Den Blick für die Jugendarbeit schärfen

Den Blick für die Jugendarbeit schärfen

"Mit 60 Euro sind Sie dabei" - jeden Monat zahlt die Jugendgruppe in Wawern diesen Betrag auf das Gemeindekonto. In der Verbandsgemeinde Konz sind solche Zahlungen sonst unüblich.

Wawern. (jbo) in der jüngsten Wawerner Ortsgemeinderatssitzung kam zur Sprache, dass für die Nutzung des Jugendraumes im Keller des Bürgerhauses von der Jugendgruppe "CJG" monatlich 60 Euro an die Gemeinde überwiesen werden. Im Jahr sind das 720 Euro, die die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von der "CJG" nicht aus eigener Tasche berappen wollen.Ortsbürgermeister Hans Greis begründet den monatlichen Obolus damit, dass die Betriebskosten für den Raum extrem hoch sind. "Der Jugendraum war vor seinem Umbau ein Weinkeller mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit. Damit die Wände nicht anfangen zu schimmeln, muss Tag und Nacht die Lüftung eingeschaltet bleiben", erklärt er.Verbands- und Ortsgemeinde brachten eine ordentliche Stange Geld auf und die Jugendlichen leisteten tausende von Arbeitsstunden, um den Jugendraum herzurichten (der TV berichtete). Dass der Raum trotz des großen Aufwands beim Umbau klimatisch problematisch blieb, ahnte keiner der Beteiligten. "Die Jugendlichen und die Geldgeber sind damals schlecht beraten worden", erinnert sich das Wawerner Ratsmitglied Hedwig Britten-Kuborn.Der Jugendraum ist heute ein richtiges Schmuckstück: In den Gewölbekeller ist eine Theke eingebaut, die Decken sind weiß und die Wände rot gestrichen. Beim Gang die Kellertreppe hinunter fällt die liebevolle Gestaltung auf. Die Jugendgruppe "CJG" um Carsten Willkomm ist stolz auf das Erreichte. "Uns ist klar, dass wir nur dank der Unterstützung der Orts- und Verbandsgemeinde einen Traum verwirklichen konnten. Um diesen Raum beneiden uns viele", sagt er für den ganzen "CJG"-Vorstand. "Wir sind auch bereit, etwas zu zahlen, um die Betriebskosten für die Ortsgemeinde nicht ausufern zu lassen", ergänzt Carstens Bruder Michael. Was die jungen Erwachsenen irritiert, sind Gerüchte über eine mögliche Anhebung der monatlichen Kostenbeteiligung. "Das Atmosphärische stimmt manchmal nicht", berichtet Dagmar Könen. "Von uns wird immer erwartet, dass wir im Dorf mit anpacken, selbst erhalten wir aber kaum Unterstützung", macht Carsten Willkomm deutlich, wo das eigentliche Problem liegt.Die sieben Mitglieder des Vorstands sind berufstätig und haben zum Teil schon selbst kleine Kinder, da wird manchmal die Zeit knapp. Trotzdem ist der Keller jeden Donnerstag geöffnet. "Zu Halloween ziehen wir mit den Kindern und Jugendlichen durch das Dorf. Dann organisieren wir noch ein Grillfest und veranstalten jedes Jahr im November eine große Party, um die monatlichen 60 Euro und Geld für die notwendigen Versicherungen hereinzubekommen", zählt Carsten Willkomm weitere Aktivitäten auf. Trotz der zeitlichen und finanziellen Belastung wird sich die "CJG" aber weiter im Dorf für die Kinder und Jugendlichen engagieren, stellt der Vorstand der Jugendgruppe klar. "Aber vielleicht hilft die Diskussion um die 60 Euro pro Monat ja, den Blick für die Situation der Jugend in Wawern zu schärfen", hoffen sie.