Das Sparschwein ist leer

RASCHEID. (urs) Nachdem Rascheid sein Neubaugebiet geschultert hat, reiht sich die schuldenfreie Gemeinde in die Gruppe der Defizit-Kommunen ein. Ein Ausgleich wäre nur über das Sparbuch zu schaffen.

Für manche finanziell gebeutelte Gemeinde wäre ein Defizit von knapp 20 000 Euro ein Traum. In Rascheid sehen das die Entscheidungsträger anders. Dass der Ort seine laufenden Ausgaben von annähernd 400 000 Euro mit seinen 380 000 Einnahmen nicht mehr decken kann, ist für Ortsbürgermeister Andreas Ludwig fatal. "Wir sind mittlerweile genau so in der Spirale drin wie andere Gemeinden", kommentiert er. In Rascheid wäre ein Ausgleich nur durch die Entnahme von Rücklagen möglich. Doch die vor Jahresfrist angesparten 120 000 Euro sind aufgebraucht. Immerhin hat die Gemeinde ihr Neubaugebiet "Im Rindsbraten" aus eigener Kraft geschultert, wobei auch 65 000 Euro Forst-Überschuss 2004 hilfreich waren. Ohne das Baugebiet hätte Rascheid nun auf das Ersparte zurück gegriffen. Nach Ansicht von Ludwig kann da etwas nicht stimmen: "Irgendwie ist da ein Fehler im System -- das geht so nicht."Nicht allen Wünschen einen Riegel vorschieben

"Immer nur sparen" sei auch keine Lösung - "nachher hat man sich tot gespart und nichts erreicht". Daher schiebt der Verwaltungshaushalt nicht allen Wünschen einen Riegel vor. Die vier Ortsvereine sollen mit 1200 Euro unterstützt werden, die Renovierung der Spießbratenhütte mit 500 Euro. Der gleiche Betrag steht zur Umgestaltung des Kinderspielplatzes bereit, für die Rascheid auf seine Bürger zählt, die den Platz mit einem Spielfest erst ermöglicht hatten. Außerdem sollen Friedhofswege ausgebessert werden (2000 Euro) und das Internet-Portal www.rascheid.de entstehen (1000 Euro). Ins Geld geht der Sportplatz. Zu den Bewirtschaftungskosten von 4000 Euro kommen 2005 für Düngung und Besandung 4300 hinzu. Weitere 1500 Euro hält die Gemeinde für die Realisierung der Ortschronik vor. Um trotz leerer Kassen die Instandhaltung der Wege zu sichern, will die Gemeinde mit dem DLR, ehemals Kulturamt, nach Lösungen suchen. Handlungsbedarf besteht bei dem Weg zum Kapellchen. Der Spar-Zwang spiegelt sich im Vermögenshaushalt wider. Die Einnahmen von 28 000 Euro aus Grundstücksverkauf und Beiträgen fließen fast komplett in die Rest-Tilgung des für das Neubaugebiet benötigten Darlehens der schuldenfreien Gemeinde. Um nicht ohne Entwicklungsperspektiven zu sein, setzt der Rat im Investitionsplan Zeichen. Auf Antrag von Ratsmitglied Hartmut Droeger zeugen je 10 000 Euro in den Jahren 2006 bis 2008 die von der Gemeinde angestrebte nachhaltige Dorfentwicklung. Die von Droeger vorgeschlagene Drei-Jahres-Staffelung der Friedhofsgebühren-Erhöhung erhielt keine Mehrheit. Die Gebühren steigen von 200 auf 300 Euro, hinzu kommt 2006 die Verdoppelung der Leichenhallen-Gebühr auf 50 Euro. Harsche Kritik äußerte das Ratsmitglied an der Erhöhung der Verbandsgemeindeumlage. Es werde stets davon geredet, den Ortsgemeinden ihre finanziellen Spielräume zu erhalten, doch das sei nicht der Fall. Die Zusicherung von Bürgermeister Michael Hülpes, er wolle über 45 Prozent nicht hinaus gehen, bezeichnete Droeger als "Sonntagsrede", die nicht glaubwürdig klinge. Laut Hülpes ist jedoch die "massiv eingebrochene Steuerkraft" der Kern des Übels. "Das muss man auch dazu sehen, ansonsten ist das Spiel ein bisschen unsauber", konterte er die Kritik, die Umlage sei von 35 auf 45 Prozent gestiegen, seit er Bürgermeister sei. Spürbares Sparpotenzial sieht Hülpes beim Freibad. Durch dessen Schließung könnte die Umlage um etwa ein Prozent sinken, gab er zu bedenken.