1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Der Förster hört auf, die Gaststätte bleibt

Der Förster hört auf, die Gaststätte bleibt

Im Hochwald geht eine seit 1904 währende Tradition zu Ende: Die Klink war das letzte Forsthaus in Rheinland-Pfalz, in dem der Revierleiter zugleich zum Betrieb einer Gaststätte verpflichtet war. Nun ist Förster Harald Hörle in Pension gegangen und sein Nachfolger wird nicht in die Klink einziehen. Doch die Wirtschaft bleibt weiter geöffnet. Hörle wird sie zusammen mit Frau Brigitte als normaler Mieter fortführen.

Mandern. Etwas abseits der Hunsrückhöhenstraße steht zwischen Mandern und Waldweiler ein vor 177 Jahren erbautes Haus, "das zu den bekanntesten Ausflugszielen im Hochwald zählt und im ganzen Land ein Begriff ist", wie der Keller Verbandsgemeindebürgermeister Werner Angsten betont.
Gemeint ist damit das Forsthaus Klink, vom dem aus seit 1835 ein großes Staatswaldrevier verwaltet wurde.
1904 kam dann etwas hinzu, was bis in die Gegenwart die große Besonderheit der Klink war. Im Forsthaus wurde eine Wirtschaft eingerichtet. Seitdem gab es die ungebrochene Tradition, dass die Gaststätte unter der Regie des jeweiligen Revierleiters geführt wurde. "Das war sogar eine Verpflichtung, die in der Ausschreibung ausdrücklich drinstand und die der Stelleninhaber auch erfüllen musste", sagt Harald Hörle. Er bewarb sich 1978 erfolgreich als Revierförster der Klink - und wurde damit zugleich Gastronom.
Um genau zu sein, war die gemütliche Gaststube mit ihren 25 Plätzen und dem Biergarten vor dem Haus jedoch seit 1981 das Reich von Hörles Frau Brigitte.
Kneipenbetrieb geht weiter


Und das wird auch so bleiben: "Der Gaststättenbetrieb wird vorerst weitergehen wie bisher", betont Brigitte Hörle.
Wanderer, Einheimische und nicht zuletzt die vielen Jäger, für die das Revier wegen der reichen Rotwildbestände sehr attraktiv ist, werden also nicht vor verschlossenen Türen stehen, wenn sie auf der Klink einkehren wollen.
Einzigartige Konstellation


Nur mit der landesweit einzigartigen Konstellation, dass der aktive Revierförster gleichzeitig an seinem Dienstsitz für den Gaststättenbetrieb zuständig ist, ist es nun vorbei.
Der inzwischen 65-jährige Harald Hörle ist nämlich am Monatsanfang in Pension gegangen. Als sein Nachfolger wird sich in Zukunft Hans Reinert um das Staatswaldrevier Klink kümmern. Gleichzeitig ist er auch für den Manderner Gemeindewald und die Gebiete der dortigen Gehöferschaft zuständig.
Revier wächst auf 1525 Hektar


"Damit wächst das komplette Revier um etwa 600 Hektar auf rund 1525 Hektar an", sagt der zuständige Saarburger Forstamtsleiter Helmut Lieser. Reinert wird aber in Waldweiler wohnen bleiben. "Er hat also mit dem Forsthaus nichts zu tun", betont Lieser. Dort sind Hörle und seine Frau Brigitte nun normale Mieter. Denn Eigentümer der Klink ist nach wie vor das Land Rheinland-Pfalz. Die Hörles hoffen darauf, dass sich am aktuellen Status so schnell nichts ändert "und der Betrieb der Gaststätte zumindest für die nächsten fünf Jahre gesichert sein wird".
Doch Gewissheit gibt es in diesem Punkt nicht. Das Mainzer Forstministerium hält sich auf TV-Anfrage zwar bedeckt und teilt lediglich mit, "dass eine abschließende Entscheidung über die weitere Verwendung des Forsthauses noch nicht gefallen ist". Sowohl Lieser als auch Angsten weisen aber darauf hin, dass ihres Wissens das Land auch über einen Verkauf der Klink nachdenkt - was dann normalerweise im Meistgebotsverfahren passieren würde.
Windpark spielt eine Rolle


Allerdings wolle man in Mainz offenbar vor allem erst einmal die weitere Entwicklung in Sachen Windkraft abwarten, sagen der VG-Chef und der Forstamtsleiter im Gespräch mit dem TV unisono. Hintergrund: Sollte es am nahen Teufelskopf eine Genehmigung für den von den Gemeinden Waldweiler und Weiskirchen geplanten Windpark geben, will sich Landesforsten an diesem Projekt beteiligen und im Staatswaldgebiet zwei Räder aufstellen. Wenn das Land dann noch im Besitz des Forsthauses Klink ist, sind diese Pläne leichter umzusetzen. Hätte das Gebäude einen anderen Eigentümer, könnte es hingegen - zum Beispiel wegen des Abstands zu den Rädern - mehr Probleme geben.
Extra

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in den Wäldern im Schatten des Teufelskopfs mehrere sogenannte Klinghütten. Dabei handelte es sich um einfache Unterkünfte für Waldarbeiter, die in der Nähe Holz einschlugen und Erz abbauten. Eine dieser Klinghütten wurde 1835 von den Preußen zum Forsthaus ausgebaut. Das zunächst aus Wohntrakt und Stall bestehende Gebäude wurde 1902 aufgestockt, bevor 1904 die Gaststube eröffnet wurde. Die Klink war bis zum 1. Dezember das letzte bewirtschaftete Forsthaus in Rheinland-Pfalz. Nach Auskunft des Mainzer Forstministeriums gab es im Land nachweislich drei Forsthäuser mit Gastbetrieb. Neben der Klink waren das die Forsthäuser Morschbacherhof und Kehrdichannichts (beide im Pfälzer Wald). Dort wurden die dazugehörigen Gaststätten 1997 beziehungsweise 1999 geschlossen. Beide Häuser sind aber nach wie vor Sitz der jeweiligen Revierleiter. ax