Das Pech der späten Pendler

Die SaarLuxBus-Linien sind bei Luxemburgpendlern aus dem Raum Saarburg geschätzt. Ein Perler Unternehmen betreibt sie im Auftrag des luxemburgischen Regional-Verkehrsverbunds RGTR. Doch sind die Busse keine Alternative für Beschäftige mit spät endenden Arbeitszeiten.

Saarburg/Ockfen/Perl. Am Morgen oder am Vormittag von Saarburg mit dem SaarLuxBus zur Arbeit ins Nachbarland - das ist für alle, die auf die Anfahrt im eigenen Auto verzichten wollen, längst kein Problem mehr.
Zum Problem wird allerdings die Heimfahrt für alle, deren Arbeitszeit nach 18.30 Uhr oder später endet.
Auch Holger Barth aus Ockfen würde bei der täglichen Fahrt zum Arbeitsplatz auf dem Luxemburger Kirchberg lieber den Bus nehmen - doch die letzte Rückfahrgelegenheit mit der Linie 157 nach Saarburg gegen 18.40 Uhr ist für den Banker in Führungsposition zu knapp. Barth: "Morgens sind die Abfahrtszeiten ab Saarburg Bahnhof oder dem Busbahnhof am Heckingplatz für alle ideal, die um 7 Uhr losfahren und um 17 Uhr in Luxemburg Feierabend haben. Und mit dem Bus ist man nicht länger unterwegs als im eigenen PKW - wenn Stau ist, stehen halt beide drin. Aber im Bus lassen sich wenigstens schon einige Arbeiten erledigen."
So wie ihm, sagt Barth, gehe es vielen: Als Führungskraft könne er nicht täglich um 18 Uhr die Arbeit fallen lassen, nur weil um 18.30 Uhr auf dem Kirchberg der letzte Bus fahre. Hinzu kämen Beschäftigte mit anderen Arbeitszeiten: Später Anfang - spätes Arbeitsende. Denen bleibe nur das Auto. Wenn etwa sein Wagen in der Werkstatt sei, sagt Barth, nehme auch er den Bus. Aber das müsse dann vorher mit den Terminen abgestimmt werden und gehe nicht an jedem Tag.
Spätere Rückfahrt gewünscht


Barth: "Da würden sehr viele Pendler mehr den Bus nehmen, wenn nur die frühe Rückfahrtzeit nicht wäre." Als sinnvolle "letzte Fahrt" ab Kirchberg nennt Barth einen Zeitpunkt um 19.15 Uhr. Sein Vorschlag: "Warum lässt die Firma Müller-Nies aus Perl als Betreiberin der Linie nicht mal testweise einen ,Spätbus' nach 19 Uhr laufen?"
Marga Nies, Inhaberin der Perler Reisefirma Müller-Nies, findet die Idee mit dem zusätzlichen Abendangebot grundsätzlich gut. Nies: "Aber testweise geht das gar nicht und ohne Genehmigung durch unseren luxemburgischen Auftraggeber, den Verkehrsverbund RGTR, dürfen wir keine Linien ändern oder zusätzliche Fahrten einplanen." Die SaarLuxBus-Linien würden von Luxemburg subventioniert, insbesondere "um in Luxemburg Stadt das Parkplatzproblem zu mildern". Nur 85 Euro koste eine RGTR-Monatskarte, die für ganz Luxemburg gelte. In vielen Fällen dürften die monatlichen Parkgebühren in Luxemburg-Stadt höher ausfallen.
Reisefirma erwägt Vorschlag


Die Unternehmerin denkt aber, dass da noch Nachholbedarf bestehen könnte. Sie ist gerne bereit, den Vorschlag mit einer zusätzlichen Abendfahrt für "Spätheimkehrer" an den Luxemburger RGTR weiterzuleiten. "Es ist schade, dass Interessenten nur deshalb auf den Bus verzichten müssen, weil die letzte Tour nicht mit ihrer Arbeitszeit übereinstimmt. Und da gibt es sicher viele."
Auch der TV hat vor zwei Wochen beim luxemburgischen Verkehrsverbund nachgefragt. Er habe die Frage ans luxemburgische Verkehrsministerium weitergeleitet, hieß es. Eine Antwort steht bis zum jetzigen Zeitpunkt noch aus.
Meinung

Topf ohne Deckel
Eine Stunde später ab Luxemburg /Stadt: Dieses mögliche Zusatzangebot würde sicher zusätzliche Pendler mehr aus dem Saarburger Raum zum Umsteigen auf den SaarLuxBus bewegen. Derzeit wirkt das Angebot - betrachtet an den Zeitabläufen - wie "oben abgehackt". Doch gerade bei Dienstleistern, Serviceunternehmen und in der Finanzbranche beschränken sich die täglichen Arbeitsstunden nicht zwangsläufig auf die Kernzeit. An der Frage, ob "Spätfahrten" unprofitabel sind oder nicht, dürfte es bei dem ohnehin subventionierten Linienbetrieb nicht liegen. Und sicher ist auch, dass die Busse nach 19 Uhr nicht leer den Luxemburger Kirchberg verlassen würden. saarburg@volksfreund.de