Bürger empört über Landesbehörden

Bürger empört über Landesbehörden

Die Wiltinger sind sauer. Schuld daran ist der Beschluss des Landesbetriebs Mobilität, die neue Saarbrücke am alten Standort zu bauen (der TV berichtete). Ihre Einwände gegen die Planungen seien nicht ernst genommen worden.

Wiltingen. Die Wiltinger bekommen eine neue Brücke. Den Planfeststellungsbeschluss als rechtliche Grundlage dafür hat der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Koblenz erlassen. Eigentlich sollte das eine gute Nachricht sein. Doch die Bürger sind sauer. Das Bauwerk soll an den alten Standort, obwohl sich die Mehrheit der Bürger und der Politiker in den kommunalen Gremien für den neuen Standort ausspricht.

"Da wird der Bürgerwille mit Füßen getreten", sagt Lutwin Ollinger, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) für den neuen Brückenstandort und Fraktionssprecher der CDU im Gemeinderat Wiltingen. Die BI hatte 600 Unterschriften gesammelt und weitergereicht. Eine Antwort seien die Behörden schuldig geblieben. "Dabei waren wir im Gegensatz zu Stuttgart 21 und dem Hochmoselübergang rechtzeitig dran", sagt Ollinger. Die Behörden hätten noch nicht einmal die Beteiligten über den Stand des Verfahrens informiert.

Genauso wie die kommunalen Entscheider hatte die BI erst bei der TV-Anfrage von dem LBM-Beschluss erfahren. Darüber ist der Wiltinger Ortsbürgermeister Lothar Rommelfanger (SPD) empört: "Das ärgert mich kolossal!" Unterstützung bekommt er von Karl-Heinz Frieden (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Konz. Auch er hält die Informationspolitik des LBM für fragwürdig. Das Verfahren sei ein Paradebeispiel dafür, "wie EU- und Landesgesetze eine gute Lösung verhindern".

Die Befürworter des neuen Brückenstandorts hatten darauf gedrängt, die Brücke zusammen mit dem Ausbau der K 147 auf der Kanzemer Saarseite zu betrachten. Das Naturschutzgebiet werde weniger belastet, wenn die Brücke am neuen Standort entstehe und der Umfang der geplanten Arbeiten auf der K 147 auf der Kanzemer Seite zurückgefahren werde. Fast einen Kilometer Straßenausbau hätte man so sparen können. Der Weg von Wiltingen in Richtung Luxemburg wäre vier Kilometer kürzer geworden. Der Kreis und der LBM bestanden hingegen aus Gründen des Naturschutzes auf dem Neubau am alten Standort. Der LBM lehnte es ab, den Bau der Brücke mit dem geplanten Ausbau der K 147 in Verbindung zu bringen. Das seien zwei unterschiedliche Projekte, deren Planung unabhängig verlaufe, hieß es da. Die Wiltinger wollen weiter für den neuen Standort kämpfen. Allerdings bleibt ihnen jetzt nur noch der Rechtsweg. Wie Rommelfanger und Ollinger künftig vorgehen, wissen sie noch nicht.

Extra

Chronologie: 1997 wird der Wiltinger Saarbogen zum Naturschutzgebiet erklärt - besonders wegen Brut- und Rastvögeln. Seit Juli 2005 steht fest, dass eine neue Saarbrücke bei Wiltingen gebaut werden soll. Damals beginnen auch die Diskussionen über den Standort. Im September 2006 beschließt der Kreistag, dass die Brücke an den alten Standort kommt. Seitdem sind LBM und Kreis für den alten Standort, während die Mehrheit der Bürger in Kanzem und Wiltingen für den neuen ist. (cmk)