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China-Handel: Brutaler als der Kalte Krieg

China-Handel: Brutaler als der Kalte Krieg

KONZ. (kdj) Die wirtschaftliche Auseinandersetzung mit China ist für ihn "brutaler als der Kalte Krieg". Wer mit China Handel treiben will, muss die Besonderheiten der Weltmacht berücksichtigen. Etwa 1,3 Milliarden Menschen bieten und formen einen Markt, dem man nicht seinen eigenen, klein-europäischen Stempel aufzwingen kann. Das sind Erkenntnisse von Frank Sieren, Abiturient des Jahrgangs 1986 am Gymnasium Konz und ausgewiesener China-Kenner.

Sieren, der seine journalistische Karriere in Trier (bei Radio RPR) begann, sogar einmal eine eigene (kleine) Zeitung herausgab, besuchte seine Heimatstadt und stellte sich und seine Bücher Konzer Gymnasiastinnen und Gymnasiasten vor. Frank Sieren ist China-Korrespondent der Wirtschaftswoche und lebt seit 1994 in Peking. Er ist fasziniert von dem Koloss China, der zunehmend das Wirtschaftsgeschehen in Europa und sogar in den Vereinigten Staaten mitbestimmt. Und China verdient Geld, soviel Geld, dass es beispielsweise die Bank of America mit Geld versorgt. Sieren: "680 Millionen brauchen die USA täglich an frischem Geld. China liefert es." Und es bestimmt auf diese Weise einen Teil der amerikanischen Wirtschaftspolitik mit.Patentstreit: Kampf auf verlorenem Posten

Für Sieren steht fest: Die chinesische Wirtschaft produziert (und reproduziert) genau so gut wie die Wirtschaft im Westen, aber schneller und billiger. Die Chinesen kopieren ohne Scheu und ohne Scham und machen dem Westen erhebliche Konkurrenz. Wer versucht, gegen die Verletzung seiner Patentrechte durch chinesische Unternehmen vorzugehen, steht auf verlorenem Posten. Kein westliches Unternehmen kann es sich leisten, in einem Markt mit drei Milliarden Menschen nicht mehr präsent zu sein. China als Großabnehmer westlicher Waren und westlichen Know-hows kann sich, falls notwendig, schnell auf andere Lieferanten, beispielsweise im wesentlich kostengünstigeren asiatischen Raum, umstellen. Sierens These: Mittlerweile sind die Chinesen schon längst nicht mehr ausschließlich auf Kopien westlicher Technologie angewiesen. Sie produzieren selber. Ihr Interesse an Flugzeugen der Airbus-Familie beschränkt sich schon längst nicht mehr nur auf den Kauf; sie wollen zumindest Teile, wenn nicht sogar ganze Flugzeuge in China herstellen. Zwei eigene Entwicklungen fliegen bereits. Zwar sind sie auf einigen technischen Gebieten noch ein ganzes Stück weit entfernt von europäischen Standards, doch sie holen schnell auf. So präsentierte die chinesische Automobilindustrie unlängst eine Eigenentwicklung auf dem europäischen Markt und erhielt sogar eine Musterzulassung für ihren Geländewagen mit dem eher romantisch angehauchten Namen "Landwind", zog ihn jedoch schnellstens wieder vom hiesigen Markt zurück: Bei Crashversuchen im ADAC-Testzentrum hatte das Vehikel mit verheerend schlechten Noten abgeschnitten. Frank Sieren: "Aber sie werden wiederkommen, mit einem wesentlich besseren Fahrzeug, das auch unseren hohen Ansprüchen genügt." China-Kenner Sieren weiß, dass die Bevölkerung einen ungeheuren Heißhunger auf die technischen Errungenschaften der Moderne hat - ohne allerdings die Preise bezahlen zu können, die für westliche Produkte gefordert werden. Das bedeutet für den Handel mit der Großmacht, sich auf deren Bedürfnisse einzustellen. Der - nach dem verheerenden Unglück im Emsland sehr unsicher gewordene - Transrapid-Deal bedeutet für die deutsche Wirtschaft nicht unbedingt, dass die Chinesen dieses High-Tech-Produkt kopieren wollen, obwohl sie bereits bekundet haben, den Zug in Lizenz bauen zu wollen. Diese Technik beherrschen sie (noch) nicht. Sie einfach zu kopieren, davon gibt Sieren sich überzeugt, ist kurzfristig nicht möglich. Mittel- oder gar langfristig muss jedoch damit gerechnet werden. Ein Patentrezept gegen die neue "gelbe Gefahr" hat Frank Sieren nicht. Aber seine Empfehlung klingt plausibel: "Verhandeln und handeln, gegen die Chinesen geht nichts."