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Der Grandseigneur der Kreispolitik nimmt Abschied

Der Grandseigneur der Kreispolitik nimmt Abschied

1969 stieß er als Jungspund zur Altherrenriege des Kreistags, am 16. April 2012 wird Manfred Wischnewski im Alter von 72 Jahren verabschiedet. Als Kommunalpolitiker und Vertreter des Landrats hat sich der Beigeordnete kreisweit einen guten Namen gemacht.

Trier/Konz/Saarburg. Bekäme der langjährige Schulleiter Manfred Wischnewski ein Zeugnis für seine kommunalpolitische Tätigkeit, stünden darin vermutlich nur Bestnoten. Und das nicht nur aufs Fachliche bezogen, sondern auch was das Benehmen und die Mitarbeit angeht. Der 72-Jährige, der zum 15. April sein Ehrenamt als Kreisbeigeordneter niederlegt und tags darauf im Kreistag verabschiedet wird, ist das einzige verbliebene Mitglied des nach der Zusammenführung der Altkreise Saarburg und Trier-Land im Jahr 1969 neu gebildeten Kreistags. Von den 277 Sitzungen seit dieser Zeit hat der Christdemokrat an 256 teilgenommen - ein Vorbild an Beständigkeit und Pflichterfüllung. "Die Kreispolitik ist vielfältiger geworden, die Themen komplexer", sagt Wischnewski und sieht die Entwicklung vom Dreiparteien-Gremium zum heutigen Kreisparlament mit sechs Gruppierungen positiv: "Die Grünen und die Freien haben viel Schwung reingebracht."
Vor 40 Jahren lief ohne die CDU nichts - mit ihrer satten Zweidrittelmehrheit konnte sie sogar Satzungsänderungen im Alleingang durchsetzen. Mentor Michael Kutscheid hatte Wischnewski, in den Sechzigern Bezirksvorsitzender der Jungen Union, den Weg in den Kreistag geebnet. Der war damals eine reine Männerriege. Heute gibt es immerhin zehn Frauen und voraussichtlich wird eine davon Wischnewskis Nachfolgerin (siehe Extra).
"Ich hatte großen Respekt, setzte mich in die letzte Reihe und sah mit Erstaunen, dass vor den Herren ein großer weißer Teller stand mit dicken Zigarren darauf", erinnert sich der gebürtige Danziger an seine Jungfernsitzung. Und neben jedem Altvorderen habe eine Flasche Wein gestanden, was im Laufe der Sitzung die Heftigkeit und Länge der Redebeiträge durchaus beeinflusst habe. Damals hätten noch überwiegend Landwirte und Winzer dem Gremium angehört, die "auch mal mit der Faust auf den Tisch gehauen haben, wenn ihnen die Diskussion nicht passte".
Manfred Wischnewski kam nach den Kriegswirren in Danzig 1947 als Vollwaise auf ziemlich abenteuerlichen Wegen zunächst an die Mosel nach Lieser. Nach dem Lehrerstudium hatte er die erste Anstellung an der Volksschule in Taben (Saar). Nach weiteren Stationen in Trier und Konz wurde Wischnewski schließlich 1988 bis zur Pensionierung im Jahr 2004 Rektor der Hauptschule Saarburg.
Wollte man alle kommunalpolitischen Tätigkeiten des 72-Jährigen aufzählen, würde das den Rahmen eines Zeitungsberichts sprengen. Hier nur einige seiner wichtigsten Ämter: Kreistagsmitglied von 1969 bis 1999 und von 2004 bis 2006, 3. Kreisbeigeordneter von 1999 bis 2004 und von 2006 bis heute, Mitglied in zahlreichen Ausschüssen des Kreises sowie in Verbands- und Gesellschafterversammlungen, Mandatsträger im Verbandsgemeinderat Konz (1979-1984) und im Stadtrat Konz (1970-1979 und 1984 bis heute). Im Konzer Stadtrat ist Wischnewski zudem seit 1984 ehrenamtlicher erster Beigeordneter; dieses Mandat möchte er noch bis zum Ende der Legislaturperiode (2014) ausfüllen. Seine Verdienste wurden unter anderem mit der Verleihung der Ehrennadeln des Kreises und des Landes sowie der Freiherr-vom-Stein-Plakette gewürdigt. Er habe die vielen Termine, bei denen er den Kreis repräsentierte, gerne gemacht, sagt der sechsfache Vater (fünf Söhne, eine Tochter). Die Begegnungen mit Menschen hätten ihn stets inspiriert.Extra

Kreisbeigeordnete sind die Stellvertreter des Landrats. Laut Landkreisordnung sind zwei bis drei Beigeordnete möglich, bis zu zwei können hauptamtlich tätig sein. Im Kreis Trier-Saarburg gibt es drei ehrenamtliche Beigeordnete: Dieter Schmitt (Fisch, CDU), Helmut Reis (Mehring, FWG) und Manfred Wischnewski (Konz, CDU). Schmitt fungiert als erster Beigeordneter in der Regel als politischer Vertreter von Landrat Günther Schartz, während die beiden anderen vorwiegend repräsentative Aufgaben übernehmen. Im Vertretungsfall erhalten die Beigeordneten eine Aufwandsentschädigung. Für die Wischnewski-Nachfolge (Wahl ist am 16. April im Kreistag) will die CDU-Fraktion Stephanie Nickels (Waldrach ) vorschlagen. alf