1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Der eingefrorene Abzug des 16. Jägerbataillons

Der eingefrorene Abzug des 16. Jägerbataillons

Stephan Böhnlein zeigt im Atelier der Saarburger Künstlerin Cordue Fotografien, die er in der früheren französischen Kaserne gemacht hat. Die Ausstellung mit dem Titel "Adieu? - Tristesse!" ist noch bis zum 30. April in der ehemaligen Metzgerei Höfner zu sehen.

Saarburg. Die letzten Soldaten des 16. Jägerbataillons der französischen Armee sind vor vier Jahren aus Saarburg abgezogen. Seitdem steht die De-Lattre-Kaserne im Stadtteil Beurig leer. Bund und Stadt verhandeln aktuell über den Verkauf dieser Liegenschaften an die Kommune.
"Es war reiner Zufall, dass ich mich auf Entdeckungsreise in diese ausgestorbene Welt gemacht habe", sagt Stephan Böhnlein. Der Profimusiker des Saarbrücker Symphonieorchesters findet zufällig einen Weg in das ausgestorbene Militärgelände, als er einen Freund in Saarburg besucht. "Mir hat das Areal sofort gefallen. Und ich habe spontan einige Bilder in diesen verlassenen Gebäuden geschossen."
Herausgekommen sind dabei Fotografien, die leere Räume zeigen, die aussehen, als ob sie gerade erst verlassen wurden. So ist etwa die leere Vitrinenwand im ehemaligen Kasino zu sehen; der Marmorboden davor glänzt noch. Oder ein mit grünem Teppichboden ausgelegter Raum, auf dem kaputte Plastikbecher und leere Coladosen zu sehen sind.
Oder sie zeigen Fettreste an weißen Fliesen und dunkle Schächte von den abmontierten Abzugshauben der früheren Garnisonsküche. Es sind diese Details, die belegen, dass die Räume schon lange nicht mehr bewohnt sind. Da wundert es nicht, dass vor dem Kasernengebäude das Gras nicht gemäht ist und sich langsam die Farbe von den Wänden ablöst.
Der Titel der Ausstellung ist eine Hommage an die französische Bestsellerautorin Françoise Sagan und ihren Roman Bonjour Tristesse. Während in dem Buch die 17-jährige Cécile immer wieder traurig wird, wenn sie an Anne - eine Geliebte ihres Vaters, die tödlich bei einem Autounfall verunglückt, nachdem sie den Vater mit einer anderen Frau ertappt hat - denkt, "löst die verlassene Kaserne bei vielen Saarburgern nach dem Abzug der Franzosen aus der Stadt ähnliche Trauergefühle aus", erklärt Cordue den Ausstellungstitel. "Diese Tristesse spiegelt sich auch in der trostlosen Leere der Kasernengebäude wider."
Für Böhnlein sind seine Fotografien vor allem ein Ausgleich zur Musik. "Als Paukist muss ich immer vorausschauen; bin ich immer in Bewegung. Wenn ich fotografiere, gibt es kein Vorher, kein Nachher. Mit dem Auslösen der Kamera friere ich den Moment ein."
Der 48-Jährige freut sich, dass er seine Bilder in Saarburg zeigen kann. "Gerade hier haben die Menschen eine besonders enge Verbindung zur früheren Garnison."
Die Ausstellung ist noch bis zum 30. April im Scintillab, der ehemaligen Fleischerei Höfner, Kunohof 1, zu sehen. Das Atelier ist mittwochs zwischen 19 und 20 Uhr sowie samstags zwischen 15 und 18 Uhr geöffnet.