Bunte Zeit am "Gottesfuß"

WILTINGEN. Die Sonne zeigt den Wiltingern künftig die richtige Zeit an. Mitglieder des Freizeitclubs haben an einer Weinbergsmauer am "Wiltinger Gottesfuß" eine Sonnenuhr installiert. Mit seinem bunten Ziffernblatt und der aktuellen Sommerzeit dürfte der Zeitmesser wohl einmalig sein.

Autofahrern auf der Kreisstraße 133 fällt in Wiltingen die große, in Regenbogenfarben gehaltene Tafel in den Weinbergen oberhalb der Bahnstrecke direkt ins Auge. Dass es sich hierbei nicht um das Werk eines künstlerisch begabten Winzers handelt, wird spätestens bei genauerem Hinsehen klar. Bleibendes geschaffen

Ein überdimensionaler Zeiger und römische Ziffern verraten, dass es sich bei dem bunten Rund um eine Sonnenuhr handelt. Genauer gesagt: um eine Vertikalsonnenuhr, wie die Erklärung in einem Schaukasten direkt an dem Zeitmesser verdeutlicht. In monatelanger Arbeit hat der Freizeitclub die Uhr entworfen, gebaut und eingestellt. Seit 23 Jahren ist der Verein um das Gemeinwohl bemüht, richtet das Pfingstfest aus und spendet die Einnahmen für wohltätige Zwecke und die Jugendarbeit im Dorf. "Wir wollten mit unserer Arbeit einmal etwas Bleibendes schaffen", beschreibt Norbert Lutz das Motiv der rund 20 Vereinsmitglieder, eine Sonnenuhr zu bauen. Zudem sollte der Zeitmesser an der Stelle errichtet werden, wo sich nach alten Überlieferungen vor mehr als 100 Jahren bereits eine Sonnenuhr befand. Aus Bootssperrholzplatten schraubten die Vereinsmitglieder das drei Meter große Ziffernblatt zusammen und lackierten es in Regenbogenfarben. "Unsere Uhr soll eben etwas Besonderes sein", erläutert Freizeitclub-Vorsitzender Karl Hennen die für diese Art von Chronometern unübliche Farbgebung. Bereits im vergangenen Herbst wurde das Ziffernblatt an einer Weinbergsmauer hoch über dem Wiltinger Saarbogen angebracht. Mit dem Eigentümer der Mauer war man sich schnell einig. "Im Gegenzug bauten wir ein Holzkreuz oberhalb seines Weinbergs wieder auf", sagt Karl Hennen. Da die Sommer-Sonnenwende beim Aufhängen des Ziffernblattes bereits vorbei war, musste man bis zum Sommerbeginn mit dem "Einstellen" der Sonnenuhr warten. Kein leichtes Unterfangen, wie die begeisterten "Uhrmacher" erklären. So muss der Uhrzeiger parallel zur Erdachse ausgerichtet sein. Um die zehn römischen Ziffern von zwölf bis 21 genau anbringen zu können, verbrachten die Helfer einen ganzen Tag am "Gottesfuß". "Ein schweres Stück Arbeit", schmunzelt Karl Hennen und ergänzt: "Die Arbeit an der Sonnenuhr war unsere Freizeitgestaltung in den vergangenen Wochen und Monaten." Das Ergebnis kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Der größte Weinort an der Saar dürfte jetzt auch die bunteste Sonnenuhr haben. "Es ist auch die einzige Sonnenuhr, die exakt auf die Sommerzeit eingestellt ist", versichert Norbert Lutz. Doch nicht nur der Blick auf die Uhr bringt Freude. Vom Standort der Sonnenuhr hat man einen atemberaubenden Blick auf den Saarbogen. Ein 180-Grad-Panorama Natur bietet sich dem Betrachter. Zum Ausruhen werden demnächst zwei Bänke aufgestellt. Von dort können sich die Wanderer die Autofahrer auf der Kreisstraße unterhalb des "Gottesfußes" anschauen, wie sie die Uhrzeit an dem neuen Wahrzeichen ablesen.