Bürger kritisieren Cattenom-Broschüre der ADD

Bürger kritisieren Cattenom-Broschüre der ADD

Teils harsche Kritik von Bürgern gibt es an einer Broschüre, mit der die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in der Verbandsgemeinde Saarburg über den Katastrophenschutz nach einem Unfall im französischen Kernkraftwerk Cattenom aufklären will. Das Heft sei unnütz, heißt es. Die Behörde verweist auf bundesweit geltende Richtlinien.

Nachdem die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier in einigen Orten der Verbandsgemeinde (VG) Saarburg Broschüren zum Katastrophenschutz hat verteilen lassen, wird die Kritik an der Aktion immer lauter. Das Heft sei sinnlos und sein Inhalt völlig veraltet. Etwa 1900 Hefte hatte die ADD in Palzem, Merzkirchen, Kirf und Wincheringen verteilen lassen.

Einige Leser hatten Briefe an den Volksfreund geschickt. "Wo ist unser überlebenswichtiger Evakuierungsplan?", fragt etwa Anne Roggendorf aus Kirf. "Diesem Punkt widmet die ADD gerade mal eine Zeile mehr als dem Quellennachweis des Fotos einer Umgebungskarte." Rolf Richter aus Schöndorf (VG Ruwer) schreibt ironisch: In den Keller sollten im Notfall nur "Personen mit gutem Gehör, weil die Erreichbarkeit der Lautsprecherdurchsagen gewährleistet sein muss. Außerdem darf man das Klopfen an der Wohnungstür nicht überhören, wenn die Jodtabletten kommen." Er zitiert aus seiner Sicht unverständliche Sätze aus der Broschüre: Für Evakuierungen im 25-Kilometer-Radius "hat der Landkreis Trier-Saarburg eine Evakuierungsplanung erstellt. Für Evakuierungen außerhalb dieses Bereichs gilt die allgemeine Evakuierungsplanung des Landkreises."

Auch das Antiatomnetz Trier meldet sich zu Wort. "Nicht aktuell, wissenschaftlich unhaltbar, Verschwendung von Steuergeld, Verharmlosung der Unfallgefahr von Atomkraftwerken" lautet die Kritik der Kernkraftgegner. Noch im September hätten sie versucht, den Druck der Broschüre zu verhindern. Die Aktivisten haben einen Katalog von zahlreichen Fragen erstellt, die sie dringend beantwortet haben wollen. Unter anderem fragen sie: Wie ist die Außenwelt bei Stromausfall erreichbar? Wie soll man rechtzeitig an Jodtabletten kommen? Wie werden Krankenhäuser, Schulen oder Kindergärten evakuiert? Wo werden Menschen behandelt, die strahlende Partikel an sich haben?

Bundesweit wird über den Katastrophenschutz im Falle eines Reaktorunglücks diskutiert. Die Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) hat erst kürzlich die Annahmen im Falle eines Unfalls bemängelt, Radioaktivität trete nur über Stunden oder Tage aus und nicht über Wochen - wie beim Unfall in Fuku-shima. Laut der Tageszeitung Augsburger Allgemeine habe das Bundesamt für Strahlenschutz die grundsätzliche Kritik der IPPNW am Katastrophenschutz geteilt. Die Saarburger Landtagsabgeordnete der Grünen, Stefanie Nabinger, sagt: "Die Broschüre der ADD kommt dem Ziel einer Aufklärung der Bevölkerung für den Katastrophenfall nicht ausreichend nach." Sie könne keine Überarbeitung eines bereits 2011 erstellten Heftes feststellen - abgesehen von einigen Rechtschreibfehlern, die hinzugekommen seien.

Tatsächlich heißt es im Titel "Kernkrafwerk" statt "Kernkraftwerk". In der Onlineversion ist zudem von "Radioaktivitt" statt von "Radioaktivität" die Rede. Wurde die Broschüre niemandem zum Gegenlesen vorgelegt? "Die ADD stimmt ihre Informationsmaßnahmen (…) mit den zuständigen Landesministerien ab", teilt die ADD auf TV-Anfrage mit. Grundsätzlich basiere das Heft auf Empfehlung der Strahlenschutzkommission. Nach dem Unglück von Fukushima würden die Richtlinien überarbeitet. Da diese Überarbeitung noch nicht abgeschlossen sei, könnten in der Broschüre auch noch keine neuen Erkenntnisse berücksichtigt werden, heißt es.
Die ADD bestätigt auch, vom Antiatomnetz gebeten worden zu sein, auf das Verteilen zu verzichten. Warum die Behörde es dennoch tat? In der Mitteilung heißt es: "Da es massive Forderungen gab, die Bevölkerung umfassend (…) zu unterrichten, hat sich die ADD entschieden, die bereits gedruckte (…) Broschüre zu verteilen." Sie werde angepasst, sobald gesicherte Erkenntnisse zu einem neuen Katastrophenschutzplan vorlägen. Immerhin: Mit etwa 660 Euro halten sich die Druckkosten im Rahmen.Meinung

Unzureichend
Die ADD hat in der Verbandsgemeinde Saarburg eine Broschüre verteilen lassen, mit der die Menschen über den Katastrophenschutz im Falle eines schweren Unglücks in Cattenom informiert werden sollten. Nun gerät die Behörde in die Kritik. Zu Recht. "Krafwerk" statt "Kraftwerk" heißt es auf Seite eins im Titel der Broschüre. Der Tippfehler allein macht das Heft noch nicht so schlecht. Tippfehler sind menschlich. Sie sollen ja in den besten Zeitungshäusern hin und wieder vorkommen. Aber die Fehler hinterlassen in diesem Fall einen besonders miesen Eindruck. Wurde beim Schreiben der Broschüre nicht sorgfältig genug gearbeitet? Dieser Eindruck kann beim Leser tatsächlich entstehen. Denn er wird mit den völlig unzureichenden Informationen alleine gelassen. Viele Themen werden angerissen und nicht verständlich erklärt. Die ADD selbst teilt mit, dass der Katastrophenschutz bundesweit derzeit neu geordnet wird. Deswegen hätte die Behörde am besten gleich ganz auf die Verteilung des vermutlich veralteten Hefts verzichtet. t.thieme@volksfreund.de