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Dank Alarmanlage - Einbrecher in Temmels auf frischer Tat ertappt

Dank Alarmanlage - Einbrecher in Temmels auf frischer Tat ertappt

Trier, Wellen, Zewen, Wincheringen, Hermeskeil, Gusterath, Ralingen oder Langsur: Dies alles sind Tatorte von Einbrüchen in den vergangenen Wochen. Die Meldungen von Taten häufen sich in letzter Zeit. Und meistens entkommen die Täter. Doch manchmal werden sie dank moderner Alarmanlagen festgenommen - wie in diesem Fall in Temmels.

Die Polizei registriert in der Region Trier jeden Tag mehrere Einbrüche, und die Fallzahlen steigen beständig. Das zeigt eine Statistik, welche die Pressestelle des Trierer Polizeipräsidiums auf TV-Anfrage präsentiert. Die aktuellsten Zahlen reichen von Januar bis Ende September 2015. In diesem Zeitraum haben die Beamten 679 Einbrüche gezählt. Zum Vergleich: Von Januar bis Ende September 2014 waren es 542, im ganzen Jahr 2014 waren es 695.

Obwohl sich seit September 2014 eine spezialisierte Ermittlungsgruppe mit den Einbrüchen befasst, sind die Zahlen weiter angestiegen. Es gibt aber einen kleinen Trost: Auch die Aufklärungsquote ist von 14,4 auf 16,5 Prozent gestiegen. Und jeder Wohnungs-, Haus- und Ladenbesitzer kann dazu beitragen, dass die Quote noch besser wird - zum Beispiel durch die Installation moderner Sicherheits- und Überwachungstechnik.Einbruch in Metzgerei


Dass eine Alarmanlage Erfolge bringen kann, zeigt die Geschichte von Fleischermeister Peter Klassen aus Temmels. Die Nacht vom 30. auf den 31. Dezember: Klassen ist bei seiner Familie, als sein Telefon klingelt. Die Alarmanlage in seiner Metzgerei an der B 419 in Temmels schlägt an und aktiviert den automatischen Anruf. Über einen Computerbildschirm sieht der Fleischermeister zu Hause, wie zwei Einbrecher in die Geschäftsräume eingedrungen sind.

Weil er direkt reagiert und die Polizei informiert, müssen sie schnell wieder flüchten. Von dem stillen Alarm haben sie nichts mitbekommen, doch die Bewegungsmelder in der Metzgerei haben auch das Licht eingeschaltet und die Überwachungskamera im Büro aktiviert. Als Klassen vor Ort eintrifft, sieht er noch, wie die Täter flüchten. Einen 29-jährigen Mann nimmt die Polizei wenige Minuten nach der Tat im Nachbarort Oberbillig fest. Sein Mittäter ist weiter flüchtig (der TV berichtete ).

Dass einer der Täter so schnell gefasst wurde, liegt daran, dass Klassen seine Sicherheitsvorkehrungen aufgerüstet hat. Der jüngste Einbruch in die Fleischerei war der dritte seit 2013. Beim ersten Einbruch entstand ihm ein großer Schaden. Die Täter, vermutlich eine professionelle Bande, stahlen einen Tresor mit 5000 Euro, wichtigen Geschäftsunterlagen und Computerprogrammen. Die Beute transportierten sie in einem Firmenfahrzeug von Klassen ab. Der Wagen wurde laut dem Fleischermeister später ausgebrannt in Frankreich gefunden.

Klassen installierte daraufhin Kameras auf dem Außengelände, sicherte Türen und Fenster - auch mit Sensoren, die bei unbefugtem Öffnen einen lauten Alarm auslösen und Strahler aktivieren. Kostenpunkt 5000 Euro. Trotzdem kam es im Juli 2015 erneut zu einem Einbruch. Die drei Täter fanden am 15. Juli einen Weg vorbei an den Sicherheitsvorkehrungen in die Geschäftsräume. Ihre Beute: 1000 Euro.

Trotz Videoaufnahmen sind sie laut Klassen nie gefasst worden, denn sie waren bei der Tat vermummt. Er rüstete für 3000 Euro weiter auf und installierte Bewegungsmelder, den Mechanismus für den stillen Alarm und weitere Kameras. Und voilà: Beim dritten Einbruch gab es erstmals eine Festnahme.

Die Polizei hält Klassens Anlage für "absolut ausreichend". Ihr Credo ist jedoch, dass die Einbrecher aus dem Haus rausgehalten werden müssen. Deshalb halten die Experten bei der Polizei mechanischen Schutz an Türen und Fenstern für wichtiger als Alarmanlagen und Überwachungstechnik (siehe Extra).Extra

Türen und Fenster können durch Fenstergitter, Panzerriegel und abschließbare Griffe gesichert werden. Gemäß des Credos, Einbrecher erst gar nicht reinzulassen, sind elektronische Alarmanlagen und Überwachungskameras nur zusätzliche Schutzmaßnahmen zu diesen Vorkehrungen. "Ideal ist beides", heißt es bei der Beratungsstelle für Einbruchsprävention in Trier. Die dort ansässigen Experten raten dazu, zertifizierte Produkte einzubauen.

Im Internet ist zum Beispiel auf der Seite www.polizei-beratung.de unter dem Unterpunkt Diebstahl und Einbruch eine Liste der bayerischen Polizei mit den zertifizierten Herstellern zu finden. Pauschal können die Mitarbeiter der Präventionsstelle nicht sagen, wie teuer eine ausreichende Absicherung gegen Einbrüche ist. Es sei immer eine Einzelfallprüfung vor Ort notwendig, heißt es. Die Experten raten zudem von billiger Überwachungstechnik aus dem Supermarkt ab und verweisen auch bei den elektrischen Geräten auf zertifizierte Produkte.

Zertifikate für Alarmanlagen vergibt zum Beispiel die unabhängige Prüfstelle der VdS Schadenverhütung GmbH. VdS steht für Vertrauen durch Sicherheit. Bei solchen Anlagen gelten mehrere Din-Normen, und es wird je nach Einbruch-Risiko nach vier Graden unterschieden. Je höher der Grad desto höher die Anforderungen an das System. Anlagen mit Grad 1 werden nicht empfohlen, weil sie die Ansprüche der Polizei nicht erfüllen. Für den Schutz von kleineren Wohnobjekten empfiehlt die Polizei Einbruchmeldeanlagen mit Grad 2 (Klasse A). Anlagen mit Grad 3 (Klasse B) oder Grad 4 (Klasse C) werden bei Wohn-, Gewerbeobjekten oder öffentlichen Einrichtungen mit hoher Gefährdung installiert.

Dass es auch wichtig ist, die installierte Technik zu aktivieren und zu beachten, zeigen zwei Fälle der vergangenen Tage: Ein Hausbesitzer in Tawern hatte bei einer Einbruchsserie in dem Ort seine Alarmanlage nicht aktiviert. Die Täter waren trotz Sicherheitstechnik erfolgreich. Bei einem versuchten Einbruch in Wincheringen haben die Bewohner den Alarm zwar gehört, aber nicht reagiert. In beiden Fällen sind die Täter flüchtig (der TV berichtete). cmk Die Einbruchsberatungsstelle der Polizei in Trier ist unter Telefon 0651/9779-1251 zu erreichen.