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Container für Kinder statt Flüchtlinge: Könener Kita bekommt Übergangsquartier

Container für Kinder statt Flüchtlinge: Könener Kita bekommt Übergangsquartier

Mehrere Container, die der Kreis Trier-Saarburg eigentlich für die Unterbringung von Geflüchteten aus aller Welt besorgt hatte, werden nun für heimische Kinder eingesetzt. Die Stadt Konz vergrößert mit ihnen die Könener Kita. Im Übergangsquartier kommen vorerst zwei neue Gruppen unter.

Konz-Könen. Könen droht Platzmangel. Der Stadtteil, für den zurzeit die B 51-Ortsumgehung gebaut wird, wächst immer weiter. Seit 2013 hat die Konzer Verwaltung allein für Könen 68 Bauanträge für Einfamilienhäuser und elf Bauanträge für Mehrfamilienhäuser angenommen. Im Neubaugebiet Pferdsgarten sind von 88 Grundstücken nur noch zwei verfügbar. Ortsvorsteher Detlef Müller-Greis rechnet damit, dass in ein paar Jahren 2900 Menschen in Könen leben - 600 mehr als 2014.

Erfolg und Herausforderung: Das ist eine Erfolgsgeschichte für den Stadtteil, allerdings bringt sie Herausforderungen mit sich - zum Beispiel für die Könener Kita. Für 2017 reichen die vorhandenen Plätze der Kindertagesstätte St. Amandus nicht mehr aus. Da sind sich die Stadt Konz und die bistumseigene Kita gGmbH einig. Laut Elisabeth Philippi, bei der Kita gGmbH Leiterin der Gesamteinrichtung Konz, werden in Könen zurzeit 105 Kinder in fünf Gruppen betreut. Für 2017 gebe es jedoch 135 Anmeldungen. Deswegen würden nun zwei neue Gruppen á 15 Plätze für Ein- bis Sechsjährige geschaffen. Diese Gruppen werden in Containern auf dem Schulhof zwischen dem Kita-Gebäude und der Grundschule zu finden sein. Zusätzliches Personal werde noch gesucht, aber sie gehe davon aus, dass die Gruppen zum 1. Februar 2017 eröffnet werden könnten, sagt Phillipi. Sobald die Container stehen, kehrt eine Gruppe der Kita, die zurzeit in den Jugendraum am Sportplatz ausgelagert ist, zurück in das Hauptgebäude. Philippi begründet die Entscheidung: Eine Kita dürfe nicht an mehr als drei Standorten Betreuungsgruppen haben.

Beschluss: Der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Konz hat einen entsprechenden Auftrag an eine nordrhein-westfälische Firma vergeben. Die Stadt Konz übernimmt demnach Containermodule, die eigentlich der Kreis Trier-Saarburg gemietet hatte, um darin Geflüchtete unterzubringen. Nun stehen die Container unbenutzt in Kenn herum, weil im Vergleich zum vergangenen Jahr viel weniger Migranten eingereist sind. Die Stadt übernimmt die Module nun, um das Könener Platzproblem zu lösen. Für zunächst 18 Monate zahlt Konz insgesamt 205 817 Euro für die Container. Transport, Bau von Fundamenten und der Aufbau der Container sind darin enthalten. Für jeden zusätzlichen Monat sind 5533 Euro Miete fällig. Für Möbel kommt noch ein Betrag von 75 000 Euro hinzu. Diese sollen nicht nur in dem Übergangsquartier stehen, sondern später auch in der Kita aufgestellt werden.
Denn die Stadt Konz will das bestehende Gebäude von der Pfarrgemeinde übernehmen, es sanieren und erweitern. Die Umsetzung dieses Plans kostet voraussichtlich knapp eine Million Euro. Die Stadt hofft darauf, dass sich das Bistum Trier an den Kosten beteiligt. Normalerweise sei in solchen Fällen ein Zuschuss von 35 Prozent zu erwarten, sagt Joachim Weber, hauptamtlicher Beigeordneter der Verbandsgemeinde Konz.

Bistum: Judith Rupp, Pressesprecherin des Bistums, sagt, dass die Kirchengemeinde wegen der notwendigen Sanierung bereits 2013 beschlossen habe, das 2713 Quadratmeter große Grundstück und das Gebäude kostenlos an die Stadt Konz zurückzugeben. Sie sehe sich nicht in der Lage, sich selbst um das große Projekt zu kümmern. Ein ergänzendes Grundstück von 600 Quadratmeter werde an die Stadt verkauft. Das sei noch nicht beurkundet. Zur Finanzierung äußert sich Rupp folgendermaßen: Das Bistum habe in den Jahren 2004 bis 2012 insgesamt 112 000 Euro an Baukostenzuschüssen an die Stadt gezahlt. An der 985 000 Euro teuren Generalsanierung werde es sich mit 203 000 Euro beteiligen. Das entspricht noch nicht dem von der Stadt erwarteten 35-prozentigem Zuschuss. Laut der Konzer Verwaltung laufen die Verhandlungen aber noch.Meinung

Ein bisschen spät dran
Will eine Stadt wachsen, muss sie den neuen Bürgern die entsprechende Infrastruktur bieten. Dem kommt die Stadt Konz nun mit der Schaffung weiterer Kitaplätze in Könen nach. Allerdings muss sie wegen der zähen Verhandlungen mit dem Bistum Trier eine Übergangslösung mit Containern anbieten. Das hätten die Stadt und das Bistum den Kindern, Eltern und Betreuern ersparen können, wenn sie sich früher geeinigt und den Umbau des Kita-Gebäudes vorangetrieben hätten. Denn: Dass Könen stark wachsen würde, war schon vor mehreren Jahren klar, als der Stadtrat das Neubaugebiet beschlossen hat. c.kremer@volksfreund.deExtra

Ähnlich wie Könen wächst auch der Obermoselort Nittel. Im Neubaugebiet Wiesengraben mit insgesamt 110 Grundstücken sind laut einer aktuellen Liste der VG-Verwaltung in Konz nur noch zehn gemeindeeigene zu verkaufen. Der Gemeinderat hat zurzeit deshalb einen Verkaufsstopp verhängt, bis das Gremium den Doppelhaushalt für 2017/18 verabschiedet. Um Betreuungsplätze für die zusätzlichen Kinder aus dem Neubaugebiet zu schaffen, wird zurzeit das ehemalige Pfarrhaus in Nittel zu einem Kindergarten umgebaut. Laut Ortsbürgermeister Peter-Leo Hein könnten die neuen Gruppen Anfang 2018 den Betrieb aufnehmen. cmk