Debatte im Ortsbeitrat um Bahnübergang in Trier-Ehrang/Quint

Kostenpflichtiger Inhalt: Kommunalpolitik : Debatte im Ortsbeirat Trier-Ehrang/Quint: 160 Zugdurchfahrten am Tag mit Gong

Die Zukunft eines kleinen Bahnübergangs für Fußgänger und Radfahrer spaltet in Ehrang-Quint die Gemüter und droht zum Politikum zu werden.

Im kleinen Saal des Bürger- und Vereinshauses werden Raum und Stühle immer knapper. Angekündigt ist eine Sitzung des Ortsbeirats Ehrang-Quint mit scheinbar „harmlosen“ Themen: Einwohnerfragestunde, Einmündung B 53 bei Firma Comes, Bahnübergang Kapellenstraße. Nach dem Warum dieses ungewöhnlichen Publikumsansturms befragte Mitglieder des Beirats  können sich keinen Reim darauf machen.

Das wird erst klar, als  Ortsvorsteher Berti Adams den Punkt „Bahnübergang Kapellenstraße“ aufruft und zunächst nach Gesprächen mit der Bahn den Sachstand erklärt: Die Strecke soll weitgehend digitalisiert werden, gesteuert von einem abgeschirmten Rechenzentrum in Wittlich-Wengerohr. Der alte Übergang Kapellenstraße wurde 1958 für die damals noch existierenden Quinter Winzer eingerichtet und wird in das neue System nicht mehr passen. Die Schranke ist derzeit ständig geschlossen, wer über die Gleise will, muss über eine Standrufleitung um Öffnung bitten. Nach Auskunft der Bahn ist für den digital gesteuerten Betrieb eine komplett neue Anlage erforderlich. Bei der stehen die Schranken grundsätzlich offen. Wenn sich ein Zug nähert, löst er in ausreichender Entfernung einen Impuls aus, der die Schranken schließt. Am Übergang signalisiert eine Ampelanlage den Beginn des Schließvorgangs. Gleichzeitig ertönt ein elektrischer Gong. Der Warnton sei nötig, so die Bahn, weil Personen, die gerade die Gleise überqueren, die Lichtsignale nicht sehen könnten.  Eine andere Technik gebe es derzeit nicht. Allerdings sei das elektronische Tonsignal erheblich leiser als das früher bei Übergängen verwendete Schlagwerk. Außerdem lasse es sich je nach Tageszeit herunterregeln.

Die Bahn, so Adams, biete zwei Varianten an: Entweder der neue Übergang, für den das Unternehmen 900 000 Euro investieren wolle, oder den Verzicht auf die Anlage, wobei die vorhandene Lücke in der Schallschutzwand geschlossen würde. Die Zugfrequenz liege derzeit bei 160 Durchfahrten täglich, das bedeute 160 Schließvorgänge mit Gong. Genutzt werde der Übergang laut Erhebung der Bahn aber nur von etwa neun Menschen in der Woche.

Für welche Variante sollte sich der Beirat entscheiden? Der Stadt sei dies übrigens egal. An dem Punkt kommt unter den zahlreichen Zuhörern Unruhe  auf. Es hat sozusagen gegongt. Adams erteilt ihnen Redeerlaubnis im Rahmen einer Einwohnerfragestunde. Die unmittelbaren Anlieger aus der Kapellenstraße halten täglich 160 mal Gongsignale von einem meist verwaisten Übergang für eine „unzumutbare Belästigung“. Dagegen bildet sich eine Opposition, die den Übergang unbedingt behalten will – wegen der Naherholung, und was mit den Gartenbesitzern auf der anderen Seite geschehe? Könne es sein, dass allein die Meinung von vier Anliegern ausschlaggebend sei? „Was ist da fair gegenüber den geplagten Anwohnern?“, fragt CDU-Ratsmitglied Matthias Haas.  Hans-Werner Knopp (SPD) schlägt vor, mit einer elektronischen Lautstärkensimulation die Wirkung der Gongtöne zu testen. Anja Utscheid (SPD) rät zu einer Anwohnerversammlung, um „ein Stimmungsbild zu erhalten“. Ronny Schmidt (CDU) fragt: „Wer ist  dort Anlieger? Sind das nicht auch die Nutzer? Warum soll man ihnen  auf dieser langen Strecke nicht den einzigen Durchgang lassen?“ Inzwischen schält sich heraus, dass an diesem Tag keine überstürzte Entscheidung gefällt werden sollte.

So sieht es auch das Publikum.  Ratsmitglied Haas beantragt, eine Info-Veranstaltung mit einem Bahnvertreter anzusetzen. Dazu Ortsvorsteher Adams: „Wir können hier noch drei Stunden so weiter manchen, die unterschiedliche Meinungsbildung wird die gleiche bleiben.“ Schließlich einigt man sich darauf, zur nächsten Sitzung einen kompetenten Vertreter der Bahn einzuladen, der vielleicht auch die Intensität der Gongtöne vorführen kann. Adams: „Aber danach will ich  eine Entscheidung haben.“

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