Der Gewalt ein Schnippchen schlagen

Der Gewalt ein Schnippchen schlagen

SAARBURG. Vorbeugen statt reagieren – diese Maxime hat sich die Verbandsgemeinde Saarburg auf die Fahne geschrieben, als sie vor zehn Jahren den Kriminalpräventiven Rat gründete. Ein gutes Zeugnis für die bisher geleistete Arbeit stellt der Verantwortliche der Landesleitstelle für Kriminalprävention den Saarburgern aus.

"Es ist ganz typisch für die Saarburger, dass sie um das zehnjährige Bestehen des Kriminalpräventiven Rats keinen großen Wind machen", erklärte Helmut Liesenfeld, Chef der Leitstelle Kriminalprävention in Mainz, am Rande der jüngsten Sitzung des Rates am Mittwoch in Saarburg. "Andere hätten das mit politischen Vertretern aus Mainz riesig inszeniert. Die Saarburger hingegen konzentrieren sich auf das Schaffen."Keine formellen Strukturen

Helmut Liesenfeld ließ es sich nicht nehmen, zur "Geburtstagssitzung", der 45. innerhalb von zehn Jahren, nach Saarburg zu kommen. Einziger Tagesordnungspunkt bei dieser Zusammenkunft war ein Rückblick Leo Lauers, Vorsitzender des Gremiums, auf die zehnjährige Arbeit des Kriminalpräventiven Rats. Angesichts sich stetig ändernder gesellschaftlicher Verhältnisse und Problemstellungen habe das Land Rheinland-Pfalz damals den Städten und Gemeinden die Anregung gegeben, einen Runden Tisch zum Thema Kriminalprävention einzurichten. Günther Schartz, damaliger Bürgermeister der Verbandsgemeinde Saarburg, habe die Initiative ergriffen und die Gründung eines Kriminalpräventiven Rats vorangetrieben. Vertreter aus Verwaltung und Ämtern, der Jugendarbeit, Geschäftswelt und Polizei, von Schulen, Kindergärten und diversen Beratungsstellen, aber auch Eltern bringen ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Kenntnisse seitdem in das unbürokratisch organisierte Gremium ein. "Es gibt keine formellen Strukturen. Wir haben keinen Vorstand, keine Satzung und vor allem auch keine festen Vertreter der einzelnen Einrichtungen", erläuterte Leo Lauer im Gespräch mit dem TV. "Je nach Thema entsenden die einzelnen Einrichtungen geeignete Leute. Das Gute an diesem Rat ist, dass dort die Erfahrungen und Kompetenzen von Personen zusammenlaufen, die in ganz unterschiedlicher Weise mit dem Thema Kriminalprävention zu tun haben." Neben der kontinuierlichen Arbeit setzen die ehrenamtlich Aktiven jährliche Themenschwerpunkte. So widmete sich das erste Schwerpunktthema nach der Gründung am 13. November 1996 der Suchtprävention. Eine Schülerbefragung an der Hauptschule in Saarburg zum Thema "Sucht im Zusammenhang mit dem Freizeitverhalten" habe grundsätzliche Daten für die spätere Arbeit geliefert. Erhebungen organisiert der Rat häufig als flankierende Schritte für ein Konzept. So läuft nach Auskunft Lauers derzeit eine Befragung an Grund- und Hauptschulen der VG zum Thema "Gewalt an Schulen". Konkrete Fälle werden aus Sicht der betroffenen Schüler protokolliert. Darüber hinaus treffen sie Aussagen darüber, wie sie die Gewalt-Situation an ihrer Schule einschätzen. "Wie auch bei anderen Themenschwerpunkten geht es darum, mit den notwendigen Gesprächspartnern ein Frühwarnsystem zu installieren", erklärte Lauer. Wie sinnvoll derartige Befragungen sind, erklärte in der Sitzung Josef Brittnacher, Rektor der Hauptschule Saarburg. "Dem Problem der Gewalt an Schulen können wir nur mit absoluter Offenheit begegnen. Es hilft nichts, etwas zu vertuschen. Auch wenn dies die Schule kurzzeitig in ein negatives Licht stellt." Wichtig seien Befragungen auch unter dem Aspekt, "dass sich die Schüler mit ihren Taten einordnen können, wenn sie sich plötzlich in einem Protokoll wiederfinden". Ein Netzwerk geknüpft

Als einen wichtigen Erfolg des Kriminalpräventiven Rats wertete Lauer die Anstellung einer Schulsozialarbeiterin an der Saarburger Haupt- und Realschule. "Als Ulrike Schener-Heinrich 1999 ihre Arbeit begann, war dies noch eine ABM-Stelle. Inzwischen ist das in eine feste Anstellung übergegangen, weil an der Notwendigkeit ihrer Arbeit kein Zweifel besteht." Insgesamt hat sich nach Einschätzung Lauers das Gremium bewährt. "Wir greifen Themen auf, bevor sie zum ernsthaften Problem werden. Vor allem ist die wichtigste Aufgabe erfüllt, ein Netzwerk aufzubauen. So arbeiten Personen bestimmter Einrichtungen zusammen, die vorher ihr eigenes Süppchen gekocht haben. Auch für die Zukunft wird das bisherige Motto ,Wer nichts tut, macht mit' Richtschnur für unsere Arbeit sein."