Dauerärger über Raser vor der Tür

Dauerärger über Raser vor der Tür

Die Anwohner der Klautermühle in Wellen wollen Taten sehen. Seit dem Bau der neuen Moselbrücke mit verändertem Zufahrtssystem ist die Wohnstraße entlang des Bahndamms laut den Anliegern zur belebten Durchgangsstrecke geworden.

Wellen. Anwohner Jürgen Beck steht unter einem Tempo-30-Schild in Sichtweite seines Anwesens und sagt: "Bei der letzten Messung vor einigen Jahren waren es über 300 Durchfahrten am Tag, davon rund 30 Prozent zu schnell." Und es seien nicht nur Autos, die hier knapp an den Häusern und kleinen Vorgärten entlangrauschen. Die Palette reiche vom schweren Traktorgespann über schnelle Kleinlaster bis hin zu verirrten 40-Tonnern. Und schon bei der Anfahrt steht der TV-Mitarbeiter vor einem riesigen Treckergespann und muss dem Koloss weichen. Sonst ginge auf der knapp vier Meter breiten Straße nichts mehr vor und zurück. Es ist gegen 15.30 Uhr, also verkehrsarme Zeit, aber die Durchfahrten in beide Richtungen folgen im Minutentakt. Hauptsächlich ist das der Durchgangsverkehr von und zum Neubaugebiet Rubersberg/Hässeln.70 Häuser im Neubaugebiet


"Etwa 70 Häuser gibt es im Neubaugebiet, macht etwa 140 Autos, die täglich von da aus verkehren. Und dazu kommt der Besucher- und Lieferverkehr," schätzen Jürgen und Tanja Beck, die sich Sorgen um ihre drei kleinen Kinder machen. Nachbarin Bianca Junk hat ein elf Wochen altes Baby und musste mit dem Kinderwagen schon mal in eine Vorgartenwiese flüchten. Sie wurde kürzlich vom Außenspiegel eines eng vorbeifahrenden Wagens gestreift - Bürgersteige gibt es aus Platzmangel nicht. Tatsächlich hat das Neubaugebiet eine extra Anbindung über die Waldstraße oberhalb von Wellen. Diese Straße ist sogar verbreitert worden, damit dort zwei Laster aneinander vorbeipassen. Nur sei das erstens ein Umweg, und zweitens könne dort das Auto schmutzig werden, da die Route direkt am Bergwerk vorbeiführe, heißt es an der Klautermühle. Aber auch entlang der Bahn gibt es noch eine Alternative: Von der B 419 führt auf der anderen Bahndammseite eine Zufahrt mit Tunnel unter dem Bahndamm hindurch in Richtung Neubaugebiet, mit der sich der gesamte bebaute Abschnitt der Klautermühle umgehen lässt. Warum diese Alternative so wenig angenommen wird und sich die meisten Autofahrer lieber durch die Klautermühle quälen, ist rätselhaft. Vielleicht liegt es an der schnurgeraden Optik der Wohnstraße, die den Autofahrern freie Sicht und schnelles Durchkommen verheißt.
Laut Beck fordern die Anwohner schon seit Jahren den Einbau von sogenannten Gummischwellen zum Ausbremsen der Autofahrer. Die Ortsgemeinde Wellen und die Verbandsgemeindeverwaltung lehnen sie ab. Sie verweisen auf den höheren Lärm durch ständiges Abbremsen und Beschleunigen zwischen den Schwellen. "Uns wäre der zusätzliche Lärm durch die Schwellen egal, wenn nur langsamer gefahren würde. Wir sind schon durch die Bahn und die B 419 an Lärm gewöhnt - da macht das auch nichts mehr aus", sagen die Anwohner. Sie stören sich an Aggressionsgebärden ertappter Schnellfahrer - aber "anhalten und aussteigen, das traue sich dann doch keiner. Beck: "150 Euro das Stück würden die Schwellen auf unserer engen Straße kosten, daran kann es doch nicht liegen."
"Diese Schwellen sind keine Lösung - fast in allen Orten wurden sie wegen der Lärmentwicklung wieder entfernt", sagt auf Anfrage der erste Wellener Beigeordnete Ralf Bier. Die Situation an der Klautermühle sei seit Jahren regelmäßig Thema im Gemeinderat. Auf Betreiben der Ortsgemeinde habe die Konzer Verwaltung inzwischen drei Messungen angesetzt. Das Ergebnis ist, dass sich das Fahrverhalten dort im üblichen Rahmen halte. Wegen der Klautermühle hat Wellen nun auch einen blinkenden Tempo-Smiley gekauft. Bier: "Würden wir dort die Schwellen anbringen, kämen nach kurzer Zeit Klagen über die zusätzliche nächtliche Lärmbelästigung."Meinung

Smiley als Trostpflaster
Die Anlieger der Klautermühle in Wellen werden mit der Verkehrssituation vor ihren Haustüren leben müssen. Darauf lässt das Fazit der Konzer Verwaltung nach der jüngsten Messung schließen. Offiziell will sie die Anwohner vor der Lärmbelästigung durch Straßenschwellen schützen - obwohl die lieber vor Rasern geschützt werden wollen. Als Trostpflaster gibt es ein Verbotsschild für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen, an das sich wohl keiner halten wird. Etwas mehr Wirkung könnte der von der Ortsgemeinde erworbene blinkende Smiley haben. Tatsächlich wirken die Smileys etwas verkehrsberuhigend, da sie das Fehlverhalten Autofahrern "öffentlich" machen. Im Prinzip bleibt aber alles wie gehabt - den jüngsten Messergebnissen sei Dank. Sie stellen einen Verkehrsrückgang seit 2011 um fast zwei Drittel fest. Wieso wurde diesmal aber von Donnerstag bis Montagmorgen gemessen - mit zwei Tagen ohne Berufsverkehr und einem LKW-freien Tag? trier@volksfreund.deExtra

Mit einem Gerät, das Zahl, Tempo und Größe der durchfahrenden Fahrzeuge erfasst, ohne die Nummernschilder zu registrieren, hat die Verbandsgemeinde (VG) Konz zuletzt vom 3. bis 7. Dezember den Verkehr an der Klautermühle gemessen. Der 24-Stunden-Schnitt lag dabei laut VG bei 112 Kraftfahrzeugen, davon sieben Zweiräder, 84 PKW, zehn Lieferwagen und zehn LKW. Insgesamt wurden bei der Messung vom 3. bis 7. Dezember im Tempo-30-Bereich 374 Fahrzeuge registriert, von denen 39,57 Prozent zu schnell fuhren. Erfahrungsgemäß seien Tempohemmschwellen in dieser Straßenform nicht zielführend, heißt es seitens der VG. Durch ständiges Bremsen und Beschleunigen verursachten sie nur mehr Lärm. Die Schwellen lenkten die Fahrer vom Verkehrsgeschehen ab, verursachten Probleme beim Winterdienst und erschwerten die Anfahrt von Feuerwehr und Rettungsdienst. Außerdem zeige der Vergleich mit einer Messung aus 2011, dass der Verkehr auf Klautermühle um fast zwei Drittel abgenommen habe. Als Sofortmaßnahme sei geplant, die Strecke für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen zu sperren. f.k.