Der Dorfschreiber von Wellen

Egal ob alte Bilder, Dokumente oder Flurkarten: Horst Fantes sammelt mit Hingabe alle Informationen über seinen Heimatort Wellen. Zurzeit kümmert er sich besonders um Flurnamen.

Wellen. Horst Fantes sitzt konzentriert vor seinem Computer, neben ihm liegt eine leicht vergilbte, alte Dorfchronik. Er muss die Sütterlinschrift eines Lehrers namens Morbach entziffern. Dieser hatte von 1898 bis 1933 Buch über die Geschichte der Gemeinde geführt, die Horst Fantes nun digitalisiert archivieren will: "Ich bin gerade auf Seite 36 von 200 handgeschriebenen Seiten." Das Werk gehört zu seinen Lieblingsstücken unter vielen Funden.

Wie viel Glück manchmal beim Auffinden alter Dokumente nötig ist, zeigt die Anekdote zum Protokollbuch der Gemeinde Wellen: "Ich kam zufällig bei der Wohnungsräumung meiner Tante vorbei und habe das Buch aus dem Container gezogen."

Wie aber kam der 45-jährige gelernte Winzer, der als Verwaltungsangestellter auf der Landwirtschaftskammer arbeitet, zu dieser außergewöhnlichen Freizeitbeschäftigung? "Ich stamme aus einem der ältesten Häuser des Dorfes, wo einst der Grundherr von Wellen gelebt hat", erzählt er. "Wenn man sich für seine Heimat interessiert, will man immer mehr darüber wissen." Der verheiratete Familienvater steckt viel Zeit in sein Hobby, so dass seine Töchter ihn öfter entbehren müssen: "Im Winter habe ich wohl jeden Tag daran gesessen. Kurz vor der Kirmes wird die Sache meistens hektisch", sagt Horst Fantes lächelnd.

Schätze aus Schubladen und vom Speicher



Auch wenn er das ganze Jahr hindurch recherchiert, gibt er zu: "Bei tollem Sonnenschein setze ich mich nicht so gerne vor den PC." Viel lieber arbeitet er dann im Garten. Eine gewisse Sammelleidenschaft darf ihm wohl attestiert werden. Neben Uhren sammelt er alte Brockhausbände - was auch damit zusammenhängt, dass er sich zur Entzifferung über alte Schriftarten und Schreibweisen informieren musste.

Nachdem er 2008 anlässlich der Kirmes in seiner ersten Ausstellung das alte Dorf Wellen präsentierte, befragte er in diesem Jahr die Wellener unter dem Motto "Wer kennt wen?" zu Fotos von alten Schulklassen. "Das war ein Riesenspaß für die Leute, die haben tatkräftig mitgemacht."

Fantes hatte alle 970 Kinder auf den Schulklassenfotos seiner Präsentation nummeriert, und so entstand eine Art "Ratespiel". Er habe zunächst unterschätzt, wie viel Andrang seine Aktion findet, und ist begeistert: "Meine Tochter hat alle Generationen bis zur Urgroßmutter auf den Fotos gesehen." Wie viele andere hat sie sich für die Vergangenheit interessiert. "Genau das wollte ich erreichen." Derzeit recherchiert er zu Flurnamen. "Ich glaube, dass die Leute sich dafür interessieren, wer wo wohnt und warum", sagt Fantes. Der Straßenname "In der Acht" etwa geht darauf zurück, dass die Bauern ihren achten Teil an den Grundherren abgeben mussten. Insgesamt geben 80 verschiedene Flurnamen noch Rätsel auf.

Für die Zukunft sieht Fantes weiteren Recherchebedarf mit Blick auf die Dorfgeschichte: "Man könnte auch die Kriege einbeziehen oder die Mosel. Ich habe noch ein paar Jahre zu tun, mache das aber auch sehr gerne", bekräftigt der Dorfschreiber. "Ich will die Leute immer noch auffordern, Schubladen und Speicher zu räumen und über alte Dokumente zu berichten."

Fantes hat einen Kalender mit 13 Bildern zusammengestellt. Viele davon sind Lieblingsbilder, wie das älteste Ortsbild aus dem Jahr 1899 oder typisch alte Häuserzeilen. Wer sich für einen Kalender interessiert, wendet sich an Horst Fantes unter Telefon 06584/1223. Der Selbstkostenanteil beträgt 15 Euro.