Blinde Frau kämpft unbeirrt für eine Ampel in Oberbillig

Blinde Frau kämpft unbeirrt für eine Ampel in Oberbillig

Marion Palm-Stalp kämpft weiter für eine Bedarfsampel an der vielbefahrenen Hauptstraße in Oberbillig - notfalls vor Gericht. 193 Menschen haben eine entsprechende Petition unterschrieben. Die blinde Frau hofft auf neue Impulse. So hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer eine Prüfung der Angelegenheit zugesagt. Der Landesbetrieb Mobilität plant, die Querungshilfe zu verbreitern.

Oberbillig. Die stark befahrene Hauptstraße teilt Oberbillig mit seinen 980 Einwohnern in zwei etwa gleich große Teile. Rund 12.000 Autofahrer nutzen laut Bundesverkehrszählung von 2010 täglich die Trasse, darunter viele Luxemburg-Pendler. Es existiert ein einziger Fußgängerübergang im Ortszentrum, der aus einer Verkehrsinsel besteht und inzwischen in einer Tempo-30-Zone liegt.

Das geteilte Dorf: Doch gibt es viele Anlässe für die Bewohner, den Übergang zu nutzen. Bei Beerdigungen müssen die Trauernden die Straße passieren, denn die Kirche befindet sich im Unter-, der Friedhof im Oberdorf. Die Umzüge am Rosenmontag und zur Maibaumaufstellung marschieren über die Trasse. Bewohner des Oberdorfs gehen im Unterdorf ins Restaurant, in die Kneipe oder bringen ihre Kinder zur dortigen Kita.

Die Forderung: Letzteres gilt auch für Marion Palm-Stalp. Sie setzt sich seit vergangenem Jahr vehement für eine Bedarfsampel am Übergang ein (der TV berichtete), also eine Ampel, die nur dann eingeschaltet wird, wenn sie gebraucht wird. Palm-Stalp hält die Stelle immer noch für sehr gefährlich. "An Tempo 30 hält sich hier doch kaum jemand", sagt sie. Zudem gibt sie zu bedenken, dass es ihr aufgrund ihrer Sehbehinderung - sie ist fast blind - nicht möglich ist, zu Autofahrern Blickkontakt aufzunehmen oder eine Lücke im Verkehr abzuwarten - ebenso wie ältere Menschen und Kindern. In genau diesen Argumenten sieht die Oberbilligerin, deren Forderung vom Ortsgemeinderat und einer Petition (siehe unten) unterstützt wird, neue Ansatzpunkte. "Wenn eine Bundesstraße ein Dorf teilt, müssen andere Maßstäbe angelegt werden", sagt Palm-Stalp, die sich juristisch hat beraten lassen.

Die Argumentation: Palm-Stalp beruft sich auf das Bundesfernstraßengesetz. Demnach ist der Bund aufgerufen, die Bundesfernstraßen nach seiner Leistungsfähigkeit zu verbessern und dabei Belange behinderter und anderer Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigung zu berücksichtigen. Zudem soll er möglichst weitreichende Barrierefreiheit herstellen. Letzteres wird auch im Behindertengleichstellungsgesetz gefordert.
Die Oberbilligerin, die notfalls vor Gericht ziehen will, hofft aber zunächst auch auf Malu Dreyer. Zusammen mit Ortsbürgermeister Andreas Beiling und Peter Musti, dem Behindertenbeauftragten der Verbandsgemeinde Konz, hat sie in der Bürgersprechstunde der Ministerpräsidentin die Probleme dargestellt. Palm-Stalp hat Dreyer sehr verständnisvoll erlebt und von ihr die Zusage erhalten, dass ihre Fachabteilungen die Angelegenheit prüfen würden. Ein Ergebnis steht noch aus.

Die Petition: Um deutlich zu machen, dass ihr Anliegen von vielen geteilt wird, hat Palm-Stalp der Ministerpräsidentin auch die Internet-Petition zur Bedarfsampel übergeben. 193 Menschen haben sie mit ihrer Unterschrift unterstützt. Zuvor hatte der Landesbetrieb Mobilität Trier Palm-Stalps Antrag auf eine Bedarfsampel abgelehnt, aber eine Tempo-30-Zone an der Stelle eingerichtet. Seine Argumentation: Mit einer Ampel würden sich Fußgänger in falscher Sicherheit wähnen. Zudem würde der Verkehr zu den Stoßzeiten zu sehr abgebremst, so dass es zu Staus käme. Die Ortsgemeinde, für die der Übergang ein Dauerthema ist, hatte angestoßen durch Palm-Stalps Initiative einstimmig den Doppelbeschluss für Tempo 30 und eine Bedarfsampel gefasst.

Die geplante Verbreiterung: Aktuell befasst sich der LBM wieder mit dem Übergang. Die Behörde will nach einem Ortstermin mit Vertretern der Kommunen und der Polizei die Querungshilfe verbreitern. Die Beteiligten seien sich einig gewesen, dass die derzeitige Breite von 1,75 Metern sehr schmal sei, heißt es. 2,50 Meter Breite würden angestrebt. Dafür müssten Fahrbahn und moselseitiger Gehweg um etwa einen Meter Richtung Mosel verschoben werden.
Extra

Eine Radarkontrolle der Polizei am 12. Dezember am Übergang der Oberbilliger Hauptstraße, wo Tempo 30 vorgeschrieben ist, brachte folgendes Ergebnis: 1096 Fahrzeuge Richtung Temmels wurden zwischen 9 und 13 Uhr gezählt. 25 dieser Fahrer waren zu schnell. Sie waren mit maximal Tempo 50 unterwegs und wurden verwarnt. Mit höherer Geschwindigkeit, für die es eine Anzeige gegeben hätte, ist niemand erwischt worden. Die Polizei räumt ein, dass die Kontrolle an der geraden Strecke relativ auffällig ist. maiExtra

Stephanie Dilly: "Meine Tochter ist im Kindergarten. Vier Mal pro Tag gehe ich vom Ober- ins Unterdorf dorthin. Dabei gab es auch schon brenzlige Situationen. Passiert ist glücklicherweise nichts. Interessant fand ich, dass der Ferienspaß-Bus nicht in Oberbillig halten sollte. Begründung: In der Ortsmitte von Oberbillig sei es zu eng und zu gefährlich." Laura Steffgen: "Bei mir in der Nachbarschaft im Oberdorf wohnen viele ältere Menschen, einige auch mit Rollator. Für sie ist es schwierig, über die Hauptstraße zu kommen. Einige Großeltern holen ihre Enkel auch von der Kita ab." Elena Steffen Burkhardt: "Ich bin eine überzeugte Fußgängerin. Aber mit zwei Kindern über die Hauptstraße zur Kita zu gehen ist mir zu gefährlich. Die Kleine ist mit zweieinhalb Jahren unkontrollierbar. Jetzt fahre ich immer mit dem Auto." Ralph Maximini: "Meine Frau hatte an der Kreuzung bei der Verkehrsinsel einen Unfall mit dem Auto. Sie wollte von der Nebenstraße nach rechts Richtung Konz abbiegen. Da kam ein Autofahrer auf der linken Spur angerast. Er hatte ein Fahrzeug im Ort überholt und ist links von der Verkehrsinsel gefahren. Der vordere Teil des Autos meiner Frau wurde abrasiert. Sie hat bleibende Schäden davongetragen." mai