Bundeswehrreform: Freude in Idar-Oberstein, lange Gesichter in Birkenfeld

Birkenfeld/Idar Oberstein · Die Entscheidungen zur neuen Bundeswehrstruktur (der TV berichtete) lösten im Kreis Birkenfeld ganz unterschiedliche Gefühle aus. Unter dem Strich herrscht aber Erleichterung darüber, dass die Artillerieschule in Idar-Oberstein und der Truppenübungsplatz gerettet werden konnten.

Hier marschiert bald nichts mehr: Die Heinrich-Hertz-Kaserne in Birkenfeld wird geschlossen. Foto: Reiner Drumm

Birkenfeld/Idar Oberstein. In Birkenfeld kommt es so, wie es sich im Vorfeld frühzeitig abgezeichnet hatte: Die Luftwaffe geht. In der Kreisstadt befinden sich zurzeit der Stab der 2. Luftwaffendivision und ein Programmierzentrum mit rund 420 Mitarbeitern. Nachdem die Nachricht von der Schließung gestern offiziell bekannt wurde, erhoben führende Lokalpolitiker sogleich die Forderung nach einem finanziellen Ausgleich durch den Bund, um so ein wie auch immer geartetes Konversionsprojekt zu stemmen. Der Abzug erfolgt aber ohnehin nicht sofort, sondern erst in den nächsten Jahren bis 2015.
Schlag für Birkenfeld


"Der Abzug der Luftwaffe ist für Birkenfeld ein sehr schmerzlicher Schlag. Die Stadt braucht dafür einen finanziellen Ausgleich von Bund und Land. Für den Kreis Birkenfeld insgesamt ist das Paket mit dem Erhalt der Artillerieschule in Idar-Oberstein und des Truppenübungsplatzes Baumholder aber ein tragbarer Kompromiss", bewertete Landrat Dr. Matthias Schneider (CDU) die Kunde aus Berlin.
In Idar-Oberstein hat das Zittern ein Ende: Das Aus für die Artillerieschule hätte auch den Verlust zahlreicher ziviler Arbeitsplätze bedeutet. Zwar verliert der Standort das Offizieranwärter-Bataillon und die 3. Rekruten-Inspektion. Unter dem Strich wird er aber sogar gestärkt, da das Artillerie-Bataillon 345 von Kusel an die Nahe verlegt wird.
"Für Idar-Oberstein ist das herausgekommen, was wir uns erhofft haben", freute sich Oberbürgermeister Bruno Zimmer (SPD). Wichtig ist für ihn vor allem, dass die Ausbildungsfunktion der Artillerieschule erhalten bleibt. Sein Dank gilt vor allem dem Schulkommandeur und General der Artillerie, Heribert Hupka. "Ich bin mehr als erleichtert", kommentiert dieser die Entscheidung. "Alle Artilleristen werden auch zukünftig in Idar-Oberstein ausgebildet", lautet für ihn die wichtigste Botschaft. Das entscheidende Pfund war dabei neben der Infrastruktur in der Rilchenberg-Kaserne, der Truppenübungsplatz, wie der General betont. Die Zahl der Dienstposten steigt von derzeit 1270 auf 1330. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière habe erkannt, dass der Kreis Birkenfeld die Bundeswehr braucht, urteilt die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner. "Als strukturschwache Region sind wir auf Unterstützung angewiesen." Das sei, neben dem Truppenübungsplatz vor der Haustür, eines der Argumente für die Stärkung des Standorts Idar-Oberstein gewesen. Wichtig ist für Klöckner, dass von Schließungen betroffene Regionen Unterstützung bekommen. Sei es, dass die Liegenschaften günstig zu erwerben und zu vermitteln sind, sei es, dass das Bundesbauministerium konzeptionell unter die Arme greift. "Es waren schwierige Verhandlungen", berichtet der Bundestagsabgeordnete Fritz Rudolf Körper (SPD), Mitglied des Verteidigungsausschusses.
Ausbildung bleibt in an der Nahe


Wichtig ist auch für ihn, dass in Idar-Oberstein Ausbildung und Schulung gehalten werden konnten. "Im Fall von Birkenfeld war die Argumentation schwieriger, weil ja die Divisionsebene komplett wegfällt. Dort muss man jetzt sehen, wie man mit Konversionsmaßnahmen und Begleitprogrammen für die Zivilbeschäftigten helfen kann", meint auch er.
Kaum abzuschätzen vermag Stadtbürgermeister Peter Nauert, was die Kreisstadt an Kaufkraft, aber beispielsweise auch an aktiven Vereinsmitgliedern durch die Schließung der Heinrich-Hertz-Kaserne verliert. Für den Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Dr. Bernhard Alscher, ist eine finanzielle Entschädigung ein Muss: Die Schließung des Standorts sei nach der Stilllegung des Bunkers Erwin der zweite große Verlust. "Das ist ein großer Einschnitt. Die Bundeswehr ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Lebens in Birkenfeld", sagt der Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Noss. Er kann sich noch an Zeiten erinnern, als in der Stadt bis zu 1400 Soldaten stationiert waren. Das endgültige Aus komme aber nicht unerwartet. kuk/kpm/ni/sc