Der Dorfladen ist wieder da

Es ist ein Meilenstein für die Dorfentwicklung in Bescheid. Die Gemeinde hat für rund 500 000 Euro ein baufälliges Haus im Ortskern saniert. Ein Lebensmittelgeschäft und ein Mehrgenerationentreff haben dort ihren Platz gefunden. Am Mittwochabend wurde nach zehn Monaten Bauzeit die offizielle Einweihung gefeiert.

Bescheid. "Ich freue mich sehr, dass man in unserem Dorf endlich wieder etwas einkaufen kann", sagt die 58-jährige Maria Michels. Und Dominik Ertz (29) meint: "Die Gemeinde hat zwar viel Geld ausgegeben. Aber ich finde, es wurde sinnvoll eingesetzt. Denn es ist für alle Bescheider, vor allem aber für die älteren Leute, die nicht mehr so mobil sind, ein großer Gewinn."
Die Aussagen der beiden Bürger beziehen sich auf ein großes Vorhaben, das im kleinen, nur etwa 400 Einwohner zählenden Hochwaldort verwirklicht wurde: der 500 000 Euro teure und vom Land bezuschusste Umbau eines völlig maroden Hauses in der Dhrontalstraße 4, das seit den 1970er Jahren leerstand.
Grundversorgung verbessern


"Wir verfolgen in unserer Gemeinde seit langem zwei gleichrangige Ziele. Zum einen setzen wir alles daran, den Ortskern wiederzubeleben. Zum anderen wollen wir die Infrastruktur und die Grundversorgung für die Bescheider Bürger verbessern. Beides haben wir mit diesem Projekt erreicht", sagt Ortsbürgermeister Raimund Olinger.
Bis 2001 gab es im Dorf ein Lebensmittelgeschäft. Dann wurde es von der Besitzerin aus Altersgründen geschlossen. Seitdem mussten die Bescheider alle Einkäufe auswärts erledigen. Andererseits war da noch das leerstehende und im Privatbesitz befindliche Haus in der Dhrontalstraße, das mehr und mehr verfiel. "Wir haben als Gemeinde eins und eins zusammengezählt. Wir sind dieses für uns doch kühne Projekt aber erst dann angegangen und haben das Haus gekauft, als wir einen Pächter für den Dorfladen gefunden hatten", blickt der Beigeordnete Matthias Thömmes zurück.
Gemeint ist damit Ludwig Welter. Der Ortsbürgermeister von Lorscheid betreibt schon seit sieben Jahren im nahen Beuren einen Frische-Markt. Nun hat er in Bescheid ein zweites Geschäft eröffnet, das seine Tochter Kerstin führen wird. Im Erdgeschoss des umgebauten Gebäudes sind rund 150 Quadratmeter Verkaufsfläche entstanden. "Ich bin davon überzeugt, dass die Bescheider zu ihrem Laden im Ort stehen, ihn annehmen und hochhalten, so wie sie das früher auch gemacht haben", sagt Welter. Ausdrücklich hofft er auch auf Kundschaft aus den umliegenden Dörfern Lorscheid Naurath, Büdlich und Breit, wo es ebenfalls keine Lebensmittelgeschäfte mehr gibt.
Laden und sozialer Treffpunkt


Das Haus ist aber nicht nur als Einkaufsstätte, sondern auch als sozialer Treffpunkt für alle Altersgruppen im Ort gedacht. Daher der offizielle Name Mehrgenerationenservice. Im Obergeschoss wurde zu diesem Zweck ein größerer Versammlungsraum eingerichtet. Dazu kommen noch Toilettenanlagen. "Wir stehen ja erst am Anfang und sind noch nicht auf spezielle Angebote festgelegt, sondern wollen sie Schritt für Schritt entwickeln", sagt Olinger. Regelmäßige Termine zum Kaffee oder Computerschulungen sind denkbar. Wünschenswert wäre vor allem, so Olinger, wenn einmal pro Woche ein Arzt eine Sprechstunde im Haus anbieten könnte.
"Was hier umgesetzt wurde, hat Modellcharakter für die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum", so das Lob des Hermeskeiler Bürgermeisters Michael Hülpes (CDU) bei der Eröffnung. Landrat Günther Schartz (CDU) betonte: "Die Bescheider bekommen durch dieses Projekt ein Stück Lebensqualität zurück."
Für die Sanierung des Hauses, die im Frühjahr 2011 begann, musste der rückwärtige Teil abgerissen werden. Die denkmalgeschützte Front blieb aber erhalten. Zu den Gesamtkosten von rund 500 000 Euro erhielt die Gemeinde einen Zuschuss von knapp 260 000 Euro. Der Kreis steuert über seine Stiftung "Zukunft" für die Anschaffung von Möbeln im Multifunktionsraum rund 6000 Euro bei.
Meinung

Beispielhaftes Bescheid
Es lebe das Dorf! Viel zu oft ist gerade in kleinen Orten der Abbau der Infrastruktur zu beklagen. Geschäfte schließen oder es werden Dienstleistungen eingestellt - man denke zum Beispiel an das Aus für den Sparkassenbus vor knapp zwei Jahren. Das macht das Leben in kleinen Gemeinden nicht attraktiver. Umso erfreulicher ist es, wenn wie in Bescheid ein Gegenpol zu diesem Trend gesetzt wird und nach über zehn Jahren Pause ein "Tante-Emma-Laden" ins Dorf zurückkehrt. Richtig: Die Gemeinde hat sich das viel Geld kosten lassen. Aber: Erstens hat sie mit der Sanierung des maroden Hauses elegant einen üblen Schandfleck beseitigt und die Ortsmitte auch optisch wieder aufpoliert. Und zweitens muss Folgendes festgehalten werden: Bescheid ist eine bislang schuldenfreie Gemeinde, die sich solche Investitionen in die Innenentwicklung des Dorfes auch leisten kann. a.munsteiner@volksfreund.de