Das kommt manchem Fremden spanisch vor
Ungewöhnliche oder geheimnisvolle Straßen- und Ortsnamen nimmt der Trierische Volksfreund an dieser Stelle unter die Lupe und versucht, ihre Herkunft zu erklären. Diesmal geht es um die "Spanische Ecke" in Tawern.
Tawern. (kdj) Der Straßen- oder Flurname weckt Erinnerungen an Sonnenurlaube auf der Iberischen Halbinsel, an Flamenco, Tapas, angeblich glutäugige Señoritas oder nur die Vorfreude auf die Reise in das Land, wo die Zitronen blüh'n. Dabei hat die "Spanische Ecke" weniger mit iberischen Urlaubsfreuden zu tun als mit dem Ergebnis knallharter Machtpolitik längst vergangener Zeiten.
Rudolf Rosenkränzer, 38 Jahre lang Lehrer an der Tawerner Schule und Organist, hat, teils gemeinsam mit Mitstreitern, zehn Jahre lang außer den großen Zusammenhängen auch Teilen jener Geschichte nachgespürt und in schließlich seiner Ortschronik "2000 Jahre Tawern" festgehalten und einen Hinweis auf den Ursprung des Namens "spanische Ecke" markiert.
Der ist am Ende verbunden mit der "großen Politik" und enthält Namen von Orten westlich und östlich der Obermosel, die teils durch Heiraten, teils durch Todesfälle und/oder auch gewaltsame Auseinandersetzungen mal den Luxemburger Grafen, mal den Trierer Erzbischöfen zufallen. Grevenmacher, Temmels, Onsdorf, Fellerich, Oberbillig, Wasserliesch kommen zu Luxemburg - und ein Teil des von den Gewässern Mausbach und Mannebach und dem aus beiden entstandenen Ahlbach durchschnittenen Tawern.
Nach dem Tod des spanischen Königs Ferdinand von Aragon fällt Spanien seinem Enkel Karl als Erbe zu. Familienbande lassen ihm auch einen großen Teil Italiens zuwachsen, das neu entdeckte Amerika und Luxemburg mit Fellerich sowie der westlichen Hälfte Tawerns. Der Eilmarsch durch nahezu 400 Jahre europäischer Geschichte endet nun an jener Stelle, welche die Tawerner die "spanische Ecke" nennen: das fest im spanischen Griff gehaltene Landstück westlich von Maus- und Mannebach.