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Cosplay-Fan - Hermeskeilerin fertigt Rüstungen von Star-Wars-Bösewichten selbst

Kostenpflichtiger Inhalt: Originalgetreue Kostüme : Cosplay-Fan - Hermeskeilerin fertigt Rüstungen von Star-Wars-Bösewichten selbst (Fotos/Video)

Lisa Junk mag Cosplay. Dabei kostümieren sich Fans möglichst originalgetreu als Comic-, Film- oder Serienfiguren. Die 26-jährige Hermeskeilerin hat sich auf Bösewichte aus dem „Star-Wars“-Universum spezialisiert. Ihre Rüstungen stellt die gelernte Schreinerin selbst her.

Die Weltraum-Saga „Star Wars“ hat es Lisa Junk angetan. „Das habe ich als Kind rauf- und runtergeschaut“, sagt die 26-Jährige aus Hermeskeil. Seit Dezember läuft der aktuelle Film der Reihe, „Der Aufstieg Skywalkers“, in den Kinos. Junk mag jedoch besonders eine Figur aus den älteren Filmen, den Kopfgeldjäger Boba Fett. Eine Rüstung wie Bobas steht in ihrer Wohnung. Ab und zu schlüpft die junge Frau hinein und geht damit zu Veranstaltungen, wo sie Gleichgesinnte trifft. Denn ihr liebstes Hobby ist Cosplay.

Zusammengesetzt aus den englischen Begriffen „costume“ und „play“ heißt das so viel wie „Kostümspiel“. Es geht darum, Figuren aus Filmen, Serien oder Comics möglichst originalgetreu darzustellen. „Als kriegerischer Charakter muss man als harter Hund auftreten“, erklärt Junk, die sich als Cosplayerin Blanca nennt. Die Wurzeln von Cosplay liegen in Japan, inzwischen ist es auch in Europa angekommen. Anhänger treffen sich auf Messen, sogenannten Conventions.

Erste Kontakte zur Szene, sagt „Blanca“, habe sie durch ihre Schulfreunde am Gymnasium Hermeskeil geknüpft. Während ihres Fachinformatik-Studiums an der Universität Trier sei daraus eine immer stärkere Faszination geworden. „Damals habe ich noch viel am Computer gespielt“, sagt sie. Vorlage für ihr erstes Kostüm war daher eine Magierin aus einem PC-Spiel, „aus Kleidungsstücken irgendwie zusammengebastelt“. Mit der Zeit wuchs bei der Hermeskeilerin der Ehrgeiz, komplette Kostüme selbst zu fertigen. Dafür brachte sie sich das Nähen bei.

Hermeskeilerin schlüpft in Star-Wars-Rüstungen

2013 traf „Blanca“ bei einer Rollenspiel-Messe eine Gruppe in Star-Wars-Rüstungen. „Die sahen echt super aus.“ Die Idee für ein Boba-Fett-Kostüm habe sie damals schon im Kopf gehabt, sagt Junk. „Ich wollte etwas mit Maske oder Helm, weil man damit ganz anders auf die Leute wirkt.“ Mit der Gruppe, der mandalorianischen Beskarschmiede, fuhr sie nach Nürnberg in eine Werkstatt. Dort sah sie zu und lernte, wie man die Aluminiumplatten für die Weltraum-Rüstungen zurechtbiegt und lackiert. Etwa zu dieser Zeit brach sie ihr Studium ab und begann eine Ausbildung in einer Schreinerei in Wittlich, wo sie heute noch angestellt ist. „Das Handwerkliche liegt mir mehr als stundenlang etwas zu programmieren“, sagt die 26-Jährige.

Mittlerweile stellt sie ihre Cosplay-Kostüme selbst her. Das Material dafür bestellt sie häufig übers Internet. „Unter den Rüstungen trage ich normale Hemden, Hosen und Stiefel von der Bundeswehr“, erzählt sie. Die Waffen seien umgebaute, lackierte Spielzeug-Gewehre. Am jüngsten Rüstungsmodell von 2019 habe sie fast ein Jahr lang getüftelt. „Vieles kann ich mit Spezialwerkzeug zu Hause erledigen. Alles, was zu laut ist, mache ich nach Feierabend in der Firma.“

Drei vollständige Outfits gibt es inzwischen, doch Junk feilt ständig an Details. Das Kostüm eines Tusken-Raiders im typischen sandfarbenen Gewand sei „noch zu sauber. Da muss etwas Dreck dran“, sagt sie. Viele Cosplayer achteten genau auf Details. Sie füge gern eigene Ideen wie spezielle Muster oder Felle bei ihren Rüstungen hinzu. Aktuell entwirft sie ein Offiziers-Outfit, inspiriert durch die Endzeit-Filmreihe „Mad Max“. Damit will sie im März zur Messe Austria Comic Con nach Österreich fahren.

Meist ist „Blanca“ mit ihrer Gruppe Beskarschmiede unterwegs. Cosplay, sagt sie, sei in Deutschland recht weit verbreitet – im Saarland aber mehr als im Raum Trier. In Landsweiler-Reden etwa läuft alle zwei Jahre der Fantasie- und Rollenspielkonvent (FaRK). Dort dreht sich auf einem 35 000 Quadratmeter großen Gelände alles um Cosplay, Live-Rollenspiele, Filme, Serien, Comics und Videospiele. Statt Eintritt sammeln die Veranstalter Spenden für soziale Zwecke. Im Hochwald lässt sich die Gruppe Fairytale Icons als Superhelden oder Märchenfiguren fotografieren und sammelt damit Geld für Hilfsprojekte. „Oft sind Cosplayer eher zurückhaltend und hängen nicht an die große Glocke, was sie machen“, sagt Junk. Denn hin und wieder gebe es dumme Sprüche. „Das sind Leute, die Cosplay nicht verstehen und fragen: ‚Machst du ein bisschen Fasching’“.

Eine Veranstaltung speziell für Star-Wars-Fans gibt es jedes Jahr im Technikmuseum in Speyer. Dort hat Junk schon eines ihrer Idole, den Boba-Fett-Darsteller Jeremy Bulloch, getroffen. „Ein Autogramm von ihm steht in meinem Helm“, erzählt sie stolz. Geld verdient die Cosplayerin nicht, wenn sie in ihren Star-Wars-Outfits bei Conventions auftaucht. „Es macht einfach Spaß, und man lernt viele Leute kennen.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hermeskeilerin schlüpft in Kostüme von Star-Wars-Charakteren