Dorfentwicklung: Bürger sammeln Ideen für ein lebenswerteres Beuren

Dorfentwicklung : Bürger sammeln Ideen für ein lebenswerteres Beuren

Starker Auftakt: Beim ersten Workshop der Dorfmoderation haben sich 40 Teilnehmer mit Problemen wie Leerständen und mangelnder Anerkennung fürs Ehrenamt beschäftigt.

Mit zufriedenem Lächeln blickt Julia Kaiser in den gut gefüllten Bürgersaal des Beurener Gemeindehauses: „Ich bin begeistert, dass so viele, auch junge Leute, gekommen sind“, sagt die Inhaberin des Kaiserslauterner Planungsbüros Stadtgespräch. Kaiser betreut die vor kurzem gestartete Dorfmoderation im etwa 950 Einwohner zählenden Beuren. Bei diesem vom Land geförderten Prozess sammeln Dorfmoderatorin und Bürger gemeinsam Ideen dazu, wie sich der Ort weiterentwickeln könnte.

Im ersten von drei geplanten Bürger-Workshops ging es um die Themen Wohnen, Bauen und Leben im Dorf. 40 interessierte Einwohner aus dem Hauptort Beuren und dem Ortsteil Prosterath haben sich um fünf große Tische im Saal gruppiert, um ihre Anregungen einzubringen. Die meisten von ihnen – das ergibt eine kurze Umfrage – leben seit mehr als 20 Jahren im Ort. „Sie haben jetzt die einmalige Chance, mitzubestimmen, wie sich ihre Gemeinde in den nächsten Jahren entwickeln soll“, ermuntert Julia Kaiser ihrer Zuhörer. Alles, was im Rahmen der drei Workshops und einer Abschlussveranstaltung erarbeitet werde, fließe in das Dorferneuerungskonzept Beu­rens ein und könne später mit Hilfe einer entsprechenden Landesförderung umgesetzt werden, erläutert sie. Darüber hinaus gebe es auch Zuschüsse für Privatleute, die größere Sanierungsprojekte an ihren Häusern anpacken wollten.

Den Workshop am Mittwochabend unterteilt die Moderatorin in zwei Blöcke. Zunächst tragen die Teilnehmer Stärken und Schwächen ihres Heimatorts zusammen. Im Anschluss diskutieren und notieren sie in Arbeitsgruppen an den Tischen ihre konkreten Verbesserungsvorschläge. „Wenn wir selbst nichts machen, wer macht es denn dann?“ beschreibt die Prosteratherin Birgitt Hausmann ihre Motivation, am Workshop mitzuwirken. „Wir haben eine Ferienwohnung“, ergänzt Toni Feller. „Die Gäste sprechen uns an, wenn ihnen negative Dinge im Ort auffallen. Es gibt immer etwas, das man verbessern kann.“

Als Stärken beurteilen die Beurener den guten Zusammenhalt im Dorf, ausreichend verfügbaren Wohnraum, die Lage in schöner Landschaft, eine gute Verkehrsanbindung, eine gute Infrastruktur mit Kita, Schule und Apotheke sowie schnelles Internet. Auch die Immobilienpreise seien akzeptabel, es gebe bei der Bevölkerung eine „gute Mischung von Jung und Alt“.

Kritisch sehen sie die vielen Leerstände im Ort. Einige Häuser seien halb verfallen und kaum noch zu sanieren. Außerdem gebe es einige Baulücken. Als problematisch bezeichnen die Bürger Müll und Bauschutt, der vermehrt an Wegen und auf öffentlichen Flächen abgeladen werde. „Gestaltungspotenzial“, sagen einige, gebe es bei der Gestaltung des kleinen Parks gegenüber dem Bürgerhaus. Der Spielplatz in Prosterath liege zu sehr am Ortsrand, in dem Ortsteil fehle zudem ein Versammlungsort, sagen andere. „Mehr herauszuholen“, finden viele, sei aus dem Gelände rund um die Fischerhütte. Insgesamt mangele es im Dorf an Wohnangeboten für ältere Mitbürger.

Zu Letzterem kommt der Vorschlag einer Arbeitsgruppe, betreutes Wohnen im alten Pfarrhaus einzurichten. Das Gelände mit dem alten Pfarrgarten könne zudem genutzt werden, um der Jugend wieder einen Treffpunkt zu schaffen. An der Fischerhütte sollten die Außenanlagen saniert, der Zeltplatz reaktiviert und eine Grillmöglichkeit geschaffen werden. Harald Schmitt, Beigeordneter der Gemeinde, schlägt vor, einen Seniorenstammtisch und Kurse wie beispielsweise Computer-Workshops anzubieten. Möglich sei auch das Aufstellen von Automaten im Ort, um die Versorgung mit Lebensmitteln zu erhalten. Die Prosterather Gruppe um Birgitt Hausmann und Toni Feller regt an, für eine Verlegung des Spielplatzes ein Grundstück am Brunnen in Prosterath ins Auge zu fassen und Kontakt zum Eigentümer aufzunehmen.

Einig sind sich alle Teilnehmer, dass ehrenamtliche Tätigkeit besser honoriert werden müsse: „Wir brauchen dafür mehr Anerkennung, wenn wir auch in den nächsten Jahren noch einen Gemeinderat, einen Sportvereins-Vorsitzenden und einen Heimatverein haben wollen“, sagt Schmitt.

Bemängelt wird mehrfach, dass die Kommunikation zwischen Gemeinde und Einwohnern ausbaufähig sei. Über wichtige Dinge wie die nun begonnene Dorfmoderation und die Bürger-Workshops müsse zusätzlich per Handzettel an alle Haushalte informiert werden. Das sagt Ortsbürgermeisterin Petra Adams-Philippi gleich für die nächsten Termine zu.

Der nächste Bürger-Workshop ist am Dienstag, 4. Dezember, 19 Uhr, im Beurener Bürgerhaus. Dann geht es um die Themen Verkehr, Infrastruktur und Versorgung.

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