Kultur: Demokratie leben in Saarburg

Kultur : Demokratie leben in Saarburg

Veranstaltungen zum Jahresende in der Kulturgießerei: Ein Vortrag zum Leben eines SS-Mannes aus Saarburg, ein Gespräch mit dem luxemburgischen Rabbiner Alexander Grodensky und die Ausstellung zu jüdischem Leben in Deutschland heute.

Im Rahmen der Initiative „Augen auf“ gegen Antisemitismus laufen im November zwei Vorträge und die Ausstellung „Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute“ in der Saarburger Kulturgießerei.

Vortrag 1 von Günter Heidt, Historiker: „Wenn es zu Ende geht, besorge ich mir zwei Kugeln“. Leben und Sterben des SS-Mannes Nikolaus Kronenburger, Donnerstag,  28. November, 19 Uhr,  KulturGießerei. Der Eintritt ist frei.

Rabbiner Alexander Grodensky kommt am 12. Dezember in die Saarburger KulturGießerei zum Gespräch über das jüdische Leben in Deutschland. Foto: Tobias Barniske

Nikolaus Kronenburger (1891 Beurig bis  1946 Hamburg), Bauarbeiter aus dörflich unterprivilegierten Verhältnissen, hatte den Ersten Weltkrieg an der Westfront erlebt, gründete eine Familie, mit der er in Irsch lebte. Nach 1930 ließ er sich vom Nationalsozialismus überzeugen, trat 1933 in die NSDAP und SS ein, wurde 1938 im KZ Dachau für den mörderischen Dienst in KZs „ausgebildet“ und von 1941 bis 1945 als Wachmann und Arbeitskommandoführer in den KZ Ravensbrück, Mauthausen und vor allem Hinzert eingesetzt. Im April 1946 wurde er im Internierungslager und ehemaligen KZ Hamburg-Neuengamme tot aufgefunden. Auf einem Soldatenfriedhof in der Nähe findet sich sein Grab.

Vortrag 2: Im Gespräch mit Rabbiner Alexander Grodensky: Donnerstag, 12. Dezember, 19.30 Uhr,   KulturGießerei. Der Eintritt ist frei.
Mit Alexander Grodensky soll gesprochen werden über die Vielfalt des jüdischen Lebens in Deutschland und Luxemburg, über Gedenk- und Zukunftsarbeit sowie über Antisemitismus und seine gesellschaftlichen Folgen.

Rabbiner Alexander Grodensky (Diplom-Staatswirt, *1983) ist der liberale Rabbiner für Luxemburg mit Sitz in Esch-sur-Alzette. 2015 absolvierte er sein Studium der jüdischen Theologie an der Universität Potsdam mit M.A. und wurde durch das Abraham Geiger Kolleg zum Rabbiner ordiniert. Neben Theologie besitzt er auch Studienabschlüsse in Öffentlicher Verwaltung sowie Politik- und Wirtschaftswissenschaften. Grodensky ist Mitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz des Zentralrats der Juden in Deutschland K.d.ö.R. Zurzeit betreut er auch die Jüdische liberale Gemeinde Region Kassel. 2015-2018 begleitete Grodensky das Programm Dialogperspektiven: Religionen und Weltanschauungen im Gespräch als Clergy in Residence.

Ausstellung: „Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute“: Die Ausstellung beleuchtet anhand von Biografien die Vielfalt des jüdischen Lebens und des Judentums in Deutschland im 21. Jahrhundert.Die 14 Porträts sind in den Kontext des fast 2000-jährigen Zusammenlebens von Nichtjuden und Juden in Europa eingebettet. Fünf weitere Tafeln mit der Darstellung der allgemeinen Geschichte der Juden und des Judentums in Deutschland vermitteln unter anderem, dass sich die deutsch-jüdische Geschichte nicht auf den Holocaust beschränkt. Jüdische Einwohner haben die deutsche Gesellschaft bereits seit der Antike mitgeprägt und prägen sie noch heute.

Die Erstellung der Ausstellung wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert. Fachliche Beratung fand durch das Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland statt.

KulturGießerei, noch bis 30. November. Der Eintritt ist frei.

Mehr Informationen zur Initiative „Augen auf!“ gegen Antisemitismus unter: www.initiative-augenauf.de sowie www.saarburg-vielfalt.de

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