne vorrangig für die Automobilindustrie hergestellt worden. Mit ihnen wollten die letzten Mitarbeiter weiter das produzieren, was namhafte Abnehmer, davon sind sie noch heute felsenfest überzeugt, wegen des hohen Qualitätsstandards auch in Zukunft von ihnen gekauft hätten. Ihr zähes und teils verbissenes Engagement war letztlich jedoch vergeblich. Die meisten der 136 Männer und Frauen wanderten, teils über den Umweg von Transfer- oder Beschäftigungsgesellschaften und Qualifizierungsmaßnamen, in die Arbeitslosigkeit. Aus dem Raum Konz, Saarburg und Hermeskeil waren damals 112 Bewerber um neue Stellen gemeldet, hinzu kamen 18 aus Trier, fünf aus dem Saarland und zwei aus Frankreich. Die Antwort der Agentur für Arbeit auf unsere Frage "Was ist nach einem Jahr aus den ehemaligen Mitarbeitern der TWD KUAG geworden?" zeichnet zusammenfassend ein düsteres Bild: "Man kann … sagen, dass der überwiegende Teil der Bewerber noch von Arbeitslosigkeit betroffen ist." Vierwöchige Trainingsmaßnahmen zur Eignungsfeststellung mit einem integrierten Praktikum habe es gegeben, auch sei "im Rahmen des Sonderprogramms WeGeBau (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Arbeitnehmer in Unternehmen) … ein anderer Teil der damaligen Mitarbeiter in Bildungsmaßnahmen und Bewerbertrainings eingestiegen". Agentur hilflos

Es sei "in Einzelfällen gelungen, Bewerber in befristete oder unbefristete Arbeitsverhältnisse zu vermitteln". Weiterhin hätten durch Eigeninitiative andere Bewerber Arbeitsverhältnisse aufgenommen, was Mitglieder der ehemaligen Kuag-"Familie" nicht bestreiten, aber eher ihren stillen Vermittlungsbemühungen hinter den Kulissen zurechnen. Sie sprechen von rund 30 Personen, die zwar wieder in Lohn und Brot sind: "Aber keiner von ihnen verdient auch nur annähernd so viel wie vorher." Vorher, das heißt bei der Kuag. Wie hilflos die Agentur für Arbeit (BA) angesichts der aktuellen Arbeitsmarktsituation und der jeweiligen Qualifikationen der früheren Kuag-Mitarbeiter - für Textilarbeiter besteht in der Region kein Bedarf - ist und wie mager das tatsächliche Ergebnis ihrer Vermittlungsbemühungen, liest sich an anderer Stelle der Antwort-Mail des Trierer BA-Pressesprechers Markus Allard so: "In einzelnen Fällen befinden sich ehemalige Beschäftigte in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, für ein bis zwei Bewerber besteht gegebenenfalls die Möglichkeit der Übernahme in ein Dauerarbeitsverhältnis…" Und: "Konkret ist ein ehemaliger Mitarbeiter befristet bei der Agentur für Arbeit beschäftigt… Man kann sagen, dass der überwiegende Teil der Bewerber noch von Arbeitslosigkeit betroffen ist." Im Januar 1995 hatte die Kuag Konz 685 Mitarbeiter, im Januar 2001 waren es 481, im Februar 2005 standen noch 169 Personen auf der Lohn- und Gehaltsliste, bei der Schließung waren es 136.