Denkmalpflege fordert weitere für Gutachten für Abriss altes Amtshaus

Kostenpflichtiger Inhalt: Dorfentwicklung : Altes Amtshaus Freudenburg – Behörde will weitere Gutachten

Nach mehr als 50 Jahren Leerstand soll die Ortsgemeinde Freudenburg eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für die Sanierung des baufälligen Gebäudes vorlegen, das sie abreißen will. Nicht nur darüber ärgert sich der Ortsbürgermeister.

Seit Mitte Oktober ringt die Gemeinde Freudenburg mit der Denkmalpflege um einen Abriss des alten Amtshauses im Ortskern. Einstimmig hatte der Rat für einen Antrag auf Abbruch gestimmt. Begründet hat Ortschef Alois Zehren diesen damit, dass das verfallende Gebäude unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr zu sanieren sei und eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstelle. Ein statisches Gutachten hat die Ortsgemeinde nachgereicht. Demnach kostet allein die Sicherung des jetzigen Zustands mindestens 175 000 Euro.

Nun teilt die untere Denkmalpflege mit, dass die angeführten Gründe „nicht ausreichend nachvollziehbar belegt sind“. Sie fordert die Gemeinde auf, eine Kosten- und Wirtschaftlichkeitsberechnung sowie ein Bodengutachten vorzulegen. Den Ortsbürgermeister bringt das auf die Palme. Er sagt: „Grundsätzlich möchte ich festhalten, dass wir auch in Freudenburg anerkennen, dass der Denkmalschutz eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe ist. Das Vertrauen in die Denkmalschutzbehörden ist in Freudenburg aber auf Null gesunken. Jetzt verlangt man noch ein Bodengutachten von der Gemeinde und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Dabei steht die Wirtschaftlichkeitsberechnung dem Gebäude auf die Stirn geschrieben.“

Seit mehr als 50 Jahren wird das Gebäude nicht mehr genutzt und verfällt. Acht Investoren haben es in den vergangenen fast 40 Jahren nicht geschafft, es wiederzubeleben. Laut Zehren sind sie an den Vorgaben der Denkmalpflege gescheitert. Um den Stillstand zu durchbrechen, hat die Ortsgemeinde das geschichtsträchtige Haus Anfang 1919 gekauft. Derzeit ist das Gebäude samt Umfeld und benachbarter Trauerhalle abgesperrt, denn die Bauaufsicht des Kreises hat im Oktober festgestellt, dass von dem Bau eine konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehe. Würden Bauteile versagen, käme es zum Einsturz.

Der Ortsbürgermeister weist zudem darauf hin, dass es bereits 1972 eine Wirtschaftlichkeitsberechnung gab, in der erstmals festgestellt wurde, dass das negative Verhältnis zwischen Mietertrag nach einer Sanierung einerseits und Schuldendienst sowie Erhaltungsaufwand andererseits „für die Gemeinde Freudenburg nicht mehr tragbar ist.“ Die Berechnung stammt wie das aktuelle statische Gutachten vom Saarburger Ingenieurbüro Krämer. Das Thema beschäftigt mittlerweile die zweite Generation, denn der Vater des jetzigen Büroinhabers hat es verfasst.

Eine Delegation unter Leitung von Christian Schüler-Beigang von der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz hat sich das Freudenburger Amtshaus Ende Oktober angesehen. In der anschließenden Stellungnahme dieser Fachbehörde heißt es, die grundsätzliche Erhaltungsfähigkeit des Gebäudes sei nicht anzuzweifeln. Sie stellt für die Sicherung und spätere Sanierung eine Förderung in Aussicht – unter dem Vorbehalt, dass ihr die dafür notwendigen Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt würden. Kubatur und Dachstuhl seien unverzichtbare denkmalrelevante Aspekte, die bei der Suche nach einer Lösung nicht aufgegeben werden könnten, teilt die GDKE weiter mit.

Der Ortsbürgermeister nennt diese Aussage „ungeheuerlich“. Zehren: „Wäre die Denkmalpflege vor Beginn der Angelegenheit vor fast fünf Jahrzehnten damit einverstanden gewesen, lediglich die Außenwände und das Dach zu erhalten, wäre es zu dieser Situation, wie wir sie jetzt haben, nicht gekommen.“ Noch 2013, als sich der Verfall schon ganz deutlich abgezeichnet habe, habe die Behörde von einem Investor verlangt, die Decken, Türrahmen und Fliesen zu erhalten oder sogar zu reproduzieren. Dieser sei dann natürlich auch abgesprungen.

Zehren will dennoch den Forderungen der Denkmalpflege nachkommen. Das Bodengutachten hat die Verbandsgemeinde Saarburg-Land laut Ortschef bereits beschränkt ausgeschrieben. Ergebnis: Es wird mindestens 4500 Euro kosten. Das Wirtschaftlichkeitsgutachten wird noch beauftragt. Zehren rechnet mit einer Summe von mindestens 10 000 Euro für alle drei von der Gemeinde beauftragten Gutachten.

Doch grundsätzlich hält er am eingeschlagenen Weg fest und meint: „Im Gemeinderat sind wir uns einig: Es gibt jetzt nur noch die Lösung, das Gebäude abzureißen.“ Eine Sicherungsmaßnahme für mindestens 200 000 Euro, um den jetzigen Zustand zu zementieren, sei den steuerzahlenden Bürgern nicht mehr zu erklären. Vor allem denen nicht, die den Verfall des Gebäudes über Jahrzehnte hätten mitverfolgen müssen.

Zustand altes Amtshaus Saarburg. Foto: Alois Zehren/Ortsgemeinde Freudenburg/Alois Zehren

Die untere Denkmalpflegebehörde will von der Gemeinde auch wissen, welche städtebaulichen Ziele denn mit dem Abriss verfolgt würden. Sie verlangt nachvollziehbare Darlegungen unter Berücksichtigung der Planung für das Sanierungsgebiet Ortskern. Zehren versicherte dazu, dass die Gemeinde „selbstverständlich die Denkmalpflegebehörde bei der Planung und Umsetzung der Nachfolgenutzung miteinbeziehe“.