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Den Zapfhahn für immer abgedreht

Den Zapfhahn für immer abgedreht

LANGSUR-METZDORF. In der Sauergemeinde Metzdorf endete eine Ära: Die Wirtsleute Scheuer haben ihren Gaststättenbetrieb aus Altersgründen eingestellt. Sie waren damit nach 150 Jahren Wirtstradition die letzten "Scheuers" hinter dem Tresen.

Mit gemischten Gefühlen schaut Erna Scheuer hinauf zum Wirtshaustransparent an der Fassade. Seit Jahresanfang lädt es abends nicht mehr mit seinem Lichtschein zum Verweilen ein. Zum 31. Dezember hatten Gerhard (70) und Erna Scheuer (67) ihre Gaststättenkonzession abgemeldet. "Gestern musste ich ein klein wenig heulen. Da ist ja schon ein Lebensabschnitt zu Ende gegangen", sagt Erna, die soeben ihren 67. Geburtstag gefeiert hat.Bis zuletzt kein Mangel an Gästen

An mangelnder Kundschaft habe es nicht gelegen, betonen die ehemaligen Wirtsleute, sondern an der ungelösten Nachfolgerfrage. Keiner ihrer fünf Söhne wollte die Tradition fortsetzen und das Gasthaus übernehmen, auch "wenn die immer alle parat stehen, wenn Not am Mann ist". Gerhard: "Falls einer der Jungen die Gaststätte fortgeführt hätte, dann wären wir natürlich auch noch einige Zeit dabei geblieben." Viele in Metzdorf - aber nicht nur dort - hätten sich das gewünscht. Insbesondere aber der große Kreis an Stammgästen. Die hatte das Ehepaar zu Ernas Geburtstag und gleichzeitig zum Abschied nach Neujahr zu einem Dämmerschoppen geladen. Es wurde eine "lange Dämmerung" - bis 5 Uhr in der Frühe. Auch die Vertreter der Öffentlichkeit fehlten nicht: Ortsvorsteher Karl Stadler kam ebenso wie Ortsbürgermeister Karl Heinrich Orth, der den Wappenteller der Gemeinde überreichte. Eine besondere Überraschung präsentierte Ratsmitglied und Freizeithistoriker Robert Kohns, der die Geschichte der Gaststätte Scheuer bis an ihre Ursprünge im 19. Jahrhundert zurückverfolgt und dokumentiert hatte. Auch wenn sich das genaue Gründungsdatum des Wirtsbetriebes nicht mehr ermitteln lässt - laut Kohns gehen die Ursprünge auf den aus Ralingen stammenden Peter Scheuer (1810 bis 1860) zurück, der 1835 die Metzdorferin Lucia Claßen heiratete. Dass Peter Scheuer in der Volkszählungsliste von 1871 als Gastwirt und Landwirt aufgeführt wird, ist für den Heimatforscher Kohns der sichere Beweis für die frühe Existenz des Gasthauses Scheuer. Letzter in der langen Reihe der Scheuer-Wirte ist nun Gerhard, der den Betrieb schon sehr früh von seinem schwer erkrankten Vater Bernhard Scheuer übernehmen musste. Zusammen mit seiner aus Metzdorf stammenden Frau Erna, geborene Stadler, verwitwete Lonien, führte er die Gastronomie bis zum 31. Dezember 2005 fort. Doch nun ist Schluss - was bleibt, sind Erinnerungen. "Hier wurde schon manches Fest gefeiert", sagt Erna "und auch die Kirmes- und Fastnachtstage sind in Erinnerung geblieben." Das Gasthaus Scheuer war Schauplatz vieler Ereignisse. Ob Hochzeiten, Kappensitzungen, Theaterabende, sommerliche Campingfeste mit Tanzfläche im Freien, Vereinsfeste, sonntägliche Frühschoppen und Gemeinderatssitzungen - das Haus an der Uferstraße war Dreh- und Angelpunkt des Dorflebens. Und auch die Wanderer und Fahrradtouristen schätzten es im Sommer als Raststätte sehr - und natürlich auch Ernas "Schnittcher" mit hausgemachter Blut- und Leberwurst. "In unserem Saal kann man für 100 Leute eindecken", sagen die Wirtsleute im Ruhestand. Ungewollt weisen sie damit auf ein Problem hin, das Metzdorf fortan haben wird: Im Ort steht nun kein Raum mehr für größere Feste und Versammlungen zur Verfügung. Nur ungenügenden Ersatz bietet der erheblich kleinere Raum in der alten Schule. Das Aus des Gasthauses hinterlässt in der kleinen Sauergemeinde Lücken - das gilt einmal räumlich gesehen, mehr aber noch im Hinblick auf das dörfliche Zusammenleben.