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CDU-Streit: Hermeskeil gegen Mainz

Hermeskeil/Mainz. Die CDU der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil sieht einen möglichen Nationalpark als historische Chance für die Region. Damit steuert die Partei vor Ort gegen den Kurs der Landtagsfraktion. CDU-Landtagsfraktionschefin Julia Klöckner lehnt den Park aus Kostengründen ab.

Hermeskeil/Mainz. "Wo sehen die Kritiker des Nationalparks den Hochwald in 20 Jahren", fragt sich Sven Stieffenhofer, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands Hermeskeil. Mit den Kritikern meine er auch die Landtagsfraktion seiner eigenen Partei.
Landtags-Fraktionschefin Julia Klöckner lehnt einen Nationalpark im Hochwald und Hunsrück ab. Sie hält den Park für zu teuer, da sich bei dessen Gründung die Holz- und Sägeindustrie in Rheinland-Pfalz zu sehr einschränken müsse. Außerdem koste der Unterhalt des Parks - laut Klöckner - zu viel Geld. "Mindestens zehn Millionen Euro", sagt der Eifeler Christdemokrat und CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen, würde das Schutzgebiet jährlich kosten. Mit eingerechnet habe er dabei entgangene Einnahmen der Holzwirtschaft.
Stieffenhofer und die Christdemokraten vor Ort sehen in der Einrichtung eines Nationalparks hingegen "die große, vielleicht sogar historische Chance, unsere strukturschwache Region voranzubringen."
Denn eine große Industrie werde sich mit Sicherheit in nächster Zeit in Hochwald und Hunsrück nicht ansiedeln, sagt Stieffenhofer. "Keiner der Kritiker konnte mir bislang eine Antwort auf die Frage nach möglichen Alternativen geben."
Entgegen der landläufigen Meinung wäre auch die Holzwirtschaft in der Region kaum von einem Nationalpark betroffen. "Nur ein bis zwei Prozent des Holzes, das in den Sägewerken in der Region verarbeitet wird, stammt aus den Wäldern, in denen der Park entstehen soll", sagt Stieffenhofer.
Vom Nationalpark versprechen sich die Christdemokraten vor Ort nur positive Auswirkungen. "Schon jetzt stehen in der Verbandsgemeinde viele Häuser und Gewerbeflächen leer", sagt Stieffenhofer.
Ein anderes oder besseres Entwicklungskonzept für diese Region, das vor allem eine höhere Wertschöpfung in Aussicht stelle, sei nicht in Sicht. "Außer als schönes Wohngebiet in der Natur können wir sonst keine Standortfaktoren vorzeigen."
Deshalb sei es ein kluger Schachzug, die Strukturschwäche der Region umzumünzen in eine Stärke. Stieffenhofer: "Die Vorzüge der noch weitgehend intakten Natur in der Region sollten wir als tragendes Element der Entwicklung nutzen."
Ein Nationalpark würde die Region gleichsam als Premiumgebiet auszeichnen. cmo
Extra

Folgende Orte der Verbandsgemeinden Hermeskeil und Thalfang liegen mit Teilen ihres Gebiets im möglichen Nationalpark: Neuhütten (mit 863 Hektar); Züsch (131 Hektar); Damflos (182 Hektar); Malborn (774 Hektar); Hilscheid (580 Hektar) mai