Brückenstraße soll keine Sackgasse werden
Und die Diskussion geht weiter: Der Kanzemer Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, noch immer nach Ansätzen zur Verkehrsberuhigung für die Brückenstraße zu suchen. Der Bürgerverein Kanzem weist auf Verkehrszahlen aus einer nicht-öffentlichen Studie hin.
Kanzem. Die Planungen zum Ausbau der Brückenstraße halten Kanzem in Atem. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sollten die aktuellen Planungen diskutiert und unter Umständen beschlossen werden. Sie sehen einen Ausbau der Straße ohne auffallende Veränderungen vor. Doch zu diesem Beschluss kam es nicht.
Der Kanzemer Bürgerverein hat im Vorfeld zur Sitzung dem Gremium ein Schreiben zukommen lassen, in dem es um eine Studie geht, bei der die Verkehrsflüsse in der Verbandsgemeinde (VG) Konz unter Annahme verschiedener Modell-Situationen untersucht worden sind. Sie sei im Kreisausschuss nicht-öffentlich diskutiert worden. Unter anderem sei laut Bürgerverein von einer Zählung im Juni die Rede, die in Kanzem eine Verkehrsbelastung mit rund 5400 Fahrzeugen ausweise.
Studie analysiert Verkehrs-Varianten
Zum Vergleich: In der jüngsten Anwohnerversammlung präsentierte Lambert Norta vom Landesbetrieb Mobilität Trier Zahlen aus einer Erhebung im Jahr 2005. Da lautete das Ergebnis noch 3500 KFZ und 130 Schwerlastfahrzeuge pro Tag. Angenommen, es käme nun zu einer Verlagerung des Brücken-Standorts in Wiltingen und zu einer Schließung der Wiltinger Kupp, prognostiziere das Gutachten eine 50-prozentige Steigerung der Verkehrsströme durch Kanzem, lässt der Bürgerverein verlauten. Er rechnet eine jährliche Zunahme des Durchgangsverkehrs von 15 Prozent hinzu und kommt dann in fünf Jahren auf knapp 9000 Fahrzeuge, die täglich auf der Kanzemer Brückenstraße verkehren. Beigeordneter Joachim Weber äußerte sich nicht zu den konkreten Zahlen, betonte aber den Modellcharakter der Studie. Die angesprochenen Veränderungen seien "Stellschrauben", um zu sehen, welche Auswirkungen sie auf die anderen Verkehrsflüsse hätten. Ortsbürgermeister Günther Frentzen bezeichnete die Zahlen dagegen als "Spekulationen".
Dass es eine solche Studie gebe, bestätigte Kreisdezernent Joachim Christmann auf TV-Anfrage. Die genauen Zahlen daraus wollte er nicht bekannt geben. Auch die neue Ortsumgehung Könen und eine mögliche Verbindungsspange zwischen L 138 und der B 51 seien enthalten - Ansätze, deren Umsetzung noch nicht absehbar seien. Zudem bestehe zur Studie noch Diskussionsbedarf in den Gremien. Mit Blick auf die Kanzemer Brückenstraße betonte Beigeordneter Weber: "Auch mit anderen Durchgangszahlen fehlt immer noch die Alternative zur aktuellen Planung." Damit verwies er auf die mangelnde Möglichkeit des Grunderwerbs.
Drei Anlieger-Familien wollen aus unterschiedlichen Gründen ihr unbebautes Land an der Brückenstraße behalten.
Frentzen: "Das Ding ist entscheidungsreif"
Das Einrichten von verkehrsberuhigenden Maßnahmen scheint dadurch so gut wie unmöglich. Ortsbürgermeister Frentzen erinnerte daran, dass die Gemeinde seit Jahren Bemühungen betreibe, den Verkehr in Kanzem zu beruhigen. Vorschläge wie Zebrastreifen, Inseln, Ampeln, Querungshilfen und Spiegel an der Kreuzung zur Kirchstraße seien vor Ort erörtert worden - vergebens. "Meine persönliche Meinung ist, dass wir alles versucht haben", sagt Frentzen. "Das Ding ist entscheidungsreif." Die Fraktionen im Ortsgemeinderat haben beschlossen, den Tagesordnungspunkt "Brückenstraße" auf eine der nächsten Sitzungen zu vertagen. Sie geben die Hoffnung nicht auf, doch noch einen Ansatz für eine Verkehrsberuhigung zu finden. Frentzen stimmte dagegen. In den nächsten Wochen soll ein Gespräch mit den drei Anlieger-Familien stattfinden.