Bummel durch die Vergangenheit

Bei der fünften Auflage des Keltenfestes Celtoi am Ringwall in Otzenhausen erlebte der Besucher ungefiltert und authentisch den Zauber und Mythos der Vorfahren Europas. Der Schwerpunkt der diesjährigen zweitägigen Veranstaltung lag auf der Darstellung der Lebensweise aus der Zeit der Kelten.

Otzenhausen. Auf dem Thingplatz (Versammlungsplatz) des Keltendorfes staunen die Besucher nicht schlecht, als die saarländische Gruppe Taranis eine Modenschau mit Kollektionen aus der frühen Latènezeit (450 bis 370 vor Christus) präsentiert. Ein Schwertkrieger aus der Hochwaldkelten-Szene öffnet seinen mit eingewebten Diamanten besetzten Prachtmantel, ein weiteres männliches Model führt ein frackartiges Gewand vor, wie es in den Alpen getragen wurde. Die Damenmode der Reichen wird von einer Schnabelschuh tragenden Keltin in einem schlauchartigen Gewand repräsentiert.

Am Wochenende war in Otzenhausen vieles zu sehen und zu erleben aus dem Alltagsleben in den keltischen Siedlungen. Beim Bummel in die Vergangenheit durch die Markt- und Händlergasse schaut man den 20 verschiedenen Handwerkern bei ihren Lederarbeiten über die Schulter, lernt einen Löffel aus Holz zu fertigen, erfährt im lockeren Gespräch alles über den Bau eines Bogens mit dem dazugehörigen Pfeil, der kunstvollen Fertigung von Schmuck oder über Schmiedearbeiten am offenen Feuer. Zehn Keltengruppen und Aussteller präsentierten ihr Angebot.

"Es geht uns auch darum, die Leute zu sensibilisieren, dass sie über die Römerzeit hinausgucken", betont Hans Mader vom Freundeskreis keltischer Ringwall. Die Otzenhausener Gruppe zeigt in ihrer Textilabteilung Webarbeiten aus Wolle, nebenan werden Lederbeutel und Holzdübel hergestellt und in der Glut des Lagerfeuers das Stockbrot gebacken.

"Wir wollen einfach authentische Gruppen. Uns ist es wichtig, dass es wissenschaftlich belegt ist, was die Aussteller zeigen, und dass sie Sachverhalte wiedergeben können", erklärt Thomas Finkler von der Gemeinde Nonnweiler. Durch dieses Konzept hat die Veranstaltung nicht zuletzt auch bundesweit einen klangvollen Namen erlangt.

"Celtoi ist ein zentrales keltisches Fest, das man weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus schätzt und kennt. Hier kommt es zu einer Begegnung mit unserer Vergangenheit", sagt Ministerpräsident Peter Müller. Im wahrsten Sinne des Wortes muntert er in seiner Eigenschaft als Schirmherr im prasselnden Dauerregen am Samstagnachmittag die Organisatoren, Aussteller, Akteure und Besucher auf, "denn die Kelten seien wetterfeste Leute gewesen". Mit den dunklen Wolken am Himmel schallt synchron ein bedrohliches Trom-melgewitter über das Gelände.

Zuschauern stockt der Atem



Zwei Krieger gehen mit dem Schwert brüllend aufeinander los. Den Zuschauern stockt fast der Atem, als sich eine Kriegerin des Angriffs zweier schier übermächtiger Gegner erwehren muss. Die Schaukämpfe der tschechischen Stuntmen-Truppe Equites demonstrierten aktionsreich, wie sich das einfache Lagerleben eines Kriegers in einer rauen Zeit darstellte. "Damals wurde brutal gekämpft. Wir wollen das auch hautnah wiedergeben", erklärt Petr Dockal, der seit 23 Jahren als Stuntman arbeitet.

Kreativität war hingegen in den diversen buchbaren Workshops gefragt. Der Primstaler Josef Wölfl hatte sich in der Schmuck-Lehrwerkstatt von Agil angemeldet und fertigte einen kupfernen Armring, eine Schale und ein Amulett. Die kleinen Gäste bastelten Öllampen, besuchten die Wildnis-Küche und beobachteten mit großen Augen das Bogenschießen und das Axt- und Speerwerfen. Mit keltischer Musik vom Duo Annwn und dem Trio Wohltär klang die Veranstaltung bei einem Schluck Keltenbräu aus dem Horn an beiden Tagen jeweils aus. "Am Samstag war der Besuch wegen des Wetters durchwachsen. Dafür hat uns der Sonntag entschädigt", sagt Organisator Finkler.