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Das halten Gastronomen und Hotelbetreiber der Region von den Corona-Lockerungen

Gastgewerbe : Das halten Gastronomen und Hotelbetreiber von den Corona-Lockerungen

Erste Reservierungen, vorsichtiger Optimismus und viele offene Fragen. Bald dürfen Restaurants, Cafés, Biergärten und Hotels in Rheinland-Pfalz wieder öffnen. Besonders für die kleinen Betriebe bedeutet das noch keine wirkliche Entspannung.

„Fünf vor vier kam die erste Reservierung,“ sagt Stefanie Becker am Mittwochabend. Zusammen mit ihrem Bruder Florian Kucher führt sie ein Landhotel mit Restaurant in Darscheid (Vulkaneifel). Bis 18.30 Uhr habe sie acht weitere entgegen nehmen können fürs lange Wochenende und auch fürs Restaurant. Auf dieses Gästeverhalten komme es an. Ob es so weiter geht, kann sie noch nicht sagen. Die 34-jährige Hotelfachfrau ist sich aber sicher: „Wir bekommen das hin.“ Nun werde sich die Familie zusammensetzen, um einen Masterplan zu machen.

Daniele Haas, die Chefin des Hotels zum Goldenen Stern in Prüm hat bereits ein Konzept für ihr Haus ausgearbeitet, das sie ab 18. Mai auch anwenden will. „Wir haben drei verschiedene Frühstücksräume und die Gäste können zu unterschiedlichen Zeiten essen kommen,“ sagt die Vorsitzende des örtlichen Gewerbevereins. Sie freut sich sehr, gibt aber auch zu bedenken: „Man muss überlegen, ob man dann auch überleben kann, wenn man alles wieder hochfährt.“ Denn 50 Prozent Gäste bedeuteten nicht unbedingt auch 50 Prozent Umsatz, sondern eher weniger. Gerade für kleinere Lokale, werde es schwer mit den Einschränkungen genug zu erwirtschaften.

Das glaubt auch Antonio Scolozzi aus Saarburg. Er freut sich zwar ebenfalls sehr, sein italienisches Restaurant wieder öffnen zu dürfen, erwartet aber große Schwierigkeiten aufgrund der Auflagen. Statt 20 Tischen, wird er draußen nur noch zehn aufstellen können. Der Inhaber der Trattoria Bella Vista hat normalerweise saisonal auch Mitarbeiter aus dem Ausland. Er sagt: „Da müssen wir jetzt erstmal neue Mitarbeiter suchen“.

„Ich hoffe, dass es hilft“, Thomas Herrig, der Chef des Gasthauses Herrig in Meckel (Eifelkreis Bitburg-Prüm) zu den Lockerungen. Wie genau die neuen Auflagen an den Tischen und bei der Arbeit in der Küche aussehen sollen, weiß er aber noch nicht. Der Gastronom sagt: „Das Gesundheitsamt muss uns in den nächsten Tagen sagen, wie wir gesetzeskonform arbeiten können.“ Er stellt sich Fragen wie: „Wenn wir Tische desinfizieren müssen, dürfen wir dann Tischwäsche benutzen? Darf an der Theke noch gespült werden oder müssen gar in der Küche Barrieren aufgebaut werden?“ 20 Prozent des Vorjahresumsatzes habe er mit Abholservice einnehmen können, dabei helfen ihm seine drei Auszubildenden. Alle anderen Mitarbeiter seien in Kurzarbeit. Veranstaltungen, die ihm an guten Wochenenden 400 Leute beschert haben, seien von heute auf morgen und vorraussichtlich bis Ende des Jahres weggebrochen. Er hofft, dass zumindest Familienfeierlichkeiten im kleinen Kreis bald wieder erlaubt sind und freut sich, dass zumindest schon wieder zwei Haushalte zusammen essen kommen dürfen.

Niko Boesen vom Hotel St. Erasmus in Trassem (Kreis Trier-Saarburg) findet: „Das ging jetzt schneller als gedacht.“ Der 26-jährige Geschäftsführer sieht die größte Hürde darin, Mitarbeiterblöcke zu haben, die sich nicht begegnen, sodass wenn einer erkrankt, nicht der ganze Betrieb eingestellt werden muss. Ideen, wie er statt des üblichen Buffets, Portionen umweltfreundlich in Weckgläsern einzeln abpackt, hat er schon.

Für Sternekoch Harald Rüssel kommt keine Reduzierung der Speisekarte infrage. „Ich muss meiner Leistung treu bleiben, das erwarten meine Gäste“, verdeutlicht der Geschäftsführer von Rüssels Landhaus in Naurath/Wald (Kreis Trier-Saarburg). Die Einschränkungen durch die Abstandsregelung sei für sein Restaurant kein großes Problem. „Wir haben zwei sehr großzügige Gasträume und einen großen Außenbereich. Ich bin wirklich froh, dass wir mit einem vernünftigen Bedienungskonzept bald wieder öffnen dürfen.“ Das gelte auch für die 15 Zimmer des Hotels. „Das ist ein kleiner Schritt in die Normalität.“

Alle 15 Beschäftigen hat Rüssel inzwischen zurückbeordert. Die Aushilfen würden aber zunächst nicht gebraucht. „Wir haben uns mit dem To-go-Geschäft in den vergangenen Wochen zumindest etwas Umsatz gesichert. Ich wäre nun froh, wenn wenn wir zumindest 50 Prozent unseres normalen Geschäfts erreichen könnten.“