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Bundesgerichtshof bestätigt Missbrauchsurteil gegen Ex-Schulleiter aus Kreis Trier-Saarburg

Kostenpflichtiger Inhalt: Bundesgerichtshof verwirft Revision : Missbrauchsurteil gegen Ex-Schulleiter gültig

Ein ehemaliger Lehrer aus dem Kreis Trier-Saarburg ist rechtskräftig verurteilt, weil er sich an einem Schüler vergriffen hat. Der Bundesgerichtshof hat seine Revision nach dem Prozess in Trier verworfen.

Das Leben des ehemaligen Leiters einer weiterführenden Schule im Kreis Trier-Saarburg ist und wird nicht mehr so, wie es war:  Weil sich der Mann 2013 und 2014 an einem Schüler zweimal vergangen hat, hatte ihn das Landgericht Trier am 9. September 2019 schuldig gesprochen. Nun hat der dritte Strafsenat des Bundesgerichtshofs das Urteil bestätigt und die Revision des Angeklagten als unbegründet verworfen. Damit ist der Schuldspruch wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in zwei Fällen, davon in einem Fall in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Kindern sowie versuchten sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, rechtskräftig. Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren, zur Bewährung ausgesetzt, ist damit unumstößlich.

Der Prozess nahm 2019 insgesamt 14 Verhandlungstage an der ersten Großen Jugendkammer in Anspruch. Teilweise wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. Bei der Urteilsverkündung erklärte Richter Günther Köhler, dass der Mann „seine Autorität missbraucht, um sich an Kindern zu vergehen.“ Die Urteilsbegründung dauerte zwei Stunden.

Die Taten des zum Zeitpunkt des Urteils 55-Jährigen liegen schon länger zurück. Er soll sich an dem Jungen, einem seiner Schüler, der zum Tatzeitpunkt 13 und 14 Jahre alt war, in den Jahren 2013 und 2014 vergangen haben. Den Schüler hatte der Lehrer in dieser Zeit mehrfach zu sich nach Hause eingeladen. Das Opfer lebte in einer Jugendhilfeeinrichtung. Weil der Lehrer die Betreuer davon habe überzeugen können, dass er ihm helfen wolle, seien die Hausbesuche erlaubt worden, erklärte der Richter damals. Bei einer Gelegenheit habe der Lehrer den damals 13-Jährigen unter dem Vorwand, ihn auf Hodenkrebs untersuchen zu wollen, unsittlich berührt. Bei einer anderen Gelegenheit habe er ihn dazu zwingen wollen, dass er vor ihm masturbiere, und ihn dabei im Intimbereich angefasst.

Bei einem anderen Schüler, dem er eine private Mathe-Nachhilfestunde in seinem Büro versprochen hatte, habe der Schulleiter im Januar 2017 ebenfalls eine „vermeintliche Hodenkrebsuntersuchung“ vornehmen wollen. Dieser Junge, durch dessen Eltern es zum Ermittlungsverfahren gegen den Lehrer kam, habe den Mann mehrfach zurückgewiesen. Somit blieb es in diesem Fall laut Urteil nur beim Versuch des sexuellen Missbrauchs.

Juristisch haben sich demnach die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in zwei Fällen bestätigt, einmal in Kombination mit dem sexuellen Missbrauch eines Kindes. Dieser zweite Paragraf greift bei einer Tat zusätzlich, weil der Schüler unter 14 Jahre alt war. Im dritten Fall ist es demnach beim Missbrauchsversuch geblieben.

Dass für den Prozess so viele Verhandlungstage notwendig waren, liegt daran, dass von Anfang an die Aussagen der beiden Opfer gegen die des ehemaligen Lehrers standen. Der Schulleiter hatte von Missverständnissen gesprochen. Sein Verteidiger hatte versucht, die Glaubwürdigkeit der Opfer in Frage zu stellen. Deshalb hatte das Gericht die belastenden Aussagen der Schüler einer Glaubhaftigkeitsanalyse unterzogen, die keine Beanstandungen zu Tage förderte.

Dass am Ende eine Bewährungsstrafe herauskam, begründete das Gericht unter anderem mit strafmildernden Gründen: Die Taten liegen schon länger zurück, der Angeklagte litt an Depressionen, und die sexuellen Handlungen selbst seien im Vergleich zu anderen Fällen dieser Art von kurzer Dauer gewesen, argumentierte der Richter bei der Urteilsverkündung. Die Opfer hätten zudem keine feststellbaren bleibenden Schäden. Gegen den 55-Jährigen spricht laut dem Urteil aber dessen herausgehobene Position: „Wenn es bei einem Schulleiter nicht geht, wem kann man überhaupt noch seine Kinder anvertrauen?“, fragte Köhler damals rhetorisch. Der Mann habe schließlich eine Vorbildfunktion für andere Lehrer gehabt.

Hauptgrund für die Aussetzung der Strafe zur Bewährung waren für Köhler damals die zu erwartenden dienstrechtlichen Konsequenzen, die nun mit der Rechtskraft des Urteils eintreten: Der Lehrer, der seit 2017 vorläufig bei halbierten Bezügen suspendiert wurde, hat nun nicht nur sein Einkommen und sein Ansehen verloren, sondern auch seine Pension.