Der 900 000-Euro-Schock

Auf rund 650 000 Euro sollte sich die Sanierung der Pfarrkirche Irsch laut einem Gutachten von vor zwei Jahren belaufen. Doch die Schäden am Gebäude sind größer als erwartet. Inzwischen steht fest: Die Pfarrei muss mit Kosten von rund 900 000 Euro rechnen.

Irsch. Es gibt kaum eine Veranstaltung im Dorf, von deren Reinerlös nicht etwas für die geplante Kirchenrenovierung übrig ist. Auch Privatfeiern werfen mitunter etwas für die Instandsetzung von "St. Gervasius und Protasius" ab. Pfarrer Peter Leick berichtet: "Viele Leute wollen beispielsweise bei Jubiläen keine Geschenke und bitten ihre Gäste, etwas für die Kirche zu geben." Und: "Die Spendenbereitschaft erstreckt sich über alle Altersgruppen."

Auslöser der Spendenwelle war eine Info-Veranstaltung zur geplanten Kirchensanierung, zu der die Pfarrei Ende 2006 eingeladen hatte (der TV berichtete). Vier Jahre zuvor waren bei Reparaturen unter anderem am Dachgebälk des Kirchenschiffs massive Schäden entdeckt worden. Ein vom Bistum Trier daraufhin in Auftrag gegebenes Gutachten ging von Sanierungskosten in Höhe von rund 650 000 Euro aus - Geld, das die Pfarrei nicht hatte. Mindestens 200 000 Euro Eigenkapital forderte das Bistum, "um die Höhe der für die Sanierung benötigten Kredite im Rahmen zu halten", wie es hieß. Im Frühjahr 2008 schockierte ein weiteres Gutachten die Gemeinde. Danach liegen die Kosten für die Instandsetzung nun bei rund 900 000 Euro. "Bei der erneuten Untersuchung des Dachs kam heraus, dass sämtliche Holzbalken morsch sind", berichtet Leick. Ursprünglich sollten nur die maroden Balken ersetzt werden, nun habe man sich gefragt: "Sanieren wir das Dach nur oder erneuern wir es komplett?" Am Ende entschieden sich Pfarrei und Bistum für die Erneuerung. Peter Leick erläutert: "Wenn wir bei einer Sanierung weitere Schäden entdeckt hätten, wären die Sanierungskosten nicht mehr absehbar gewesen." Außerdem koste der Dach-Neubau nur wenig mehr als eine Sanierung. Geplant ist darüber hinaus, die vorhandene Holzdecke im Innenraum ersatzlos zu entfernen. "Die Kirche soll wieder so aussehen wie früher", sagt Leick und verweist auf alte Fotos vom Anfang vorigen Jahrhunderts.

Trotz des 900 000-Euro-Schocks vom Frühjahr stehen die Chancen für einen Sanierungsbeginn im Mai gut. Laut Leick ist die Finanzierung gesichert. So habe das Bistum einen Zuschuss von 80 statt der üblichen 60 Prozent der Baukosten zugesagt. Außerdem ist das Spendenkonto nach Auskunft des Pfarrers inzwischen auf rund 120 000 Euro gewachsen - Tendenz steigend. "Wir warten derzeit auf grünes Licht für den Baubeginn vom Bistum. Ich denke, dass wir Mitte Dezember mehr wissen."