Bessere Mobilität in der VG Hermeskeil: Bürgerbus-Projekt nimmt Fahrt auf

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Die Verbandsgemeinde Hermeskeil hat im Mai ihre Bewohner befragt, ob sie sich mobil genug fühlen. Am Hauptwunsch der Älteren wird nun fleißig getüftelt. Manche Antwort der Jugendlichen hat überrascht.

Wie zufrieden sind Jugendliche und ältere Menschen in der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil mit ihren Möglichkeiten, von A nach B zu kommen? Dazu hatte die Verwaltung im Mai ihre Bürger befragt: „Wir wollten erst wissen, wo der Schuh drückt, bevor wir über konkrete Lösungen nachdenken“, erklärt Bürgermeister Hartmut Heck das Vorgehen.

Die Antworten der Über-65-Jährigen liegen seit einer Weile vor (der TV berichtete), nun auch die der Jugendlichen. Beide wurden im neu gebildeten VG-Generationenausschuss präsentiert, der eifrig darüber diskutierte. Deutlich wurde, dass die Idee eines Bürgerbusses, der Jung und Alt vom Umland in die Stadt befördern könnte, immer mehr Gestalt annimmt.

Bürgerbus-Idee Wie VG-Büroleiter Werner Haubrich in Erinnerung rief, haben von 403 Teilnehmern über 65 Jahren mehr als 70 Prozent die Einrichtung eines Bürgerbusses befürwortet. Zudem signalisierten viele der Befragten, ein solches Angebot regelmäßig nutzen zu wollen. „Den Bus anzuschaffen, ist überhaupt kein Problem“, sagte VG-Chef Heck. Es seien schon Angebote möglicher Sponsoren im Rathaus eingegangen. Man habe einen Neun-Sitzer im Blick, idealerweise mit Elektroantrieb. Schwieriger sei die Organisation. Nachbarkommunen mit erfolgreichem Bürgerbus griffen in der Regel auf ehrenamtliche Fahrer zurück. „Wir haben schon bei Kandidaten vorgefühlt, zwei würden es machen. Aber wir bräuchten deutlich mehr.“

Zu klären sei, ob der Bus nach festem Fahrplan oder auf Abruf fahren solle und wer dann die „Bestellungen“ aufnehme. Im Rathaus ist dies laut Heck nicht zu leisten. Anderes wie Versicherungsfragen und notwendige Genehmigungen lasse sich regeln. Stadtbürgermeisterin Lena Weber (SPD) deutete eine mögliche finanzielle Beteiligung der Stadt an, wenn der Bus etwa die Einkaufszentren am Dörrenbach und an der Römerstraße ansteuere. In Richtung Römerstraße sehe sie frühmorgens häufig Menschen an der Straße entlang zur Arbeit laufen. Im Dunkeln und bei Regen sei dies sehr gefährlich.

Stefan Ding (CDU) plädierte für ein „möglichst niedrigschwelliges Angebot, am besten kostenfei“. Es brauche ein Konzept mit den wichtigsten Eckpunkten, das man bei steigendem Interesse ausbauen könne. Dass der Bus angenommen wird, steht für Theo Palm (CDU) außer Frage. Die Älteren aus dem Umland würden damit zum Arzt, zum Friedhof, zum Einkaufen „oder auf eine Tasse Kaffee“ in die Stadt fahren. Andreas Ludwig (CDU) ergänzte, dass Rascheider und Geisfelder nach Beuren orientiert seien. Der Bus sollte daher auch zwischen den Dörfern verkehren.

Ergebnisse Jugend-Umfrage Mit Hilfe von Schulen wurden 14- bis 18-Jährige befragt. 413 Jugendliche aus dem VG-Gebiet nahmen teil. VG-Jugendpfleger Dominic Krämer stellte zentrale Ergebnisse vor. Demnach nutzen rund zwei Drittel der Befragten keine öffentlichen Verkehrsmittel, Mofas oder das Rad, um zu Freizeiteinrichtungen, Abendveranstaltungen oder Treffen mit Freunden zu gelangen. „Sie werden hingebracht, wohl meist im Auto der Eltern.“ Probleme, Ziele zu erreichen, habe etwa ein Viertel der Befragten. Immerhin 28 Prozent fühlten sich nicht ausreichend mobil. „Das sind oft die, die sich ohnehin abgehängt fühlen, denen ein familiäres Netzwerk fehlt.“

Für Krämer überraschend: 86 Prozent der Teilnehmer kennen das Jugendtaxi des Landkreises nicht. Dank dieses Projekts kommen Jugendliche am Wochenende günstiger nach Hause, denn der Kreis gibt pro Taxifahrt und Person zwei Euro zum Fahrpreis dazu. Die VG Konz und die VG Schweich steuern für Nutzer aus ihrem Gebiet weitere zwei Euro bei. Ausschussmitglied Martina Schleier wunderte sich über die Wissenslücke, weil ihre Kinder das Jugendtaxi seit Jahren nutzten. Es fehle offenbar an Informationen. Laut Jugendpfleger Krämer könnten Jugendliche zum Beispiel nachts von Trier mit dem Bus bis Hermeskeil fahren und die Strecke zum Heimatdorf mit dem Taxi überbrücken. VG-Chef Heck sagte, es bleibe dennoch im Hochwald ein „Zeit- und Kostenfaktor“ zu beachten. Lena Weber gab zu bedenken: „Manchen Eltern ist es vielleicht lieber, ihre minderjährigen Kinder selbst abzuholen.“ Simone Hahn, die im Sozialraumzentrum in Hermeskeil arbeitet, erklärte, dass gerade für Jugendliche mit schwierigen Lebensverhältnissen ein Jugendtaxi nicht viel helfe. „Für sie muss es bessere öffentliche Angebote geben.“ Der Kreis arbeitet an einem neuen Linienbündel für den Hochwald ab 2021. Die derzeitige Anbindung des Umlands ist laut Heck „absolut unzureichend“.

So geht es weiter  Zur nächsten Ausschusssitzung am 14. November will die Verwaltung Vertreter der Nachbar-VG Birkenfeld einladen, die über ihr erfolgreiches Bürgerbus-Modell berichten sollen. Bis dahin will man weiter nach möglichen Fahrern suchen. Laut VG-Chef Heck ist denkbar, dass die VG Hermeskeil in eine Bezuschussung des Jugendtaxis einsteigt. Das Thema will er in die politischen Gremien bringen. Zudem will die Verwaltung mit Nutzern des Taxis und dem beteiligten Hermeskeiler Taxi-Unternehmen über deren Erfahrungen sprechen und das Projekt intensiver in den Dörfern bewerben.

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