1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Das Familiennetzwerk Hafen bringt in Hermeskeil Erzieher und Lehreran einen Tisch - zum Beispiel zum Thema Zahlenverständnis.

Frühe Bildung : Pädagogen lernen und tauschen sich aus

Das Familiennetzwerk Hafen bringt in Hermeskeil Erzieher, Lehrer und soziale Institutionen an einen Tisch, die Kindern beim Übergang von der Kita in die Schule helfen. Jüngste Initiative war ein Studientag zum Zahlenverständnis.

Seminarleiter Matthias Webel zeichnet einen Zahlenstrahl auf die Plakatwand im Hermeskeiler Mehrgenerationenhaus. Damit will er demonstrieren, wie leicht Verwechslungsgefahren und andere „Stolpersteine“ Kinder beim Lernen von Zahlen verwirren können. „Wenn ich nach dem Vorgänger der Zahl 6 frage, antwortet das Kind vielleicht 7 statt 5. Weil es denkt: Der Vorgänger bei einer Polonaise ist doch auch der, der vor mir geht.“

Einige Zuhörerinnen im Saal nicken zustimmend. Dort sitzen etwa 40 Erzieherinnen aus Kitas der Verbandsgemeinde Hermeskeil, Lehrerinnen aus den Grund- und Förderschulen, sowie Vertreter sozialer Institutionen, die sich um frühkindliche Bildung und Unterstützung für Familien kümmern. Sie alle sind auf Einladung des Familiennetzwerks Hafen gekommen, das den dreistündigen Studiennachmittag zum Thema Zahlenverständnis organisiert hat.

„Wir wollen mit solchen Treffen die Akteure, die sich mit der Entwicklung von Kindern beschäftigen, stärker vernetzen und ihre Kommunikation untereinander intensivieren“, sagt Karen Alt, Koordinatorin bei Hafen. Auf Initiative des Hochwälder Familiennetzwerks sei bereits vor sechs Jahren ein Runder Tisch entstanden, an dem sich Vertreter von Schulen und Kitas sowie Institutionen wie die Lebensberatungsstelle und das Hermeskeiler Sozialraumzentrum mit Fragen des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule befassen. Vor zwei Jahren hätten Lehrer und Erzieher nach einer gemeinsamen Fortbildung bei ihr nachgefragt, ob sie nicht einen Studientag veranstalten könne. Alt griff die Idee auf und organisierte 2019 einen Nachmittag mit 50 Teilnehmern rund um das Thema „Lesen“.

„Wir wollen eben nicht nur die Familien unterstützen, sondern auch das Fachpersonal“, erklärt Alt das Engagement ihres Netzwerks, das 2019 zu den Preisträgern des Deutschen Kita-Preises zählte (der TV berichtete). In der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung“ belegten die Hochwälder den zweiten Platz und erhielten bei der Siegerehrung in Berlin 10 000 Euro Preisgeld. Hafen organisiert seit 2013 in und um Hermeskeil Freizeit-, Hilfs- und Beratungsangebote für Familien wie Elterncafés in Kitas, Kunstprojekte oder Babysitterkurse. Am Netzwerk beteiligt sind vier Kitas in Hermeskeil und Beuren. Träger sind die Pfarrei St. Franzikus Hermeskeil und die Katholische Kita gGmbH Trier. Finanziert wird das Projekt über Landesmittel.

An diesem Nachmittag im Johanneshaus lernen die Teilnehmer, wie sich das Verständnis für Zahlen im kindlichen Alltag entwickelt und wie man es auf spielerische Weise fördern kann. „Kinder lieben es zum Beispiel, Dinge nach Farben oder Größen zu sortieren“, erklärt Webel. Gemeinsam mit dem Hafen will er demnächst eine Art interaktive Ausstellung zum Thema im Johanneshaus aufbauen. „Da laden wir dann die Familien ein und können so auch die Eltern einbeziehen“, ergänzt Karen Alt.

Die Teilnehmer des Studientags, der vom Rotary Club Trier-Hochwald finanziert wurde, sind froh über das vielfältige Engagement des Netzwerks. „Es ist toll, dass wir hier mit Hafen eine Anlaufstelle haben, die solche Möglichkeiten bietet“, sagt Karina Düpre-Kranz, Erzieherin in der Kita in Beuren. Einen so speziellen Themennachmittag zu organisieren, würde sich für eine Einrichtung allein gar nicht lohnen. Von der Förderschule St. Martinus in Reinsfeld sind mehrere Mitarbeiter dabei. Denise Lemke und Laura Kaufmann loben die vielen Praxisbeispiele und das „sehr anschauliche Material“ des Workshops. Für sie sei auch der Austausch mit Kollegen und Experten beispielsweise für Frühförderung „gewinnbringend“. Förderschul-Leiterin Petra Falterbaum lobt darüber hinaus die Hafen-Initiative für den Runden Tisch. „Wir sind sehr froh, dass auch wir dazu eingeladen wurden. Wir konnten dort viele Kontakte knüpfen, von denen wir sehr profitieren.“