Das große Los

SCHWEICH/KONZ/SAARBURG/KAISERSLAUTERN. (LH) Bis zu 1000 Rot-Kreuz-Mitarbeiter werden pro WM-Spieltag in Kaiserslautern eingesetzt, darunter auch Helfer aus dem Kreis Trier-Saarburg. Wenn sich am heutigen Montag der Fahrzeugkonvoi von Schweich aus auf den Weg macht, ist es der letzte Einsatz der Helfer aus der Region im und am Fritz-Walter-Stadion. Der TV hat die Helfertruppe vor Ort besucht.

"Das hier läuft alles total harmonisch ab: keine Schwierigkeiten, keine unliebsamen Zwischenfälle, keine Stockbetrunkenen." Walter Bamberg ist hin- und hergerissen von der WM in Kaiserslautern, die der Konzer Rot-Kreuz-Helfer ganz hautnah miterlebt, zuletzt am Freitag bei der Partie Spanien gegen Saudi Arabien. Der Moment der Nationalhymnen ist für ihn besonders beeindruckend, wenn er nicht weit von den Spielern entfernt steht. Ganz nah bei den Spielern

Bamberg und weitere fünf Helfer der DRK-Ortsvereine Schweich, Konz und Saarburg haben das große Los gezogen: Unter den 1000 Einsatzkräften gehören sie zu den wenigen, die nicht nur fürs Fritz-Walter-Stadion "nominiert" wurden, sondern ganz dicht am Geschehen sein dürfen. Bamberg & Co. haben bisher alle Treffer live mitbekommen: "Ich werde unmittelbar hinter dem Tor eingesetzt", schwärmt er. Nora Schäfer zieht am VIP-Bereich ihre Kreise. Kaiser Franz ist ihr zwar noch nicht persönlich über den Weg gelaufen, dafür aber Ministerpräsident Kurt Beck und Otmar Walter. DRK-Mann Stefan Lorig: "Ein Fan hat mir seine US-Flagge gegeben. Das Geschenk durfte ich nicht abschlagen." Bei so viel Euphorie, die auch Elke Weidert, Ron Köhnen und Hildegard Maas-Maxmini mitbekommen, könnten die freiwilligen Helfer doch glatt vergessen, wofür sie eigentlich da sind. "Unsere Dienste wurden noch nicht gebraucht", sagen sie. Bamberg bläst zum Aufbruch. Die Sechs schnappen sich ihre Utensilien und verschwinden ins Stadion, um den Zähl-Appell nicht zu verpassen. Heinrich Christ schiebt seinen Dienst schon seit ein paar Stunden als Führungshelfer des DRK-Bezirksverbands Trier im Schulzentrum Süd. "Wir sind die eiserne Reserve", beschreibt der Chef der DRK-Kreisbereitschaft seine Tätigkeit: "Wir könnten aus dem Stand loslegen und mehr als 150 Verletzte in der umfunktionierten Schulturnhalle ärztlich versorgen." Vier Stunden vor Spielbeginn wird "klar Schiff" gemeldet. Erst drei Stunden nach Spielschluss ist die Arbeit getan. Es folgen das Abbauen und Verladen. Dann geht's im Konvoi Richtung Heimat. Vom eigentlichen Spielgeschehen bekommen die Helfer hier nicht viel mit, außer sie sitzen an den Großbildschirmen. Unweit des DRK hat die Feuerwehr-Führungsgruppe des Kreises Trier-Saarburg mit Kreisfeuerwehrinspekteur Ortwin Neuschwander als Abschnittsleiter technisches Gerät aufgebaut. Sechs Hubschrauberlandeplätze stünden bei einem Real-Einsatz zur Verfügung. "Alles ruhig, keine Vorkommnisse", heißt es in einer Lagebesprechung kurz vor Spielbeginn. DRK-Helfer aus Trier sind nicht mit dabei. Der Grund: Man dürfe den Bereich zuhause nicht verwaist lassen, erklärt Heinrich Christ. Szenenwechsel: Noch weiter weg vom Schuss - am Lauterner Stadtrand - wurde die "Quartermaster-Kaserne" zum Warteraum für Rettungsfahrzeuge umfunktioniert. Mittendrin DRKler aus Trier-Saarburg. Warten auf den Fall, der hoffentlich nicht eintreten wird, lautet auch hier die Devise. Christian Spartz, Helmut Irmisch, Patrick Adam, Timo Hunsicker, Jörg Sponholz, Björn Oltmanns und Notarzt Thomas Klostermeier haben es sich unter Sonnenschirmen gemütlich gemacht. Nebenan in einer Halle läuft auf einer Großleinwand Spanien gegen Saudi Arabien. Patrick Adam ist begeistert von dem Gruppenerlebnis, auch ohne WM-Stadionluft zu schnuppern: "Wann bekommen wir jemals wieder so eine Gelegenheit. Das hier nimmt uns keiner mehr…"