Carminho trifft ins Herz

Mit dem Fado-Weltstar Carminho ist am Dienstag in Saarburg eine der bedeutendsten Musikerinnen aus Portugal der Gegenwart aufgetreten. Das Konzert vor rund 100 Zuhörern war zugleich Auftakt eines musikalisch bunten Herbstes.

Saarburg. Die Zuhörer sitzen an kleinen runden Tischen, trinken ein Glas Wein und unterhalten sich. Dann wird es in der Stadthalle dunkel. Luis Guerreiro (portugiesische Gitarre), Marino Defreitas (Bass) und Diogo Clemente (akustische Gitarre) betreten schwarz gekleidet die Bühne und spielen ein kurzes Intro, bevor Carminho auf die Bühne kommt.
"So erinnert mich die Stadthalle an eine gemütliche Fado-Kneipe in Lissabon", sagt die 30-Jährige zur Begrüßung.
Fado ist ein portugiesischer Musikstil, der 2011 von der Unesco in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen wurde. In den Liedern geht es oft darum, dass man seine Sehnsucht nach etwas Verlorenem niemals stillen kann.
Dieser Zwiespalt kommt etwa in einem der Texte zum Ausdruck, den die Sängerin vertont hat: "Die Worte sind nur ein Gedicht, sie sind kein an mich adressierter Liebesbrief."
Von der Liebe und dem Meer


Fado kommt vom Herzen und berührt die Gefühle der Zuhörer. In den Liedern geht es oft um die Liebe und das Meer. Etwa um ein junges Mädchen, das einen Seemann bittet, bei ihm zu bleiben, denn sonst werde sie eifersüchtig auf das "Meer, die Fische und die Meerjungfrauen".
Manchmal geht es aber auch einfach um die Hoffnung, dass eines Tages ein Traum wahr wird, so wie Maria-José, die von ihrem Fenster aus einen jungen Mann anhimmelt und darauf wartet, dass der zu ihr kommt und ihr seine Liebe gesteht.
Aber nach anderthalb Stunden Konzert gibt Carminho zu, dass Fado-Sängerinnen vielleicht doch Lügner sind. "Mein Vater sagt immer über meine Mutter und mich, dass wir in einem Moment von der großen Liebe singen und im nächsten dann wieder traurige Lieder vortragen würden. Das passe nicht zusammen. Aber so ist Fado."
Marion Herz und Eugenie Michels aus Saarburg sind von Carminho begeistert: "Die Musik ist sehr emotional und geht einem unter die Haut, selbst wenn man die Liedtexte und die englische Moderation nicht versteht, weil man die Sprachen nicht spricht." "Carminho hat mit ihrer Musik mein Herz berührt", ergänzt Marion Herz.
Auch Toni Maroni, der in Saarburg lebt, schwärmt nach dem Konzert: "2000 Kilometer von meiner Heimatstadt Lissabon entfernt habe ich während des Konzerts gedacht, ich sei zuhause."Extra

Weitere Konzerte in Saarburg, die es lohnt, in diesem Herbst zu besuchen: Am Samstag, 15. November, 20.30 Uhr, tritt der irische Liedermacher Kieran Goss in der Saarburger Stadthalle auf. Die Schriftstellerinnen Michaela Knospe und Ursula Pauls lesen am Donnerstag, 20. November, 19 Uhr, im Amüseum. Die AC/DC-Tribute-Band Barock spielt am Samstag, 29. November, 20 Uhr, in der Saarburger Stadthalle. Eine Woche später, am Samstag, 6. Dezember, 20.30 Uhr, tritt die Irin Camille O\\'Sullivan mit Interpretationen von Liedern von Kurt Weill und Tom Waits ebenfalls in der Stadthalle auf. itz