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Brennholz: Lage im Hochwald ist entspannter

Brennholz: Lage im Hochwald ist entspannter

Das umstrittene Projekt Nationalpark sorgt bei einigen Ortsgemeinden, die in der Nähe der möglichen Fläche liegen, für Unmut. Auch das Thema Brennholz wird diskutiert. Referent Harald Egidi des Umweltministeriums sieht keine möglichen Engpässe bei der Versorgung.

Birkenfeld. Mit der Einrichtung eines Nationalparks sind nicht nur Chancen, sondern auch viele Ängste verbunden. Auch um die Versorgung mit Brennholz machen sich Anwohner im Hochwald Sorgen. Dr. Harald Egidi, Referent für Forstliche Nachhaltigkeit und Umweltvorsorge im Mainzer Umweltministerium, sieht im Interview mit Kurt Knaudt aber keine Gefährdung in den angrenzenden Gebieten.

Müssen sich die Menschen in den Anlieger-Gemeinden eines Hochwald-Nationalparks Sorgen um ihre Brennholzversorgung machen?
Egidi: Ein klares Nein. Die Brennholzversorgung der örtlichen Bevölkerung wird auch bei Ausweisung eines Nationalparks sichergestellt.

Wie ist die Brennholzsituation im Vergleich zum Soonwald zu bewerten? Kann das für dieses Gebiet erstellte Konzept zumindest teilweise übertragen werden?
Egidi: Auch im Soonwald ist es gelungen, überwiegend innerhalb des Nationalparkgebietes genügend Flächen zu identifizieren, in denen ohne Kollision mit den Naturschutzzielen Brennholznutzung möglich wäre. Hierfür kommt die so genannte Pflegezone in Frage. Das sind immerhin bis zu 25 Prozent der Nationalparkfläche.
Die Lage im Hochwald ist wesentlich entspannter: Der Anteil des Brennholzes am Holzeinschlag beträgt hier im Staatswald weniger als ein Viertel. Im Soonwald liegt dieser Wert bei weit über ein Drittel. Zudem ist die Staatswaldfläche im Hochwald etwa doppelt so groß wie die im Soonwald. Allein die Buchenfläche im Staatswald der Forstämter Birkenfeld, Idarwald, Dhronecken und Hochwald beträgt mehr als 10 000 Hektar.
Maximal 4000 bis 6000 Hektar davon würden in einem Nationalpark liegen. Derzeit wird im Hochwald beim Laubholz etwa die gleiche Menge des Brennholzes zusätzlich an die Säge-, Holzwerkstoff- und Papierindustrie verkauft. Ein Teil davon ließe sich bei Bedarf problemlos ins Brennholz umsteuern. Wir haben also wirklich genügend Spielraum.

Welche Gemeinden wären überhaupt betroffen?
Egidi: Hier sollte man zunächst noch mal einen Blick auf die Karte der beiden im Raum stehenden Vorschläge werfen, die ja bekanntlich den Diskussionsrahmen abstecken. Dort sieht man beispielsweise, dass der nördliche Höhenzug des Idarwaldes, also von Wirschweiler über die Höhe hinweg nach Morbach bis hin nach Schauren und Hochscheid überhaupt nicht in der Diskussion steht. In den übrigen Fällen haben wir es überdies zumeist auch noch mit einer Gemengelage aus Staatswald, Gemeindewald oder Privatwald und Heckengesellschaften zu tun, in denen auch nennenswerte Mengen an Brennholz aufgearbeitet werden.

Wie ist das Vorgehen bei diesem sensiblen Thema?
Egidi: Wir wollen im Hochwald einen eigenen Weg einschlagen und ein Konzept unter vorrangiger Einbindung der Kommunen erarbeiten. Hierbei sollen die Bürgermeister und die Revierförster klären, welche Mengen für die örtlichen Haushalte jährlich benötigt werden und ob diese aus dem Gemeindewald oder dem Staatswald kommen. Daraus ergibt sich, welche Menge und Fläche im Bereich des Staatswaldes möglichst ortsnah zur Verfügung gestellt werden muss. Dadurch kann man schon bei der Abgrenzung und Zonierung des Gebietes die erforderlichen Bereiche für die Brennholzversorgung berücksichtigen. Die Versorgung der örtlichen Haushalte gegenüber Käufern aus der Ferne wird bei diesem Konzept Vorrang haben.

Gibt es Nachteile für gewerbliche Holzverwerter?
Egidi: Auch hier sollen die Betriebe, die die Bevölkerung vor Ort versorgen, vorrangig berücksichtigt werden. Sofern ein Betrieb überregional arbeitet, wird man ihm unter Umständen Holz aus den Teilen des Staatswaldes anbieten, die nicht unmittelbar vom Nationalpark betroffen sind.

Würde Brennholz durch einen Nationalpark vor Ort teurer?
Egidi: Dem muss widersprochen werden. Brennholz ist zwar in den letzten Jahren teurer geworden, dies ist aber auf die steigenden Energiepreise ganz allgemein zurückzuführen. Im Gegensatz zu Öl oder Gas war der Preisanstieg eher gering. Brennholz ist auch deshalb ein immer interessanterer Rohstoff geworden. Landesforsten gibt für den Gesamtbetrieb, also den Staatswald landesweit und unabhängig von der Lage Richtwerte für die Brennholzpreise heraus, wobei im stadtnahen Bereich die Preise sich aufgrund größerer Nachfrage teilweise auf höherem Niveau einpendeln.
Mit Blick auf das Unfallgeschehen, die Befahrung der Flächen, aber auch hinsichtlich der im Frühjahr sensiblen Setz- und Brutzeiten gewinnen Verfahren wie die Bereitstellung des Brennholzes in Poltern an den Wegen immer mehr Bedeutung. Dieses von vielen Selbstwerbern auch als Erleichterung begrüßte Verfahren setzt sich landesweit immer mehr durch.