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Den Glücksmomenten im Hunsrück auf der Spur

Literatur : Den Glücksmomenten im Hunsrück auf der Spur

Wälder, Burgen, urige Cafés und wilde Natur: Der Hunsrück hat für die Züscherin Andrea Fischer viele Orte zu bieten, die positive Gefühle auslösen. 80 davon beschreibt sie in einem Buch und wechselt dabei auch mal den Blickwinkel.

Mosel, Eifel, das Saarland – für alle diese Regionen haben sich Autoren des Droste Verlags aus Düsseldorf bereits auf die Suche nach „Glücksorten“ gemacht. „Ich dachte, über meine wunderschöne Heimat gäbe es auch so ein Buch“, sagt Andrea Fischer. Doch ihre Nachfrage beim Verlag ergab: Der Hunsrück war bislang in dieser Rubrik ein weißer Fleck.

„Das kann nicht sein. Es gibt hier so viele tolle Orte“, sagte sich die Redakteurin des Trierer Wochenspiegels, die in Züsch bei Hermeskeil lebt. Und sie bot dem Verlag an, selbst auf Entdeckungstour zu gehen und für ein neues Buch 80 Hunsrücker „Glücksorte“ aufzuspüren.

Drei Wochen lang sei sie dafür im vergangenen Sommer unterwegs gewesen, berichtet die Autorin. In einem „sehr großen Gebiet“, das von den Westausläufern des Hunsrücks bei Saarburg bis nach Bad Kreuznach reicht. An mehreren Wochenenden habe sie am „Feinschliff“ für ihre Kurzreportagen gearbeitet.

Wie sie die Orte für ihr Buch ausgewählt hat? „Jeder Mensch definiert Glück etwas anders“, sagt Fischer. „Was mir gefällt, muss nicht unbedingt auch anderen zusagen.“ Deshalb habe sie immer wieder versucht, den Blickwinkel zu wechseln. Fest stand für die Züscherin, dass bekannte Tourismus-Attraktionen wie der Schinderhannesturm in Simmern, die Felsenkirche in Idar-Oberstein und die Hängeseilbrücke Geierlay bei Kastellaun im Buch nicht fehlen durften. Ergänzt habe sie „Orte, an denen ich mich wohlfühle, die etwas Liebevolles, Anheimelndes haben“.

So finden sich auf den knapp 170 Seiten auch urige Cafés, Weinwirtschaften und Dorfläden wie der im Hochwaldort Mandern, der zum Treffpunkt für alle Generationen im Dorf geworden ist. Auch schöne Stellen, die die Natur geschaffen hat, zählt die Autorin zu ihren persönlichen Glücksorten. Etwa den Wasserfall in Saarburg, den Stausee bei Kell, den Erbeskopf oder das Dhrontal. Hinzu kommen Orte, an denen Geschichte spürbar wird wie etwa am keltischen Ringwall in Otzenhausen, in Burgen, Kirchen, Kapellen und Museen.

Gereizt habe sie zudem, erzählt Fischer, dass sie auch tatsächliche Perspektivwechsel gewagt habe. In Kell am See stieg sie im Segelflugzeug in die Lüfte – trotz leichter Höhenangst: „Sich zu überwinden und etwas zu schaffen, das man sich vorher nicht getraut hat, macht ja auch glücklich.“ Auf der Mosel war sie mit dem Schiff unterwegs, mit dem Fahrrad auf dem Ruwer-Hochwald-Radweg zwischen Hermeskeil und Ruwertal. Den Nationalpark Hunsrück-Hochwald durchquerte sie mit einem Ranger. In Seibersbach (Kreis Bad Kreuznach) wanderte sie mit Lamas und Alpakas, begegnete Trollen und Elfen im Zauberwald im Hambachtal.

Während ihrer Touren gab es auch spontane Glücksgefühle. Etwa am Rastplatz Hochleiblick bei Boppard, der einen „fantastischen Ausblick“ über das Mittelrheintal bietet und den sie zufällig unterwegs entdeckte. Noch lange erinnern werde sie sich, sagt sie, an die „vielen netten Begegnungen“ und an skurrile Geschichten, die sie ohne die Buchrecherche womöglich nie erfahren hätte.

Ein Beispiel: die Sandsteinbank in einem Eiscafé in Kirchberg, auf der 1804 Napoleon bei einem Besuch im Hunsrück gesessen haben soll. Die Gastgeber spielten ihm angeblich ein Musikstück vor, das ihm missfiel. Deshalb soll er schnell wieder abgereist sein. So verschieden die 80 gesammelten Glücksorte sind, für Andrea Fischer gibt es doch ein verbindendes Merkmal des Hunsrücks, das heraussticht: „die wunderschöne wilde Natur“. Ähnlich seien auch die Menschen gestrickt. „Aber wenn man sich mit ihnen unterhält, knackt man schnell die raue Schale.“

Sehr oft begegnet sei ihr die Heimattrilogie des Hunsrücker Filmemachers Edgar Reitz, die sie zuvor nicht im Detail gekannt habe. Inzwischen habe sie jedoch alle 18 DVDs angeschaut. Heimatverbunden sei sie auch selbst, sagt Fischer.

 Diesen herrlichen Ausblick auf die Primstalsperre bietet eine Sinnesbank auf dem Mannfels oberhalb von Otzenhausen. Für Glücksorte-Autorin Andrea Fischer ein Platz, um tief durchzuatmen, Natur und Stille zu genießen.
Diesen herrlichen Ausblick auf die Primstalsperre bietet eine Sinnesbank auf dem Mannfels oberhalb von Otzenhausen. Für Glücksorte-Autorin Andrea Fischer ein Platz, um tief durchzuatmen, Natur und Stille zu genießen. Foto: Andrea Fischer
 Die Burgruine Baldenau bei Morbach erinnert "Glücksorte"-Autorin Andrea Fischer an den Urlaub in Schottland. Das Bauwerk ist die einzige Wasserburg im Hunsrück und war ein Drehort der berühmten Heimat-Triologie von Edgar Reitz.
Die Burgruine Baldenau bei Morbach erinnert "Glücksorte"-Autorin Andrea Fischer an den Urlaub in Schottland. Das Bauwerk ist die einzige Wasserburg im Hunsrück und war ein Drehort der berühmten Heimat-Triologie von Edgar Reitz. Foto: Andrea Fischer
  Für Glücksgefühle bei ihren Besuchern sorgen die flauschigen Lamas und Alpakas des Töpfercafés AllerHand in Nohen. In der Nähe lockt der Premiumwanderweg Nohener Naheschleife.
Für Glücksgefühle bei ihren Besuchern sorgen die flauschigen Lamas und Alpakas des Töpfercafés AllerHand in Nohen. In der Nähe lockt der Premiumwanderweg Nohener Naheschleife. Foto: Andrea Fischer
 Im Zauberwald im Hambachtal begegnen die Gäste Elfen, Zwergen und Trollen und erfahren jede Menge über die Geheimnisse des Waldes.
Im Zauberwald im Hambachtal begegnen die Gäste Elfen, Zwergen und Trollen und erfahren jede Menge über die Geheimnisse des Waldes. Foto: Andrea Fischer

Mit ihrem Mann und zwei erwachsenen Kindern lebt sie auf einem Bauernhof. 80 Rinder, Schafe und Pferde, Katzen, Hunde und eine Gans gibt es dort. Für die Glücksorte-Autorin steht fest: „Ich fühle mich wohl und will hier nie mehr weg.“