Das Stromnetz wird intelligent
Wincheringen · Smart Operator heißt das Modellprojekt der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE), das die optimale Ausnutzung erneuerbarer Energie zum Ziel hat. Bis zum Frühjahr 2014 wird in Wincheringen mit neuester Technik versucht, Erzeugung und Verbrauch in Einklang zu bringen, um die vorhandene Netzinfrastruktur optimal nutzen zu können.
Wincheringen. Solarmodule auf dem Dach seiner Stallungen - für Rudolf Wacht in Wincheringen ist das heute ein Muss. Er hat sie bereits vor drei Jahren installiert. 30 Kilowatt Leistung kann seine Anlage maximal liefern. "Wir haben da nicht groß gerechnet", sagt der Viehhändler.
"Sonne nicht immer gleich"
Doch die Sonne scheint nicht immer gleich hell, und der Wind dreht die Rotoren von Windkraftanlagen nicht immer gleich schnell. "Genau das ist das Problem aller Stromnetzbetreiber", sagt Michael Arenz, Leiter der Region Trier der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE).
Das Pilotprojekt Smart Operator soll da Abhilfe schaffen. "Weil es in Wincheringen so viele Solardächer gibt, sind wir für das Pilotprojekt ausgesucht worden", sagt Ortsbürgermeister Leo Holbach erfreut. Das bedeutet: Intelligente Stromzähler messen das Stromaufkommen und den Verbrauch von 40 Haushalten, darunter 25 mit Solarmodulen auf dem Dach. Auf dem Betriebsgelände von Rudolf Wacht steht ein Häuschen mit schweren Batterien drin. Sie gleichen Stromaufkommen und Verbrauch aus, damit immer genug "Saft" aus der Steckdose kommt. Im Ort stehen Lastverteilerkästen.
Drei deutsche Pilotgemeinden
Wincheringen ist neben Kisselbach und Wertachau in Bayern eine von drei Pilotgemeinden in Deutschland, in die die Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke insgesamt sieben Millionen Euro in diese Technik investiert hat. In Wincheringen wurde im Neubaugebiet Auf der Powei auch eine Ladestation für Elektroautos installiert. So kann Strom auch mobil gespeichert werden. Online überwacht wird die Technik von Trier und der Konzernzentrale Essen aus über das ganz normale Stromnetz, das abhörsicher Daten übertragen kann. Mit einbezogen in die Messungen werden ferner Wetterdaten, um zu sehen, warum die Solarmodule und Windräder mehr oder weniger Strom liefern.
Landrat Günther Schartz ist begeistert. Er sagt: "So kann der ländliche Raum sogar Stromlieferant für die Stadt werden."
Die Testphase läuft bis zum Frühjahr 2014. "Langfristig sparen wir Geld, wenn unser Netz optimal genutzt wird", erklärt Projektleiter Werner Endres. Die Speichertechnik sei dabei ein wesentlicher Baustein, um den Strompreis zu stabilisieren.
Aufgrund der gesammelten Daten soll das gesamte RWE-Netz in Deutschland ab dem nächsten Jahr ausgebaut werden, um Strom im Ortsnetzbereich effektiv und damit kostengünstig zu übertragen.