"Das ist doch eine völlige Luftnummer"

"Das ist doch eine völlige Luftnummer"

Wieso taucht auf der Wunschliste des Landes für Verkehrsprojekte plötzlich eine Ortsumgehung für Hermeskeil auf? Diese Frage löst bei den wichtigsten Lokalpolitikern allergrößtes Rätselraten aus. Sie betonen: Eine neue Trasse der B 52, die um die Hochwaldstadt führt, hat seit 20 Jahren niemand mehr gefordert. Und: Sie sei auch überhaupt nicht nötig.

Hermeskeil. "Ich bin schon sehr überrascht und habe absolut keine Erklärung dafür, dass das Land nun mit so alten Überlegungen um die Ecke kommt", sagt der Hermeskeiler Stadtbürgermeister Udo Moser (BFB). Und Michael Hülpes (CDU), der Chef der Verbandsgemeinde, meint lapidar: "Das ist doch eine völlige Luftnummer." In der Hochwaldstadt hat eine am Donnerstag bekannt gewordene Wunschliste reichlich Verwirrung gestiftet. Das Land hat für den neuen Bundesverkehrswegeplan - über dessen Umsetzung zwischen 2015 und 2030 die Bundesregierung entscheidet - 90 Projekte in Rheinland-Pfalz angemeldet.
Nationalpark dient als Argument


Dazu zählen 40 Ortsumgehungen. Eins dieser vorgeschlagenen Vorhaben ist der zweistreifige Neubau der B 52 um Hermeskeil herum (der TV berichtete).
Allerdings: Im Unterschied zu den meisten anderen Projekten existiert für eine Ortsumgehung Hermeskeil noch nicht einmal ansatzweise eine Planung. Auf der vom Land vorgelegten Karte gibt es deshalb auch keine Angaben zur möglichen Streckenführung und der Länge der Umgehungsstraße. Es wird nur die Information geliefert, dass aktuell in Hermeskeil innerhalb von 24 Stunden 8000 Fahrzeuge auf der B 52 unterwegs sind.
Das Projekt sei ein "neuer Vorschlag zur Entlastung der Ortsdurchfahrt", sagt Joachim Winkler, Pressesprecher des Mainzer Infrastrukturministeriums. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Trier solle dafür nun eine Machbarkeitsstudie erstellen. Beim Trierer LBM heißt es auf TV-Anfrage: "Von uns kam der Vorschlag nicht. Es gab bisher keine Planung für eine Ortsumgehung Hermeskeil, und wir sehen dafür auch keine dringende Notwendigkeit. Nach unserer Meinung ist die A 1 die Ortsumgehung von Hermeskeil", sagt Behörden-Vize Hans-Michael Bartnick. Die A 1 führt fast parallel zur B 52 an der Hochwaldstadt vorbei. Bei der Machbarkeitsstudie würden die Grundlagen für eine mögliche Ortsumgehung ermittelt, um eine "belastbare Kostenschätzung" vorzulegen, so Bartnick.

Laut Winkler kam der Vorschlag für die Hermeskeiler Umgehung von der LBM-Zentrale in Koblenz. Minister Roger Lewentz (SPD) nannte am Freitag noch einen Grund, warum das Land den Ausbau der B 52 angemeldet habe. Das Land wolle die Region damit schon jetzt im Hinblick auf den künftigen Nationalpark berücksichtigen und deren Erreichbarkeit und Infrastruktur verbessern.
Moser betont jedoch, dass die Kommune in jüngerer Zeit nie eine Ortsumgehung gefordert habe. "Ich kann mich erinnern, dass es früher mal solche Überlegungen gab. Aber das ist 20 Jahre her." Dem aktuellen Vorschlag des Landes kann Moser nichts abgewinnen: "Wir brauchen keine Umgehung. Eine Entlastung der Ortsdurchfahrt kann auch zu weiterer Verödung führen", sagt Moser mit Blick auf die Trierer Straße - so heißt die B 52 innerhalb der Stadt. Es gebe zwar von Anwohnern die Forderung, die direkt an der A 1-Abfahrt gelegene Gusenburger Straße und den an der B 52 gelegenen Stadtteil Höfchen vom LKW-Verkehr zu entlasten. "Dazu ist aber keine Umgehungsstraße nötig. Es würde schon reichen, wenn man auf der A 1 die Beschilderung ändern würde", sagt Moser.

VG-Chef Hülpes schüttelt wegen der Hermeskeiler Umgehung ebenfalls nur den Kopf. "Ich verstehe nicht, warum das Ministerium Dinge in die Welt setzt, die keiner gefordert hat, die nicht zu bezahlen sind und zudem völlig überflüssig sind. Wenn man den Verkehr aus der Stadt herausziehen würde, hätte das eher Nachteile. Hermeskeil ist ein Verkehrsknotenpunkt und profitiert davon", so Hülpes.
Ob der Bund die angemeldeten Projekte in seinen Verkehrswegeplan aufnimmt, ist noch offen. Insofern bleibt eine mögliche B 52-Umgehung für Hermeskeil vorerst auch nur ein Wunsch des Landes - obwohl sich ihm vor Ort niemand anschließen will.

Meinung

Schlechter Witz
Es hört sich nicht nur an wie ein schlechter Witz - es ist einer: Das Mainzer Verkehrsministerium schickt eine Wunschliste nach Berlin, in der neben vielen sinnvollen Projekten auch eine ominöse Ortsumgehung Hermeskeil auftaucht. Doch was sind die Argumente für den wohl zig Millionen Euro teuren Neubau der B 52? Die vom Land gelieferte Antwort lautet: die Entlastung der Ortsdurchfahrt und der Nationalpark. Dumm nur, dass in Hermeskeil seit grauen Vorzeiten kein Mensch mehr darauf gekommen ist, eine Umgehungsstraße zu fordern. Schlimmer noch: Es gibt in der Lokalpolitik niemanden, der darin irgendeinen Nutzen sieht. Und noch kurz zum Nationalpark: Ja, es wurden in der aktuellen Diskussion bessere Straßen im Hochwald gefordert. Aber dabei ging es ganz konkret um die Landesstraße durch Züsch und mitnichten um die B 52. Die logische Konsequenz kann daher nur lauten: Bevor unnötig Geld für eine Machbarkeitsstudie ausgegeben wird, sollte man schnell alle Pläne für den Bau einer neuen B 52 um Hermeskeil wieder einpacken. a.munsteiner@volksfreund.de

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