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Brandstiftungen als Hilfeschrei: 35-Jährige gesteht Zündeleien am Arbeitsplatz und in Krankenhäusern - Grund möglicherweise Depressionen

Brandstiftungen als Hilfeschrei: 35-Jährige gesteht Zündeleien am Arbeitsplatz und in Krankenhäusern - Grund möglicherweise Depressionen

Vor dem Landgericht Trier ist weiter gegen eine inzwischen 35-Jährige aus der Verbandsgemeinde Saarburg verhandelt worden, der vorgeworfen wird, wiederholt Feuer gelegt zu haben. Außerdem soll sie in 177 Fällen ohne Grund den Notruf angerufen haben.

Mit offenem Haar sitzt die Angeklagte neben ihrem Verteidiger. Vor ihr auf dem Tisch sitzt ein kleiner Teddybär. Vom Vorsitzenden der Großen Strafkammer wird sie belehrt, dass sie das Recht habe zu schweigen, dass aber eine der Wahrheit entsprechende Aussage im Urteil strafmildernd berücksichtigt würde. Armin Hardt fragt sie dann förmlich, ob sie aussagen wolle und die in der Anklage gemachten Vorwürfe einräumen würde.177-mal den Notruf alarmiert


Laut Anklage soll die 35-Jährige im Juni 2013 zunächst zweimal bei ihrem damaligen Arbeitgeber in Saarburg, im Juli 2013 dann in einem Badezimmer des Mutterhauses und im Januar schließlich wieder zweimal im Krankenhaus St. Franziskus gezündelt haben. Außerdem soll sie in 177 Fällen ohne Grund den Notruf angerufen haben.
Ohne zu zögern, sagt die Angeklagte, dass sie Angaben machen wolle. Sie räumt die ihr vorgeworfenen Taten auch ein. Dabei knetet sie immer wieder den vor ihr sitzenden Teddy mit den Händen. Schwieriger gestaltet sich für das Gericht aber die Suche nach den Tatmotiven. Die Frau erzählt, dass sie bei ihren Eltern aufgewachsen ist und drei ältere Schwestern hat. Mit 18 Jahren habe sie die Berufsschule in Trier ohne Schulabschluss verlassen. Danach habe sie immer wieder als Putzfrau oder Aushilfe gearbeitet. Vor 15 Jahren habe sie ihren Mann kennengelernt, von dem sie sich aber zwischenzeitlich getrennt habe. Sie habe drei Kinder, das jüngste sei aber vor vier Jahren im Alter von 22 Monaten gestorben.
"Mein Mann zeigte nach dem Tod der Tochter überhaupt keine Emotionen. Auf der Beerdigung, als es mir sehr schlecht ging, sagte er nur: ,Stell Dich nicht so an!\'". Wenige Monate später sei sie erstmals wegen Depressionen in die Psychiatrie eingewiesen worden.
Als es ihr im Juni 2013 nach einem Streit mit ihrem Mann wieder schlecht ging, habe sie in dem Unternehmen in Saarburg, bei dem sie als Monteurin gearbeitet habe, erstmals Feuer auf der Damentoilette gelegt. Einen Tag später habe sie dann in einem Nebenraum nochmals versucht, einen Brand zu entfachen. "Ich wollte, dass mein Arbeitgeber bei der Polizei anruft. Die haben sich früher schon mal Zeit genommen und so nett mit mir geredet", sagt die Angeklagte zu ihren Motiven.
Nach einem Suizidversuch habe sie dann, als sie im Mutterhaus in Trier in Behandlung war, im Bad ein Handtuch angezündet. Am Vorabend habe sie wieder Streit mit ihrem Mann gehabt. Er habe zu ihr gesagt: "Du bist bekloppt im Kopf. Du kommst hier nie wieder raus."
Ab Januar habe sie dann im Kreiskrankenhaus St. Franziskus in Saarburg als Putzfrau gearbeitet. "Dort habe ich zweimal Feuer gelegt. Ich wollte mit jemandem reden, dass mir jemand hilft", sagt die Angeklagte im Prozess über diese Zündeleien.
Der Prozess wird am Mittwoch, 8. Oktober, 11 Uhr, mit der Vernehmung von fünf Zeugen fortgesetzt.