"Das Alte, Vertraute ist weg"

Ein verheerender Großbrand vernichtete im August 2007 die Werkhalle und das Lager der Zimmerei und Dachdeckerei Kohn in Saarburg-Beurig. Ein Jahr später ist von dem Unglück kaum eine Spur geblieben - und Ludwig Kohn hat mit seiner Mannschaft die schwere Zeit überwunden.

Saarburg-Beurig. Den 5. August 2007 wird Ludwig Kohn sein Leben lang nicht vergessen. An diesem heißen Sommer-Sonntag hat es Ludwig Kohn mit seiner Familie zu einer Fahrrad-Tour getrieben. "Nachdem wir mittags wieder zuhause waren, haben wir uns in den Garten gelegt zum Ausruhen", erinnert sich der 51-Jährige im Gespräch mit dem TV. "Ich war eingenickt, als ich gegen 16.50 Uhr meine Frau laut habe schreien hören: ,Steh auf, die Werkstatt brennt", hat sie geschrien - in einer Art, wie ich sie zuvor noch nie erlebt hatte." Im Nu sei er von seiner Liege aufgesprungen und auf dem gegenüberliegenden Firmen-Gelände gewesen.

Ein flammendes Inferno innerhalb weniger Minuten



Dort stand bereits sein Buchhalter, Andre Sandhop, der im Elternhaus Kohns auf dem Firmengelände wohnt. "Ich hatte zunächst einen heftigen Knall gehört, wie wenn irgendwo ein Feuerwerk gezündet wird", schildert Sandhop seine ersten Eindrücke. Ein kleines Loch im Lagergebäude, aus dem heraus es funkte und sprühte, sei das Erste gewesen, was er wahrgenommen habe. "Das war zunächst so klein, dass ich dachte, das mit einem Feuerlöscher regeln zu können", so der Buchhalter. "Als ich wenige Minuten später wieder schaute, hatte sich das Ganze zu einem flammenden Inferno entwickelt, die Straße war voller Menschen."

Nach genau 21 Minuten waren das Lagergebäude aus Holz komplett und die Werkstatt bis auf den Beton-Sockel heruntergebrannt. "Das war ein absoluter Schock", erinnern sich beide. Sandhop: "Diese abartige Hitze-Entwicklung und die Situation, keine Chance zu haben - das war das Schlimmste." Kohn bestätigt: "In dem Moment holt man ganz tief Luft, will 1000 Dinge auf einen Schlag machen und steht doch neben sich."

Was er intuitiv richtig gemacht habe, sei das Fotografieren mit seinem Handy gewesen: "Ich habe die Situation von der ersten Minute an festgehalten, was die spätere Klärung mit der Versicherung enorm erleichtert und beschleunigt hat."

Eine Heerschar von Gutachtern und Sachverständigen hätten sich über sieben Wochen die Klinke in die Hand gegeben. Die Kriminalpolizei habe seinen Buchhalter eine Stunde nach dem Brand nach der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens gefragt und danach, ob eine Insolvenz drohe. Als Brandursache sei indes sehr schnell ein technischer Defekt festgestellt worden. Kohn: "Wahrscheinlich ausgehend von einer Schwachstelle bei einer Kabel-Isolierung."

Der Betrieb sei vor allem dank spontaner Unterstützung von zwei Mitbewerbern aus Saarburg und Trassem weitergelaufen. Deren Maschinen und Lager-Möglichkeiten habe er über Monate mitnutzen können. "Was wir überhaupt in der Zeit an Hilfe von Kunden, Nachbarn, Freunden und Bekannten bekommen haben, das war toll", sagt Kohn.

Seit März haben Kohn und seine zehn Mitarbeiter die neue Halle weitestgehend fertiggestellt, seit vier Wochen ist auch das Lagergebäude aufgebaut. Eine Tatsache, die Kohn mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet: "Das Positive ist, dass alles neu und sehr schön ist, man tolle Arbeitsbedingungen hat. Traurig bleibt für mich, dass das Alte, Vertraute weg ist, was mein Vater 1956 aufgebaut hat."

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