Burgfräulein und Knappen, die Ritter werden

Burgfräulein und Knappen, die Ritter werden

KONZ-NIEDERMENNIG. Dass Lernen auch im Kindergartenalter schon auf den Tagesplan gehört, orientiert an den Bildungs- und Erziehungsempfehlung des Ministeriums, und dass das auch noch sehr viel Spaß machen kann, bewies das Ritterprojekt der Kindertagesstätte St. Wendelin in Konz-Niedermennig. Jugendliche aus dem Tälchen und aus Pellingen sorgten dafür, dass sich die Kinder noch lange an den Tag erinnern werden.

Wo kurz zuvor noch Burgfräulein ihren Tanz zu mittelalterlicher Musik aufgeführt hatten, kleine Knappen in Reih und Glied in schicken, selbst gebastelten Rüstungen saßen, und das Publikum, bestehend aus einigen Clowns, Cowboys, Bienchen und Prinzessinnen, brav applaudierte, wurde es plötzlich mucksmäuschenstill. Spannung lag in der Luft im Turnraum der Kindertagesstätte in Niedermennig. Es trafen Gäste ein, auf die sich die Kinder schon den ganzen Morgen gefreut hatten: zwei Ritter, die die bis dahin schon in mehreren Disziplinen auf ihre "Rittertauglichkeit" getesteten kleinen Knappen zum Ritter schlagen sollten. Vorbereitung auf den großen Tag

Der Tag war einer der Höhepunkte des Ritterprojekts, das schon seit Ende der Sommerferien in der Kindertagesstätte St. Wendelin läuft. "Ein solches Projekt findet jedes Jahr für die Kinder statt, die im nächsten Jahr zur Schule gehen werden", erklärte Monika Werel, Leiterin der Kita. Das Besondere daran sei, so Monika Werel, dass die Kinder das Thema selbst festlegten, mit dem sie sich über den Zeitraum ihres letzten Kindergartenjahres beschäftigen. "Sie haben sich dann mit zwei Kolleginnen einmal in der Woche getroffen und das Thema bearbeitet, Wissen gesammelt, gebastelt und ein "Museum" aufgebaut. In der vergangenen Woche sei ausschließlich dieser Tag vorbereitet worden - unter anderem hatten sich die Ritter und Burgfräulein Namen gegeben, Wappen gemalt und Tücher bestickt. So kam es, dass am Freitag "Daniel Freiherr von Deutschland" neben "Leon dem Löwenritter" saß und "Lady Laura" beim Tanzen zusah. Das Projekt reiht sich ein in das Konzept, das die Kita St. Wendelin, deren Träger die Kita gGmbH Trier ist, schon seit vielen Jahren verfolgt: "Es gibt keine so strikte Trennung mehr, die Kinder sind zwar in Stammgruppen aufgeteilt, aber können sich trotzdem immer in den verschiedenen Funktionsräumen je nach Interesse ausprobieren", sagt die Leiterin, "und da dort alle Kinder zusammenkommen, haben wir uns entschlossen, auch die Kleinen in den heutigen Projekttag einzubinden, sie als Zuschauer zu beteiligen." Beteiligt am Projekt, das von Annette Brück-Fink und Julia Phlepsen geleitet wird, waren auch zwei junge Männer, die schon lange nicht mehr im Kindergartenalter sind: Manuel Aubart und Maurice Stieger sind als Ritter zu den Kindern gekommen, haben ihnen Details zum Rittersein nahe gebracht. Hobby: Kelten und Wikinger spielen

"Wir haben das vorher nur mal bei einem Kindergeburtstag gemacht", sagte Manuel Aubart. Der Schreiner-Azubi ist genauso wie Maurice Stieger und Nadine Simon, die in der Niedermenniger Kita ihr Anerkennungsjahr macht, Mitglied der sechsköpfigen Mittelalter-Gruppe "Bar-Dag-I Sleg-Ja". "Wir verkörpern Wikinger und Kelten mit unserer Gruppe", erklären die drei, denen der Ausflug in die Ritterwelt und in die Kindertagesstätte viel Spaß gemacht hat. Sonst sind sie eher auf Mittelaltermärkten anzutreffen, spielen dort die Wikingerzeit nach. "Das hat nichts mit Karneval zu tun, sondern nennt sich ‚Living History' und soll einen möglichst realistischen Eindruck vermitteln", erklärte Maurice Stieger. Auch die Kita-Leiterin zeigte sich zufrieden: "Es ist schön, dass wir die Jugendlichen in das Projekt integrieren konnten, zumal in letzter Zeit ja eher negative Schlagzeilen über die Jugendlichen hier vorherrschten." Die Kinder waren ohnehin begeistert. Und für alle gab es ein ordentliches Rittermahl - mit selbst gestalteten Trinkgefäßen und echter Rittermahl-Dekoration. Das Projekt ist noch nicht zu Ende, erläuterten die Erzieherinnen, sondern wird bis zu den Sommerferien fortgeführt. Einer der nächsten Bildungs-Höhepunkte: Der Besuch einer "echten Ritterburg", der Burg Montclair.

Mehr von Volksfreund