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Bürgermeister spricht Klartext beim Spatenstich

Bürgermeister spricht Klartext beim Spatenstich

Ein Energieversorger aus Speyer baut in Kirf zwei neue Windräder. Damit ist die maximal mögliche Zahl von Anlagen dort erreicht. Uneinig sind sich Verbandsgemeinde und Investor, wie hoch das zweite Rad werden soll.

Kirf. "Die einen bekommen das Geld, die anderen den Schlagschatten", sagte der Saarburger Verbandsbürgermeister Leo Lauer. Gemeint sind die Gemeinden Kirf und Merzkirchen. Während die riesigen Windräder von Kirf aus kaum zu sehen sind, haben die Merzkirchener die Mühlen direkt vor der Nase. Zwölf davon drehen sich derzeit bei Kirf. Zwei neue sollen bald hinzukommen. Investor und Politiker haben nun mit einem symbolischen Spatenstich den Weg für die weithin sichtbaren Anlagen gegeben. Mit 14 Windrädern ist dann die maximal mögliche Zahl erreicht. Während die erste der beiden neuen Anlagen eine Gesamthöhe von etwa 125 Metern haben soll, sind sich Investor und Verbandsgemeinde über die Höhe der zweiten nicht einig.Und so versucht Lauer, die Investoren zu bremsen. "Wir wollen hier einheitliche Höhen und keinen Präzedenzfall für riesige Anlagen", sagt der Verbandschef. Er hoffe auf gute Zusammenarbeit wie bisher.Investor sind die Stadtwerke Speyer (SWS), die bereits zwei Anlagen in Kirf betreiben. Sie pachten die Flächen von privaten Grundstückseigentümern. Beauftragt ist die Weag Future Energies AG aus Neumagen-Drohn. Lutz Gubernator, Geschäftsführer der Weag, hat klare Vorstellungen. Während das erste Rad aus technischen Gründen nicht höher als 125 Meter wird, soll sich das zweite auf 173 Metern drehen. Spatenstich mit Fauxpas

Genehmigt sind bisher maximal 125 Meter. Nur eine Fortschreibung des Flächennutzungsplans ohne Höhenbegrenzung könnte den Weg für das Riesenrad freimachen. Und darüber muss der Verbandsgemeinderat entscheiden. Bis dahin wird der Investor mit dem Bau warten.Und so begann der Spatenstich bei Kirf mit einem Fauxpas. Nachdem Lutz Gubernator und der Speyerer Oberbürgermeister Hansjörg Eger als Aufsichtsratsvorsitzender der SWS ihre Grußworte gesprochen hatten, wollten sie geschwind zur Tat schreiten und die Schaufeln schwingen - ohne den Saarburger Verbandsbürgermeister Leo Lauer überhaupt zu Wort kommen zu lassen. Doch dem lag am Herzen, einiges klarzustellen. "Wir wollen hier einheitliche Höhen und keinen Präzedenzfall für riesige Anlagen", sagt der Verbandschef. Welche Beschränkungen für Windräder mittelfristig durchsetzbar sind, wird auch in Mainz entschieden. Dort arbeitet die Landesregierung an einer neuen Version des Landesentwicklungsplans (LEP IV). Und was genau darin stehen wird, scheint derzeit kaum jemand zu wissen. Ein sogenanntes Repowering ist aber nur mit hohen und damit besonders leistungsfähigen Anlagen möglich. Repowering bedeutet: Alte und schwache Räder werden von neuen und stärkeren ersetzt. Fest steht bisher nur, dass im Vorranggebiet Kirf nach Abschluss der beiden Projekte wegen des einzuhaltenden Mindestabstands keine neuen Windräder gebaut werden. Teil des Klimaschutzkonzepts

Die Kosten für beide Anlagen betragen insgesamt etwa 5,5 Millionen Euro. Sollte das zweite Projekt kleiner ausfallen als geplant, wird es um eine Million Euro günstiger. Die SWS sehen die Investition in Kirf als Teil ihres Klimaschutzkonzepts. Die Stadt will bis 2020 ihren CO{-2}-Ausstoß um 25 Prozent verringern. Vergleichsjahr ist 2008. Bis 2030 soll der Strom und bis 2040 die Wärme zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen kommen. "Sie haben hier die Landschaft und den Wind. Beides haben wir in Speyer nicht", begründet Eger die Standortwahl.Extra

Eine Anlage vom Typ Enercon E 53 soll bis November 2012 fertig sein. Sie hat dann eine Nabenhöhe von 73 Metern und einen Rotordurchmesser von 53 Metern. Die installierte Leistung beträgt dann 800 Kilowatt. Die Anlage kann jährlich bis zu 1,4 Millionen Kilowattstunden liefern. Das entspricht nach Angaben der SWS dem Stromverbrauch von 400 Einfamilienhäusern. Die zweite Anlage soll bei entsprechender Anpassung des Flächennutzungsplanes 138 Meter hoch werden. Ihr Rotordurchmesser liegt bei 82 Metern und die installierte Leistung bei 2300 Kilowatt. Die Anlage könnte mit jährlich 5,4 Millionen Kilowattstunden Strom für 1543 Einfamilienhäuser produzieren. red Extra

Die Weag AG wurde 1996 gegründet und gehört privaten Aktionären. Wesentliche Beteiligungen hält sie an der Weag Power GmbH & Co. KG (Muttergesellschaft für den Eigenbetrieb und diverse Betreibergesellschaften für Eigenbetrieb von Windkraftanlagen als Tochtergesellschaften), der Moselpellets GmbH & Co. KG (Herstellung und Vertrieb von Holzpellets), der Weag Service GmbH & Co. KG (Technische und kaufmännische Servicedienstleistungen für Betreibergesellschaften) und an elektrischen Netzinfrastrukturgesellschaften. Die Unternehmensgruppe hat 30 Mitarbeiter und einen Auszubildenden. Zum Umsatz macht sie keine Angaben. Im Kreis Trier-Saarburg betreibt die Gesellschaft insgesamt 15 Windkraftanlagen, neben Kirf in Lampaden, Gusterath, Konz-Oberemmel und Waldrach. Weitere sind in Planung. Die Stadtwerke Speyer (SWS) GmbH ist zu 100 Prozent Eigentum der Stadt Speyer. Laut gesetzlicher Stromkennzeichnung lieferte sie 2011 an ihre Kunden Strom zu 62 Prozent aus regenerativen Quellen, zu 28 Prozent aus fossilen Quellen und neun Prozent Kernenergie (Rest: Rundungsdifferenz). Die Werke liefern auch Gas, Fernwärme sowie Wasser, kümmern sich um die Abfallentsorgung und den Betrieb der kommunalen Bäder. Seit zwei Jahren arbeiten SWS und Weag zusammen. thie